IYI-Abgeordneter Turhan Çömez in Ankara wirft der Regierung vor, dem syrischen Ceyş’ul-İslam-Anführer Essam Bouidani die Staatsbürgerschaft verliehen zu haben. Trotz Interpol-Haftbefehl soll er unbehelligt in Antalya investiert haben. 2. Skandal in Ankara: IS-nahe Personen aus Europa – Türkei als Transitland für Dschihadisten
Türkische Allgemeine, Wien, 2.10.2025
ANKARA. Der türkische Parlamentsabgeordnete Dr. Turhan Çömez (IYI-Partei) hat eine parlamentarische Anfrage eingereicht, in der er schwere Vorwürfe gegen die Regierung erhebt. Laut Çömez soll Essam Bouidani, der ehemalige Anführer der salafistisch-dschihadistischen Organisation Ceyş’ul-İslam, die türkische Staatsbürgerschaft erhalten haben. Sein neuer Name: Essam Bedatioğlu.
Bouidani, der laut internationalen Berichten in Syrien an Massakern beteiligt gewesen sein soll, habe mehrere Millionen Dollar in den Tourismussektor investiert und sich in Antalya niedergelassen. Frankreich habe inzwischen belastende Dokumente über seine Kriegsverbrechen gesammelt und bei Interpol einen internationalen Haftbefehl beantragt. Trotz dieser Vorwürfe sei Bouidani in der Türkei unbehelligt geblieben. Mit dem türkischen Pass in der Tasche habe er sich nach Dubai begeben, wo er schließlich an der Grenze festgenommen wurde.
Çömez fordert vom Innenministerium eine umfassende Stellungnahme zu folgenden Punkten:
• Wie konnte Bouidani die türkische Staatsbürgerschaft erhalten?
• Wurden seine Aktivitäten und Investitionen staatlich geprüft?
• Warum wurde trotz Interpol-Haftbefehl keine Maßnahme ergriffen?
• Welche sicherheitspolitischen Risiken ergeben sich aus diesem Fall?
Der Abgeordnete kündigte an, die Öffentlichkeit zu informieren, sobald eine offizielle Antwort vorliegt.

Dort sei er an der Grenze festgenommen worden. Çömez erklärt, er habe das türkische Innenministerium um eine umfassende Stellungnahme zu den Einzelheiten dieses Vorgangs gebeten. Sobald eine Antwort vorliege, werde er die Öffentlichkeit informieren.
Hier die Anfrage und die Übersetzung

Großes Nationales Parlament der Türkei TBMM – Parlamentarische Anfrage
An den Außenminister Herrn Hakan Fidan
Eingereicht von: Abgeordneter Dr. Turhan Çömez (Balıkesir)
Datum: 26.04.2025
Betreff: Einreise und Aktivitäten von Zahran Alloush in der Türkei
Zahran Alloush, syrischer Staatsbürger und ehemaliger Anführer der bewaffneten Organisation „Dschaisch al-Islam“, war eine zentrale Figur im syrischen Bürgerkrieg. Die genannte Organisation, die salafistisch-dschihadistische Ideologien vertritt, wurde unter anderem von Katar und Saudi-Arabien finanziell und logistisch unterstützt. Sie war in zahlreiche gewaltsame Übergriffe und Menschenrechtsverletzungen verwickelt.
Es liegen Hinweise vor, dass Zahran Alloush in die Türkei eingereist ist und sich mit dem türkischen Unternehmer Ethem Sancak getroffen hat. Dieses Treffen wirft Fragen hinsichtlich der außenpolitischen Position der Türkei sowie möglicher sicherheitsrelevanter Risiken auf.
In diesem Zusammenhang bitte ich um die Beantwortung folgender Fragen:
1. Ist Zahran Alloush offiziell in die Türkei eingereist? Falls ja, mit welchem Reisedokument und über welchen Grenzübergang?
2. Wurde seine Einreise durch staatliche Stellen genehmigt oder begleitet?
3. Hat ein Treffen zwischen Zahran Alloush und Ethem Sancak stattgefunden? Wenn ja, wo und zu welchem Zweck?
4. Welche sicherheitspolitischen Bewertungen liegen hinsichtlich der Anwesenheit von Zahran Alloush in der Türkei vor?
5. Welche Maßnahmen wurden seitens Ihres Ministeriums ergriffen, um mögliche Risiken für die nationale Sicherheit zu prüfen oder zu verhindern?
Mit der Bitte um schriftliche Beantwortung gemäß Artikel 98 der Verfassung und Artikel 96 der Geschäftsordnung der Großen Nationalversammlung der Türkei.
Dr. Turhan Çömez
Abgeordneter für Balıkesir – İYİ Partei
2. Skandal in Ankara: IS-nahe Personen aus Europa – Türkei als Transitland für Dschihadisten
Der türkische Abgeordnete Turhan Çömez schlägt Alarm: Frankreich und andere EU-Staaten sollen IS-nahe Personen in die Türkei abgeschoben haben. Ein Fall mit tödlichen Folgen wurde nun im Parlament öffentlich gemacht.
in schwerwiegender Vorwurf erschüttert die türkische Öffentlichkeit: Der Abgeordnete Dr. Turhan Çömez (IYI-Partei) hat in einer Fernsehdebatte und mit einer parlamentarischen Anfrage auf einen sicherheitspolitischen Skandal hingewiesen. Demnach sollen europäische Länder – darunter Frankreich, Österreich und Deutschland – Personen mit Verbindungen zur Terrororganisation IS/DEAŞ in die Türkei abgeschoben haben.
Ein besonders erschütternder Fall wurde im Parlament diskutiert:
• Eine 14-köpfige syrische Familie mit nachgewiesener IS-Sympathie wurde aus Frankreich in die Türkei überstellt und ließ sich unbehelligt in Ankara nieder.
• Die Gruppe ermordete den Fahrer eines gemieteten Kleinbusses, transportierte die Leiche bis nach Hatay, versteckte sie dort und überquerte anschließend die Grenze.
Çömez stellt öffentlich brisante Fragen:
– Erfolgte die Einreise im Rahmen des Rückübernahmeabkommens?
– Warum wurden die IS-Verbindungen nicht erkannt?
– Wie konnten sich die Täter in der Hauptstadt mit Schusswaffen frei bewegen?
– Wie gelang es ihnen, eine Leiche quer durchs Land zu transportieren?
– Wie konnten sie eine als hochgesichert geltende Grenze unbehelligt überqueren?
Der Abgeordnete warnt: Wenn solche Personen unter dem Vorwand der Rückführung nach Syrien in Istanbul übergeben werden, aber tatsächlich in der Türkei verbleiben, droht eine systematische Unterwanderung der inneren Sicherheit.
Die türkische Regierung steht unter Druck, klare Antworten zu liefern. Das Innenministerium wurde offiziell zur Stellungnahme aufgefordert. Die Öffentlichkeit erwartet Aufklärung – und Konsequenzen. (Türkische Allgemeine, Wien, 2.10.2025)
UPDATE 04.10.2025 IS-nahe Personen aus Europa – Türkei als Transitland für Dschihadisten
Erklärung des Innenministeriums zur IS-nahen Familie Aksoy: Alle Mitglieder sind von Geburt an türkische Staatsbürger
Das türkische Innenministerium hat eine Stellungnahme zur 14-köpfigen Familie Aksoy veröffentlicht, die mit der Terrororganisation IS in Verbindung steht. Die Familie soll den in Ankara verschwundenen Busfahrer Binali Aslan ermordet, seine Leiche in einem Waldgebiet in der Provinz Mersin verscharrt und anschließend illegal nach Syrien geflohen sein.
In der über den offiziellen Social-Media-Kanal des Ministeriums verbreiteten Erklärung wird betont, dass die Behauptungen einiger Medien und Plattformen, wonach die Familie erst nachträglich die türkische Staatsbürgerschaft erhalten habe, unbegründet und falsch seien. Alle Mitglieder der Familie seien von Geburt an türkische Staatsbürger.
Hintergrund zur Familie Aksoy
Die Familie Aksoy besitzt sowohl die französische als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Im Juli griffen mehrere Familienmitglieder in Gaziantep Angehörige der Gendarmerie an und wurden daraufhin für einen Monat inhaftiert. In der Nähe ihres Wohnorts wurde zudem die Leiche eines etwa 12- bis 13-jährigen Kindes entdeckt.
Am 21. September 2025 kontaktierten zwei Personen den 65-jährigen dreifachen Familienvater Binali Aslan, der als Spediteur am Busbahnhof AŞTİ in Ankara tätig war. Sie vereinbarten mit ihm eine Fahrt nach Mersin. Aslan nahm die 14-köpfige Familie in sein Fahrzeug auf und machte sich auf den Weg. Kurz darauf wurde sein Mobiltelefon abgeschaltet.
Nachdem seine Familie ihn als vermisst gemeldet hatte, leitete die Polizeibehörde Ankara Ermittlungen ein. Die Spur führte zunächst nach Mersin und anschließend nach Hatay. Als festgestellt wurde, dass die Verdächtigen illegal nach Syrien eingereist waren, schaltete sich der türkische Geheimdienst MIT ein.
Die Verdächtigen konnten in Idlib lokalisiert werden. In Zusammenarbeit mit dem syrischen Inlandsgeheimdienst wurde eine Operation durchgeführt. Dabei kamen acht Mitglieder der Familie ums Leben: Vater Vahdi, Mutter Meryem sowie Ayşe, Abdullah Ömer, Abdurrahim, Yakub, Muhammed und Ahmed Bahaeddin Aksoy.
Zwei weitere Familienmitglieder wurden verletzt, sechs Personen festgenommen und der Polizeibehörde in Hatay übergeben. Die Verdächtigen gestanden, dass sie Binali Aslan, mit dem sie die Fahrt vereinbart hatten, unterwegs getötet und seine Leiche im Wald von Tarsus vergraben hatten.
Es stellte sich heraus, dass die Familie, deren jüngstes Mitglied 34 Jahre alt war und die aus Eltern und zwölf Kindern bestand, über direkte Verbindungen zur Terrororganisation IS verfügte.





