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	<title>Türkei Archive - tuerkische-allgemeine.de</title>
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	<description>Ihre Zeitung für Türkische News aus dem Deutschsprachigen Raum</description>
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	<title>Türkei Archive - tuerkische-allgemeine.de</title>
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		<title>Wien im Blick eines Osmanen Was Gaspard Testa 1793 sah — und was uns heute noch angeht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Birol Kilic]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Mar 2026 17:37:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wien 1793 – Gesehen mit den Augen eines Osmanischen Dragoman- Diplomaten Sie&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2026/03/08/wien-im-blick-eines-osmanen-was-gaspard-testa-1793-sah-und-was-uns-heute-noch-angeht/">Wien im Blick eines Osmanen Was Gaspard Testa 1793 sah — und was uns heute noch angeht</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Wien 1793 – Gesehen mit den Augen eines Osmanischen Dragoman- Diplomaten</h2>
<h4>
<p>Sie zeigen Wien nicht durch die Augen eines europäischen Reisenden, sondern durch den Blick eines Beobachters aus der osmanischen Welt.</h4>
<p>Birol Kılıç, 08.03.2026, Wien, Rezension</p>
<p data-start="0" data-end="253">Unglaublich… Haben Sie sich jemals gefragt, wie Wien im Jahr 1793 aussah? Wie die Straßen beschaffen waren, wie das tägliche Leben verlief, wie die Menschen lebten und sich in dieser Stadt bewegten? Wenn ja, dann könnte dieses Werk Ihr Interesse wecken.</p>
<p data-start="255" data-end="812">Denn wenn man einen Zeitzeugen des Jahres 1793 erleben möchte – jemanden, der beschreibt, wie Wien damals aussah, von den Straßen über die Frauen und Geschäfte bis hin zur Beleuchtung auf dem Weg zur Oper – und der sogar Kaiser Franz II. (1792–1806), den letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, persönlich in Wien gesehen hat, während er siebzehn Tage lang als Botschaftsdrogman (Übersetzer) tätig war, dann sollte man dieses Buch über Wien und andere europäische Städte lesen. Dieses Werk öffnet ein Fenster in eine vergangene Zeit.</p>
<p data-start="814" data-end="1292">Der Text ist nicht in der distanzierten Sprache eines Historikers verfasst, sondern klingt wie die unmittelbare Stimme eines Tagebuchs. In seinen Zeilen liegen die Frische der Beobachtung, die Nähe des Erlebten und die Authentizität eines Menschen, der mitten<strong> im damaligen Wien stand.</strong> Jahr 1793&#8230;Derzeit arbeiten wir auch mit dem „Neue Welt Verlag” aus Wien daran, dieses türkisch-niederländische Buch gemeinsam mit dem Herausgeber Tütüncü in deutscher Sprache herauszugeben. Bevor es soweit ist, möchte ich jedoch gerne einen kurzen Einblick in die Entstehung und Bedeutung dieses Werkes von Testa aus dem Jahr 1793 geben und einige Hintergrundinformationen dazu liefern..</p>
<p data-start="1294" data-end="1650">Der Autor dieser im Jahr 1793 in Wien angefertigten Aufzeichnungen ist <strong>Gesbart Baron Testa,</strong> ein osmanischer Bürger und Untertan genuesischer( aus Italien) Abstammung sowie römisch-katholischen Glaubens. Testa wurde am 1. August 1770 in Istanbul geboren. Seine Geschichte ist zugleich die Geschichte einer Familie, die über Jahrhunderte hinweg zwischen zwei Welten lebte.</p>
<p data-start="1652" data-end="2121">Die Familie Testa gehörte zu jenen levantinischen Familien Galatas, deren Leben sich im Schnittpunkt von Handel, Diplomatie und Kultur bewegte. Ihre Wurzeln reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, als sich ihre Vorfahren aus der Seerepublik Genua( Italien)   in Galata niederließen. Dieses Viertel am Goldenen Horn war damals einer der internationalsten Orte der östlichen Mittelmeerwelt – ein Treffpunkt von Händlern, Diplomaten und Reisenden aus Europa und dem Osmanischen Reich.</p>
<p data-start="2123" data-end="2570">Nach der Eroberung Konstantinopels <strong>im Jahr 1453 überreichten Vertreter der Genuesen von Galata Sultan Mehmed II. die Schlüssel des Viertels.</strong> Der Sultan gewährte den Bewohnern Schutz und Handelsprivilegien. In den folgenden Jahrhunderten entwickelten sich daraus enge Beziehungen zwischen den levantinischen Familien Galatas und der osmanischen Verwaltung. Viele dieser Familien wurden zu wichtigen Vermittlern zwischen Europa und der Hohen Pforte.</p>
<p data-start="2572" data-end="2936">Auch in der Familie Testa setzte sich diese Tradition fort. Bereits der Großvater Gaspard Testas arbeitete als Dolmetscher an der niederländischen Botschaft in Istanbul. Dass der junge Testa denselben Weg einschlug, war daher kaum überraschend. Es war die Fortsetzung einer Familienlinie, die seit Generationen zwischen Europa und der osmanischen Welt vermittelte.</p>
<p data-start="2938" data-end="3274">1791 trat Gaspard Testa als Dolmetscher in den Dienst der niederländischen Botschaft. Im Laufe der Jahre machte er eine bemerkenswerte diplomatische Karriere: zunächst als Attaché, später als Kanzler, Sekretär und schließlich als Geschäftsträger. Sein Leben war ganz der Aufgabe gewidmet, zwischen zwei politischen Welten zu vermitteln.</p>
<p data-start="3276" data-end="3733">Als Testa im Jahr 1793 nach Wien kam, regierte <strong>Kaiser Franz II. über die Habsburgermonarchie.</strong> Franz II. galt nicht als großer Reformer, sondern als vorsichtiger Bewahrer der bestehenden Ordnung. Diese Ordnung war jedoch nicht von ihm geschaffen worden. Ihre Grundlagen waren bereits im 18. Jahrhundert unter seiner Großmutter Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph II. gelegt worden, die durch umfassende Reformen Verwaltung, Bildung und Staat modernisierten.</p>
<p data-start="3735" data-end="4087">Franz II. selbst galt als zurückhaltender und pflichtbewusster Herrscher. Zeitgenossen beschrieben ihn als nüchtern und stark auf Stabilität bedacht. Große politische Visionen lagen ihm weniger als die Bewahrung von Ruhe, Ordnung und Kontinuität im Staat – besonders in den unruhigen Jahren der Französischen Revolution und der napoleonischen Umbrüche.</p>
<p data-start="4089" data-end="4490">Genau in diese Welt trat der junge Gaspard Testa ein, als er im Herbst 1793 Wien erreichte – eine Stadt, die ihm zugleich vertraut und fremd erscheinen musste. Vertraut, weil sie ein Zentrum europäischer Diplomatie war. Fremd, weil ihre Ordnung, ihre Straßen, ihre Beleuchtung und ihr öffentliches Leben eine andere Vorstellung von Stadt und Staat widerspiegelten als jene, die er aus Istanbul kannte.</p>
<p data-start="4492" data-end="4885">Gerade deshalb sind seine Notizen aus dem Jahr 1793 über Wien heute so faszinierend. Sie zeigen Wien nicht durch die Augen eines europäischen Reisenden, sondern durch den Blick eines Beobachters aus der osmanischen Welt. Manchmal genügt dabei eine scheinbar kleine Beobachtung – eine gepflasterte Straße, eine Laterne oder eine Szene im Theater –, um den Unterschied zwischen zwei politischen Kulturen sichtbar zu machen.</p>
<p data-start="4887" data-end="5003" data-is-last-node="" data-is-only-node="">Testas Tagebuch ist deshalb mehr als nur ein Reisebericht. Es ist ein seltenes Dokument der Begegnung zweier Welten.</p>
<h4 class="isSelectedEnd"><span style="font-family: -apple-system, BlinkMacSystemFont, 'Segoe UI', Roboto, 'Helvetica Neue', Arial, 'Noto Sans', sans-serif, 'Apple Color Emoji', 'Segoe UI Emoji', 'Segoe UI Symbol', 'Noto Color Emoji';">.</span>Wie kamen die Genuesen nach Istanbul?</h4>
<p class="isSelectedEnd">Zur Zeit, aus der die Familie Testa stammt, existierte Italien als einheitlicher Staat noch nicht. Die italienische Halbinsel bestand vielmehr aus zahlreichen unabhängigen Stadtstaaten und Republiken, darunter Venedig, Florenz, Pisa und die mächtige Seerepublik Genua. Diese Republiken waren bedeutende Handelsmächte des Mittelmeerraums und unterhielten weitreichende Handelsnetze von Spanien bis zum Schwarzen Meer.</p>
<h4>Ahdnamen für die Genuesen</h4>
<p class="isSelectedEnd">Die sogenannten Ahdnamen für die Genuesen waren offizielle Urkunden des Osmanischen Reiches, mit denen genuesischen Kaufleuten und der Bevölkerung von Galata insbesondere während und nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 Schutz und Handelsprivilegien gewährt wurden. Diese Dokumente garantierten den Genuesen Sicherheit für Leben und Eigentum sowie weitreichende wirtschaftliche Rechte, damit sie ihre Handelsaktivitäten im Mittelmeer und im Schwarzen Meer weiterhin ausüben konnten. In der europäischen Geschichtsschreibung werden solche Urkunden häufig als Schutz- und Privilegienbriefe oder als frühe Formen von Handelskapitulationen bezeichnet.</p>
<p class="isSelectedEnd">Die bekannteste und grundlegende dieser Urkunden ist die Ahdname, die Sultan Mehmed II., genannt „der Eroberer“, im Jahr 1453 den Einwohnern von Galata – vor allem den dort lebenden Genuesen – verlieh. Nachdem Galata seine Schlüssel übergeben hatte, gewährte der Sultan der lokalen Bevölkerung Schutz und erklärte sinngemäß, dass sie unter seiner Garantie stehen und ihre Geschäfte weiterhin ausüben könnten. Mehmed II., der sich nach der Einnahme der Stadt auch als <strong>Kayser-i Rûm</strong> („Kaiser von Rom“) verstand, sah sich bewusst in der Tradition der römisch-byzantinischen Kaiser und orientierte sich dabei auch am historischen Vorbild Konstantins des Großen, des Gründers Konstantinopels.</p>
<p class="isSelectedEnd">Zu den wichtigsten Bestimmungen dieser Ahdnamen gehörten wirtschaftliche und rechtliche Privilegien für genuesische Kaufleute. Ihnen wurden vergleichsweise niedrige Zölle eingeräumt sowie das Recht, in den osmanischen Häfen frei Handel zu treiben. Darüber hinaus wurden diese Privilegien von späteren osmanischen Herrschern – darunter Bayezid II., Selim I. und Süleyman I. – bei ihrem Regierungsantritt erneuert und bestätigt, wodurch die wirtschaftliche Präsenz der genuesischen Händler über lange Zeit gesichert blieb.</p>
<p class="isSelectedEnd">Ein weiterer wichtiger Bestandteil dieser Vereinbarungen war die religiöse Toleranz. Die Kirchen der genuesischen Gemeinschaft wurden geschützt, und den Angehörigen dieser lateinischen Bevölkerung wurde erlaubt, ihren christlichen Glauben frei auszuüben.</p>
<p>In der historischen Entwicklung stellen diese Ahdnamen ein bedeutendes Beispiel für die Handels- und Diplomatiepolitik des Osmanischen Reiches dar. Sie zeigen, wie das Reich bereits in seiner frühen Phase stabile wirtschaftliche Beziehungen zu westlichen Seemächten aufbaute und diese durch rechtliche Garantien absicherte.</p>
<h4>Die Wiederentdeckung des Tagebuchs</h4>
<p class="isSelectedEnd">Die Notizen Testas wurden gelesen, erschlossen und herausgegeben von Mehmet Tütüncü, einem Vertreter der zweiten Generation niederländischer Staatsbürger mit türkischen Wurzeln, der sich sowohl in den Niederlanden als auch in der Türkei durch seine historischen Publikationen einen Namen gemacht hat. Ihm sind wir zu großem Dank verpflichtet. Denn seiner sorgfältigen Arbeit verdanken wir es, dass wir heute die Aufzeichnungen eines christlichen und zugleich glücklichen osmanischen Bürgers lesen können, der im Jahr 1793 seine Eindrücke von Wien festhielt.</p>
<p class="isSelectedEnd">Mehmet Tütüncü lebt in den Niederlanden, ich selbst in Wien. Uns verbindet nicht nur das Interesse an Geschichte, sondern auch die Leidenschaft für Bücher und ihre Veröffentlichung. Seit Jahren schicken wir uns gegenseitig Publikationen zu. Auf diese Weise gelangte schließlich auch das Werk von Testa in unsere Hände. Tütüncü hatte das Manuskript in einer dunklen Kammer in Holland entdeckt, es ans Licht gebracht, in modernes Niederländisch und Türkisch übertragen und mit eigenen Mitteln als Buch veröffentlicht.</p>
<h4>Ein Tagebuch aus Wien</h4>
<p class="isSelectedEnd">In Wien hatte ich die Gelegenheit, dieses Notizbuch eines Drogman-Zeitzeugen eingehend zu studieren. Seine Familie stammte ursprünglich aus Genua und lebte seit dem 15. Jahrhundert im Osmanischen Reich, wo sie zahlreiche Privilegien genoss. Testa selbst war ein Sohn Istanbuls – ebenso wie ich.</p>
<p class="isSelectedEnd">Es sind jedoch nicht immer die großen Ereignisse, an denen sich der Zustand einer Epoche erkennen lässt. Zwar markieren Schlachten, Revolutionen und Verträge die dramatischen Wendepunkte der Geschichte. Doch das eigentliche Gesicht einer Zeit zeigt sich häufig in den unscheinbaren Dingen des Alltags: im Pflaster einer Straße, im Licht einer Laterne oder in der Art, wie Menschen sich im öffentlichen Raum bewegen. Gerade in diesen kleinen Details offenbart sich oft die tiefere Wahrheit einer Epoche. Und genau deshalb ist Testas Tagebuch so wertvoll: Es zeigt uns nicht nur die großen Bühnen der Geschichte, sondern vor allem das leise, alltägliche Leben einer vergangenen Welt.</p>
<h4>Eine Begegnung zweier Welten</h4>
<p class="isSelectedEnd">Als der junge osmanische Diplomat Gaspard Testa im Herbst des Jahres 1793 nach Wien kam, sah er deshalb nicht nur eine europäische Residenzstadt. Er begegnete einer Ordnung. Und in dieser Ordnung erkannte er – vielleicht ohne es selbst vollständig zu formulieren – den Unterschied zwischen zwei politischen Welten.</p>
<p class="isSelectedEnd">Es gibt Texte, die nicht nur von einer Reise berichten, sondern zugleich davon, wie zwei Imperien einander wahrnehmen. Das Reisetagebuch des jungen osmanischen Untertanen Gaspard Testa (1770–1847) gehört zu diesen seltenen Dokumenten. Testa, der in den vielsprachigen Straßen Galatas aufgewachsen war und aus einer Familie stammte, deren Leben eng mit der Diplomatie verbunden war, verließ im Jahr 1793 zum ersten Mal die Grenzen des Osmanischen Reiches. Im Gefolge des niederländischen Botschafters machte er sich von Istanbul aus auf den Weg nach Wien.</p>
<p class="isSelectedEnd">Gerade darin liegt die besondere Bedeutung dieses Tagebuchs. Über Jahrhunderte hinweg war es meist Europa gewesen, das den Orient beschrieb und interpretierte. Reisende aus dem Westen beobachteten den Osten und formten daraus ein Bild, das lange Zeit das europäische Verständnis der Welt prägte. Bei Testa kehrt sich diese Blickrichtung um. Hier beobachtet ein Mann aus der osmanischen Welt Europa – mit Neugier, Aufmerksamkeit und jener nüchternen Genauigkeit, die oft mehr verrät als große politische Analysen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Denn Testa interessiert sich nicht in erster Linie für höfische Zeremonien oder diplomatische Rituale. Sein Blick fällt auf andere Dinge: auf Straßen, auf Werkstätten, auf Märkte und auf das Verhalten der Menschen im Alltag. Gerade diese scheinbar kleinen Beobachtungen zeigen ihm, wie unterschiedlich zwei politische und gesellschaftliche Ordnungen funktionieren.</p>
<p class="isSelectedEnd">Dass wir dieses Tagebuch heute lesen können, verdanken wir der Arbeit des Historikers Mehmet Tütüncü, der in den Niederlanden seit vielen Jahren zu den Beziehungen zwischen der osmanischen Welt und Europa forscht. Sein Werk über Gaspard Testas Reisetagebuch hat ein Dokument aus den Archiven ans Licht geholt, das lange Zeit nur wenigen Spezialisten bekannt war. Tütüncü veröffentlichte seine Untersuchung zunächst 2002 auf Niederländisch und später, im Jahr 2023, auch auf Türkisch. Damit wurde ein Text zugänglich, der nicht nur für Historiker von Interesse ist, sondern für jeden, der verstehen möchte, wie Europa und die osmanische Welt einander am Ende des 18. Jahrhunderts wahrnahmen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Als jemand, der selbst in Wien lebt und publiziert, erscheint es mir daher nur angemessen, diesen Dank gleich zu Beginn auszusprechen. Denn ohne diese editorische Arbeit wäre Testas Stimme heute kaum hörbar.</p>
<p class="isSelectedEnd">Liest man das Tagebuch, fällt schnell auf, dass Testa weniger ein politischer Kommentator als vielmehr ein genauer Beobachter ist. Seine Notizen sind von einer Mischung aus Staunen und analytischer Neugier geprägt. Gerade deshalb besitzen sie bis heute eine erstaunliche Frische.</p>
<p>Denn Testa beschreibt nicht nur eine Reise. Er beschreibt eine Begegnung mit einer anderen Ordnung der Welt.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Wer war Gaspard Testa?</h4>
<p class="isSelectedEnd">Gaspard Testa wurde am 1. August 1770 in Istanbul geboren. Seine Geschichte ist zugleich die Geschichte einer Familie, die über Jahrhunderte hinweg zwischen zwei Welten lebte. Die Testas gehörten zu jenen levantinischen Familien, deren Leben sich im Schnittpunkt von Handel, Diplomatie und Kultur bewegte.</p>
<p class="isSelectedEnd">Ihre Wurzeln reichen weit zurück. Bereits um 1260 ließ sich die Familie, ursprünglich aus Genua stammend, in Galata nieder. Galata war damals ein Ort, an dem sich verschiedene Sprachen, Religionen und Handelsinteressen begegneten. Wer dort aufwuchs, lernte früh, zwischen Welten zu vermitteln.</p>
<p class="isSelectedEnd">Diese Fähigkeit sollte für die Familie Testa zu einer Art historischer Berufung werden.</p>
<p class="isSelectedEnd">Nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 gehörten Mitglieder der Familie zu jenen, die dem osmanischen Sultan Mehmed II. die Schlüssel von Galata überreichten. Aus diesem Moment entwickelte sich ein besonderes Verhältnis zwischen der Familie und der osmanischen Verwaltung. Über Generationen hinweg wurden die Testas zu Vermittlern zwischen europäischen Mächten und der Hohen Pforte.</p>
<p class="isSelectedEnd">In einer Zeit, in der Diplomatie ohne Sprachkenntnisse kaum möglich war, waren solche Vermittler von unschätzbarem Wert. Sie übersetzten nicht nur Worte, sondern auch politische Kulturen.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Eine Familie zwischen Imperien</h4>
<p class="isSelectedEnd">Auch Gaspards Großvater diente bereits als Dolmetscher an der niederländischen Botschaft in Istanbul. Dass der junge Testa denselben Weg einschlug, war daher keine zufällige Entscheidung, sondern die Fortsetzung einer Familienlinie, die seit Jahrhunderten zwischen Europa und der osmanischen Welt vermittelte.</p>
<p class="isSelectedEnd">1791 trat Gaspard Testa als Dolmetscher in den Dienst der niederländischen Botschaft. Im Laufe der Jahre sollte er eine bemerkenswerte diplomatische Karriere machen: zunächst als Attaché, später als Kanzler, Sekretär und schließlich als Geschäftsträger. Sein Leben war ganz der Aufgabe gewidmet, zwischen zwei politischen Welten zu vermitteln.</p>
<p class="isSelectedEnd">1846 wurde ihm der Titel eines Barons verliehen. Ein Jahr später, 1847, starb er in Istanbul. Begraben liegt er in der Kirche Santa Maria Draperis nahe dem niederländischen Generalkonsulat – ein Ort, der symbolisch für das Leben eines Mannes steht, der zwischen Kulturen und Staaten wirkte.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Ein Tagebuch aus dem Archiv</h4>
<p class="isSelectedEnd">Das Reisetagebuch, das Testa während seiner Reise im Jahr 1793 verfasste, ist ein erstaunlich kleines Dokument: nur 26 Blätter, insgesamt 52 Seiten, geschrieben auf Französisch.</p>
<p class="isSelectedEnd">Doch sein historischer Wert ist weit größer als sein Umfang vermuten lässt. Die Handschrift wurde später teilweise dem niederländischen Staatsarchiv übergeben und befindet sich heute unter den Papieren der Familie van Dedem. Lange Zeit blieb sie dort unbeachtet – ein stilles Dokument in den Archiven Europas.</p>
<p class="isSelectedEnd">Erst die Arbeit des Historikers Mehmet Tütüncü brachte diesen Text wieder ans Licht. Mit großer Sorgfalt rekonstruierte er den historischen Kontext und veröffentlichte das Werk zunächst auf Niederländisch und später auf Türkisch.</p>
<p class="isSelectedEnd">Damit wurde eine Quelle zugänglich, die nicht nur eine Reise beschreibt, sondern auch einen seltenen Perspektivwechsel ermöglicht.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Zwei Jahrhunderte diplomatischer Beziehungen</h4>
<p class="isSelectedEnd">Die Reise, die Testa 1793 unternahm, fand in einem besonderen historischen Moment statt. Zu diesem Zeitpunkt verband das Osmanische Reich und die Niederlande bereits eine fast zweihundertjährige diplomatische Beziehung.</p>
<p class="isSelectedEnd">Diese Beziehung beruhte nicht allein auf Handel. Sie war auch Teil der politischen Kräftebalance Europas.</p>
<p class="isSelectedEnd">Im frühen 17. Jahrhundert suchten sowohl die Niederlande als auch das Osmanische Reich Verbündete gegen die katholischen Großmächte Europas. Die Habsburger und Spanien dominierten weite Teile des Kontinents und der Weltmeere. Für beide Staaten konnte daher ein pragmatisches Bündnis sinnvoll sein.</p>
<p class="isSelectedEnd">1612 gewährte der osmanische Sultan niederländischen Kaufleuten weitreichende Rechte im Reich: sie durften reisen, Handel treiben und sich niederlassen. Diese Entscheidung legte den Grundstein für stabile diplomatische Beziehungen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Schon bald entstanden niederländische Handelskolonien in Städten wie Aleppo, Smyrna und Konstantinopel. Diplomatie folgte dem Handel.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Die Rückreise eines Botschafters</h4>
<p class="isSelectedEnd">Der niederländische Botschafter Frederik Gysbert Baron van Dedem hatte acht Jahre in Istanbul verbracht. 1793 endete seine Mission.</p>
<p class="isSelectedEnd">Van Dedem war ein niederländischer Aristokrat. Sein Familiensitz, das Schloss De Gelder in der Provinz Overijssel, symbolisierte seine gesellschaftliche Stellung. Nach Jahren diplomatischer Arbeit war es Zeit, nach Hause zurückzukehren.</p>
<p class="isSelectedEnd">Diese Rückreise wurde zur Reisegesellschaft von zehn Personen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Zu ihr gehörten neben dem Botschafter seine Frau Adriana Frederica Johanna Sloet und sein Sohn Anthony. Hinzu kamen eine Kaufmannswitwe aus Amsterdam, ein schwedischer Diplomat, ein Offizier aus Triest, ein Professor, ein Prager Kaufmann, ein Diener – und Gaspard Testa.</p>
<p class="isSelectedEnd">Am 5. September 1793 verließ die Gruppe Istanbul. Vor ihnen lagen mehr als 1500 Kilometer.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Aufbruch aus Istanbul</h4>
<p class="isSelectedEnd">Die Reise begann mit Postkutschen und Pferdegespannen. Ein offizieller Wegführer begleitete die Gruppe bis zur österreichischen Grenze. Auch Janitscharen wurden abgestellt, um die Reisenden zu schützen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Reisen im späten 18. Jahrhundert bedeutete Geduld. Schon kurz nach dem Aufbruch brach in der Nähe von Eyüp die Achse einer Kutsche. Solche Zwischenfälle waren keine Ausnahme. Brücken waren oft baufällig, Straßen schlecht instand gehalten.</p>
<p class="isSelectedEnd">Postpferde mussten immer wieder gewechselt werden, und häufig fehlten frische Tiere. Reisen war langsam. Und manchmal gefährlich.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Räuber, Krankheit und Unsicherheit</h4>
<p class="isSelectedEnd">Besonders auf der Strecke zwischen Edirne und Philippopolis warnte der Wegführer vor Räubern. Er versuchte sogar, die Gruppe von der Hauptstraße abzubringen. Später stellte sich heraus, dass diese Warnungen übertrieben waren.</p>
<p class="isSelectedEnd">Doch die Unsicherheit blieb. Auch Unterkünfte waren ein Problem. Manche Nächte verbrachte die Gruppe in Geschäften oder einfachen Schuppen. Die weiblichen Reisenden schliefen gelegentlich sogar in den Kutschen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Hinzu kam eine weitere Gefahr, die damals in Europa allgegenwärtig war: die Pest. An der österreichisch-osmanischen Grenze in Zemlin wurde die Reisegruppe zehn Tage lang unter Quarantäne gestellt.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Europa und Wien in Aufruhr</h4>
<p class="isSelectedEnd">Während Testa durch den Balkan reiste, befand sich Europa in einer seiner dramatischsten Phasen. Die Französische Revolution hatte den Kontinent erschüttert. Im Januar 1793 wurde Ludwig XVI. hingerichtet. Wenige Monate später, im Oktober desselben Jahres, folgte Marie Antoinette. Für die europäischen Monarchien war dies ein Schock.</p>
<p class="isSelectedEnd">Die politische Ordnung des Kontinents begann zu wanken. Und genau in diesem Moment betrat der junge osmanische Diplomat Wien.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Siebzehn Tage in Wien</h4>
<p class="isSelectedEnd">Am 23. Oktober 1793 erreichte die Reisegesellschaft Wien. Nach Wochen auf staubigen Straßen, nach zerbrochenen Wagenachsen, Quarantäne und improvisierten Unterkünften öffnete sich nun eine andere Welt.</p>
<p class="isSelectedEnd">Die Gruppe bezog Quartier in einem Gasthof am Graben, einer der elegantesten Straßen der Stadt. Der niederländische Botschafter van Dedem mietete dort ein komfortables Appartement. Wien war damals eine der bedeutendsten Residenzstädte Europas – politisches Zentrum der Habsburgermonarchie und zugleich ein Ort intensiven kulturellen Lebens.</p>
<p class="isSelectedEnd">Kaum angekommen, wurde van Dedem krank. Doch nach der Behandlung durch den Hofarzt Brambilla besserte sich sein Zustand rasch, und bald begann die gesellschaftliche Routine der Diplomatie: Einladungen, Theaterbesuche, Gespräche mit hochrangigen Persönlichkeiten.</p>
<p class="isSelectedEnd">Unter den Besuchern befanden sich Prinz Colloredo-Mels, der einflussreiche Staatsmann Prinz von Kaunitz, der Marquis di Gallo sowie mehrere europäische Diplomaten. Für Testa jedoch war etwas anderes wichtiger als diplomatische Begegnungen. Sein Blick richtete sich auf die Stadt selbst.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Straßen und Ordnung</h4>
<p class="isSelectedEnd">Eines der ersten Dinge, die Testa in Wien bemerkte, waren die Straßen. „Zum ersten Mal sah ich Straßen, die mit quadratischen Steinen gepflastert waren“, notierte er. Auch die Gehwege waren befestigt, und die Straßennamen waren deutlich angeschrieben. Diese Beobachtung wirkt auf den heutigen Leser banal. Doch für jemanden, der aus einer osmanischen Großstadt kam, war dies bemerkenswert.</p>
<p class="isSelectedEnd">Denn hier zeigte sich eine andere Vorstellung davon, wie eine Stadt organisiert sein sollte. Wien war nicht nur eine Ansammlung von Gebäuden; es war ein geordnetes System. Die Straßen wurden regelmäßig gereinigt und repariert. Die Orientierung fiel leichter. Der öffentliche Raum wirkte kontrolliert und gepflegt.</p>
<p class="isSelectedEnd">In Istanbul dagegen war die städtische Struktur stärker durch Viertel, religiöse Gemeinschaften und lokale Gewohnheiten geprägt. Die Verwaltung griff weniger direkt in die Gestaltung des urbanen Alltags ein. Testas Beobachtung deutet damit auf einen tieferen Unterschied hin: auf zwei verschiedene Vorstellungen von Stadt.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Die Nacht wird öffentlich</h4>
<p class="isSelectedEnd">Besonders beeindruckt war Testa von der Beleuchtung der Stadt. „Nachts wurde Wien durch birnenförmige Laternen erhellt“, schrieb er.</p>
<p class="isSelectedEnd">Heute erscheint uns dies selbstverständlich. Doch im späten 18. Jahrhundert war öffentliche Beleuchtung ein Symbol moderner Stadtverwaltung. Über Jahrhunderte war die Nacht ein Raum der Unsicherheit gewesen. Dunkle Straßen bedeuteten Gefahr – für Reisende ebenso wie für Bewohner. Die Laternen Wiens veränderten diese Erfahrung. Die Stadt blieb auch nach Sonnenuntergang zugänglich. Menschen konnten sich sicher bewegen. Der öffentliche Raum hörte nicht mit dem Einbruch der Dunkelheit auf.Es war eine kleine technische Veränderung – mit großen gesellschaftlichen Folgen.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Frauen im öffentlichen Leben</h4>
<p class="isSelectedEnd">Eine weitere Beobachtung beschäftigte Testa besonders: die Rolle der Frauen. Bereits kurz nach dem Überschreiten der osmanischen Grenze fiel ihm auf, dass Frauen in den Städten sichtbar arbeiteten. Sie standen hinter Verkaufstheken, betrieben Geschäfte oder waren im Dienstleistungsbereich tätig.</p>
<p class="isSelectedEnd">In seinem Tagebuch schrieb er: „In meine Heimat ( Istanbul) können Frauen keine Läden führen; sie beschäftigen sich vor allem mit den Arbeiten im Haus. Hier jedoch sah ich, dass sie jede Art von Arbeit verrichteten.“</p>
<p class="isSelectedEnd">Diese Beobachtung ist bemerkenswert, weil Testa sie ohne moralisches Urteil festhält. Er beschreibt lediglich eine Realität, die sich von der ihm vertrauten unterscheidet. Doch gerade darin liegt ihre Bedeutung. Denn wirtschaftliche Teilhabe verändert Gesellschaften. Wenn Frauen im öffentlichen Raum arbeiten, verändert sich auch die Struktur des Alltags – und damit die soziale Dynamik einer Stadt.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Der Kaiser im Theater</h4>
<p class="isSelectedEnd">Eine Szene im Theater überraschte Testa besonders. Als der Kaiser seine Loge betrat, erhob sich niemand im Publikum. Für Testa war dies fast unvorstellbar. In der osmanischen politischen Kultur war die Gegenwart des Sultans mit einem klaren Zeremoniell verbunden. Wer ihm begegnete, zeigte Respekt durch sichtbare Gesten – man stand auf, trat zur Seite, senkte den Blick. Im Wiener Theater jedoch blieb das Publikum sitzen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Noch erstaunlicher war für Testa, dass Menschen im Parterre frei über den Kaiser sprachen, als wäre er eine gewöhnliche Person. Für einen Beobachter aus dem Osmanischen Reich musste diese Szene irritierend wirken. Sie zeigte eine andere Beziehung zwischen Herrscher und Gesellschaft. Nicht unbedingt Opposition – aber eine größere Distanzlosigkeit. Eine andere politische Kultur.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Hunde, Hygiene und Ordnung</h4>
<p class="isSelectedEnd">Auch scheinbar nebensächliche Details fielen Testa auf.In Wien liefen keine herrenlosen Hunde auf den Straßen. Jeder Hund trug ein Halsband und gehörte einem Besitzer. Die Polizei ließ außerdem keine toten Tiere auf der Straße liegen. Diese Beobachtung war für Testa bemerkenswert, weil die Situation in Istanbul anders aussah. Dort lebten viele streunende Hunde in den Straßen der Stadt.</p>
<p class="isSelectedEnd">Der Unterschied war mehr als nur eine Frage der Tierhaltung. Er spiegelte ein wachsendes Interesse der europäischen Staaten an öffentlicher Hygiene wider. Im Laufe des 18. Jahrhunderts entwickelte sich in vielen Städten eine neue Politik der öffentlichen Gesundheit. Saubere Straßen, kontrollierte Tierhaltung und organisierte Abfallentsorgung wurden Teil staatlicher Verantwortung.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Fabriken und Produktion</h4>
<p class="isSelectedEnd">Während seines Aufenthalts besuchte Testa auch eine Seidenmanufaktur.Dort beobachtete er Maschinen, die Stoffe mit erstaunlicher Geschwindigkeit produzierten. Obwohl weniger Arbeiter beschäftigt waren als in vergleichbaren Werkstätten in Konstantinopel, war die Produktivität deutlich höher.</p>
<p class="isSelectedEnd">Für Testa war dies ein Hinweis auf einen technologischen Unterschied. Die Produktion im Osmanischen Reich beruhte häufig auf Handarbeit und großen Arbeitsgruppen. In Mitteleuropa dagegen begannen mechanische Vorrichtungen die Effizienz zu erhöhen. Diese Beobachtung zeigt, wie aufmerksam Testa wirtschaftliche Entwicklungen registrierte. Er verstand, dass sich die Stärke eines Staates nicht nur auf dem Schlachtfeld entscheidet, sondern auch in Werkstätten und Fabriken.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Mehrstöckige Häuser und Hausnummern</h4>
<p class="isSelectedEnd">Ein weiteres Detail faszinierte ihn: die Architektur der Stadt.Viele Wiener Häuser waren fünf oder sogar sieben Stockwerke hoch. Mehrere Familien lebten in einem Gebäude, ohne einander unbedingt zu kennen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Jedes Haus besaß zudem eine Nummer. Für Testa war dies eine praktische Innovation. Hausnummern erleichterten Verwaltung, Postverkehr und militärische Registrierung. Es war ein kleines Element – doch es machte sichtbar, wie Verwaltung und Alltag miteinander verbunden waren.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Zwei Imperien, zwei Wege</h4>
<p class="isSelectedEnd">Die Beobachtungen Testas sind mehr als persönliche Eindrücke eines Reisenden. Sie spiegeln eine größere historische Entwicklung. Im 18. Jahrhundert hatte die Habsburgermonarchie unter Maria Theresia und Joseph II. umfangreiche Reformen eingeleitet: Schulpflicht, Verwaltungsreformen, Verbesserungen der Infrastruktur und eine stärkere Rolle des Staates im öffentlichen Leben. Das Osmanische Reich hingegen bewegte sich langsamer in Richtung Reform.</p>
<p class="isSelectedEnd">Sultan Selim III. begann zwar militärische Modernisierungen, doch viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens blieben stärker von traditionellen Strukturen geprägt. Der Unterschied zwischen beiden Reichen zeigte sich daher nicht nur in politischen Institutionen – sondern auch im Alltag. In Straßen. In Fabriken.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Ein Blick aus dem Osten</h4>
<p class="isSelectedEnd">Testas Tagebuch ist deshalb so faszinierend, weil es Europa aus einer ungewohnten Perspektive beschreibt. Er ist kein europäischer Reisender, der den Orient exotisch betrachtet. Stattdessen ist er ein Mann aus der osmanischen Welt, der Europa mit wachem Blick beobachtet.</p>
<p class="isSelectedEnd">Er staunt, aber er urteilt selten. Er registriert Unterschiede, ohne sofort Schlüsse zu ziehen. Gerade diese Nüchternheit macht seine Notizen zu einer wertvollen historischen Quelle.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Das Ende der Reise</h4>
<p class="isSelectedEnd">Ende November 1793 erreichte die Reisegesellschaft schließlich die Niederlande. Am 26. November überquerten sie den Wassergraben von Schloss De Gelder, dem Familiensitz des Botschafters van Dedem. Nach drei Monaten war die Reise beendet.</p>
<p class="isSelectedEnd">Testa blieb noch einige Monate in Holland, besuchte die Universität Leiden und unterstützte Gelehrte bei Übersetzungen osmanischer Texte. Danach kehrte er nach Istanbul zurück. Dort verbrachte er den Rest seines Lebens als Diplomat – ein Mann zwischen zwei Welten.</p>
<h4 class="isSelectedEnd">Die Religion des Staates ist die Gerechtigkeit</h4>
<p class="isSelectedEnd">Wenn man Testas Beobachtungen heute liest, wird deutlich, dass sie über eine Reise hinausgehen. Sie erzählen von der Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft, von der Art, wie Städte organisiert sind, und davon, wie Freiheit im Alltag sichtbar wird.</p>
<p class="isSelectedEnd">Ein alter Satz, der Imam Ali zugeschrieben wird, bringt diese Erfahrung vielleicht am besten auf den Punkt: „Die Religion des Staates ist die Gerechtigkeit.“</p>
<p>Gerechtigkeit zeigt sich nicht nur in Gesetzen oder Gerichten. Sie zeigt sich auch in beleuchteten Straßen, in offenen Märkten, in der Würde der Bürger und in der Ordnung des öffentlichen Raumes. Testas Tagebuch erinnert uns daran, dass Zivilisation oft in den kleinen Dingen sichtbar wird. Manchmal genügt ein Pflasterstein, um den Unterschied zwischen zwei Welten zu erkennen.</p>
<h4 data-section-id="l0upx7" data-start="264" data-end="289"><span style="font-family: -apple-system, BlinkMacSystemFont, 'Segoe UI', Roboto, 'Helvetica Neue', Arial, 'Noto Sans', sans-serif, 'Apple Color Emoji', 'Segoe UI Emoji', 'Segoe UI Symbol', 'Noto Color Emoji'; color: #333333; font-size: 16px;">( Birol Kılıç, 09.03.2026, Wien, Rezension)</span></h4>
<p><strong>Das Buch &gt;  </strong><strong data-start="371" data-end="443">Gaspard Testa&#8217;nın seyahat günlüğü üzerine genişletilmiş bir inceleme</strong></p>
<p data-start="445" data-end="488">Kaynak eser: Mehmet Tütüncü (SOTA Hollanda)</p>
<p data-start="445" data-end="488"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-7922 size-full" src="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2026/03/testa2-scaled.jpeg" alt="" width="1920" height="2560" srcset="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2026/03/testa2-scaled.jpeg 1920w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2026/03/testa2-225x300.jpeg 225w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2026/03/testa2-768x1024.jpeg 768w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2026/03/testa2-1152x1536.jpeg 1152w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2026/03/testa2-1536x2048.jpeg 1536w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2026/03/testa2-800x1067.jpeg 800w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2026/03/testa2-1160x1547.jpeg 1160w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2026/03/08/wien-im-blick-eines-osmanen-was-gaspard-testa-1793-sah-und-was-uns-heute-noch-angeht/">Wien im Blick eines Osmanen Was Gaspard Testa 1793 sah — und was uns heute noch angeht</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
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		<item>
		<title>Atma Şiwan, din kardeşiyiz: Fake History / Sahte Tarih</title>
		<link>https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/12/16/atma-siwan-din-kardesiyiz-fake-history-sahte-tarih/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Günes]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Dec 2025 07:29:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<category><![CDATA[Türkische Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Andreas Güneş-Analiz, Berlin, 16.12.2025 “Tarihçi” etiketiyle sunulan ideolojik anlatıya üç dilde cevap.&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/12/16/atma-siwan-din-kardesiyiz-fake-history-sahte-tarih/">Atma Şiwan, din kardeşiyiz: Fake History / Sahte Tarih</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="p2"><span class="s2">Andreas Güneş-Analiz, Berlin, 16.12.2025</span></p>
<p>“Tarihçi” etiketiyle sunulan ideolojik anlatıya üç dilde cevap. Türkçe, Almanca ve İngilizce. Sırayla. Peki niye?</p>
<p class="p2"><span class="s2">Rudaw adlı Kürt medya organının, “tarihçi” sıfatıyla Emin Şiwan’ı öne çıkararak dolaşıma soktuğu anlatılar, tarih yazımının değil, ideolojik ajitasyonun ürünüdür.<br />
</span></p>
<p class="p2"><span class="s2"> Ortada ne akademik yöntem vardır ne de kaynaklarla desteklenen bir analiz.</span></p>
<p>Bunun yerine, belgeleri bağlamından koparan, kavramları kasıtlı biçimde çarpıtan ve yüzlerce yıllık çok aktörlü tarihsel süreçleri tek bir etnik öznenin hanesine yazmaya çalışan bir propaganda dili bulunmaktadır. Bu dil, tarih üretmez; mit üretir. Ve bu mitin adı nettir: Fake History. Bu söylemlerde tarihçilik yoktur; mitoloji mühendisliği vardır. Arşiv okumayı slogana indirgeyen, karmaşık süreçleri tek bir etnik kahramanlık hikâyesine dönüştüren bu yaklaşım, bilimselliğin değil kimlik ajitasyonunun alanına aittir.</p>
<p class="p2"><strong><span class="s2">Rudaw üzerinden dolaşıma sokulan dört temel iddia</span></strong></p>
<p class="p2"><span class="s2">Rudaw Türkçe hesabından servis edilen içerikte Emin Şiwan adına dört temel iddia ortaya atılmaktadır. Bu iddialar, ilk bakışta “belge”, “arşiv” ve “tarih” gibi kelimelerle süslenmiş olsa da, biraz kazındığında geriye yalnızca politik hedeflere hizmet eden sloganlar kalmaktadır. Polemik tam da burada başlamalıdır; çünkü bu söylemler masum akademik hatalar değil, bilinçli yönlendirmelerdir. Bu iddiaların ortak özelliği, bağlamdan koparma, indirgeme ve ajitasyon yoluyla tarihsel gerçekliği etnik bir mitolojiye dönüştürme çabasıdır.</span></p>
<p class="p2"><strong><span class="s2">Çaldıran Savaşı’nı etnik slogana indirgemek</span></strong></p>
<p class="p2"><span class="s2">“Şah İsmail ile Yavuz Selim arasındaki savaşta dengeyi Kürtler değiştirdi” iddiası, Çaldıran Savaşı gibi askerî tarih açısından son derece iyi çalışılmış bir olayı kaba bir etnik indirgemecilikle yeniden yazma girişimidir. Çaldıran’ın sonucunu belirleyen faktörler tarih literatüründe açıktır: Osmanlı ordusunun ateşli silah ve topçu üstünlüğü, Safevi ordusunun klasik süvari yapısının bu teknoloji karşısında yetersiz kalması, lojistik ve disiplin farkı, merkezi komuta yapısı ve Şah İsmail’in stratejik hataları. Kürt beylerinin bir kısmının Osmanlı ile ittifak kurduğu bilinmektedir; ancak bu durum “dengeyi Kürtler değiştirdi” şeklinde sunulamaz. Bu, askeri tarihi kimlik siyasetine kurban eden bilim dışı bir basitleştirmedir. Bu iddia, tarihsel gerçekliği değil, etnik romantizmi besleyen bir slogandır.</span></p>
<p class="p2"><strong><span class="s2">Coğrafi terimi idari statüye dönüştürme manipülasyonu</span></strong></p>
<p class="p2"><span class="s2">“Kerkük Osmanlı belgelerinde Kürdistan vilayetinin sancağıdır” iddiası, kavram çarpıtmanın en açık örneklerinden biridir. Osmanlı arşivlerinde “Kürdistan” ifadesinin zaman zaman geçtiği doğrudur; ancak bu kullanım coğrafi ve etnografik bir tanımlamadır. Osmanlı idari sisteminde sürekli ve resmî bir “Kürdistan vilayeti” yoktur. Kerkük’ün idari bağlılığı Şehrizor Eyaleti ve Musul Vilayeti üzerinden açıkça belgelenmiştir. Coğrafi bir ifadeyi idari statüye dönüştürmek tarihçilik değil, bilinçli bir sahteciliktir. Bu tür iddialar, tarihsel terminolojiyi keyfi biçimde yeniden tanımlayarak bugünün politik hedeflerine malzeme üretme çabasından ibarettir.</span></p>
<p class="p2"><strong><span class="s2">Yeniçeriler üzerinden üretilen tarih karikatürü</span></strong></p>
<p class="p2"><span class="s2">“Yeniçeriler Kürt hâkimiyetini kırmak için müdahale etti” söylemi, Osmanlı askerî ve idari yapısına dair en temel bilgileri bile yok saymaktadır. Yeniçeriler, Osmanlı merkezî ordusunun bir parçasıdır; etnik gruplara karşı özel bir “kırma misyonu” ile hareket ettiklerine dair ne bir arşiv belgesi ne de ciddi bir akademik çalışma vardır. Osmanlı–Kürt ilişkileri yüzyıllar boyunca ittifak, özerklik, merkezileşme ve isyan ekseninde ilerlemiştir. Bu karmaşık tarihsel süreci tek cümlelik bir slogana indirgemek, tarih üretmek değil, tarihi karikatürize etmektir. Bu iddia, Osmanlı tarihini çizgi film düzeyine indiren bir basitleştirmedir.</span></p>
<p class="p2"><strong><span class="s2">“Hindistan ekolü” ve hayali bir devlet anlatısı</span></strong></p>
<p class="p2"><span class="s2">İngilizlerin “Hindistan ekolü” ve “Kürdistan Devleti’nin iptali” iddiası, akademik tarih yazımından ziyade politik retoriğin alanına aittir. Kürdistan özelinde kurumsallaşmış bir “Hindistan ekolü” kavramı uluslararası literatürde bulunmamaktadır. İngiliz mandater yönetiminin Irak’taki politikaları bellidir: petrol bölgelerini kontrol etmek, merkezi devleti ayakta tutmak ve Kürt taleplerini sınırlı özerklik düzeyinde tutmak. Ortada ne tanımlı bir Kürdistan Devleti vardır ne de iptal edilen bir hukuki yapı. Bu iddia, tarih değil, siyasi mağduriyet üretimi amacıyla kurgulanmış bir söylemdir.</span></p>
<p class="p2"><strong><span class="s2">Ortak yöntem: bağlamdan koparma, indirgeme ve ajitasyon</span></strong></p>
<p class="p2"><span class="s2">Bu dört iddianın ortak yöntemi açıktır: belgeler bağlamından koparılmakta, kavramlar yerinden oynatılmakta, çok aktörlü süreçler tek bir etnik anlatıya indirgenmekte ve akademik literatür yerine medya manşeti dili kullanılmaktadır. Bu yaklaşım, tarih disiplininin temel ilkeleriyle bağdaşmaz. Bu, tarih değil; kimlik inşası için üretilmiş bir ajitasyon paketidir.</span></p>
<p class="p2"><strong><span class="s2">Akademik tarihçi mi, popüler yorumcu mu?</span></strong></p>
<p class="p2"><span class="s2">Kamuya açık kaynaklarda Emin Şiwan’ın uluslararası akademik camiada tanınan bir tarihçi olduğuna dair güçlü bir veri bulunmamaktadır. Peer-review dergilerde yayımlanmış çalışmalar, üniversite unvanları veya metodolojik katkılar görünmemektedir. Buna rağmen, “tarihçi” etiketiyle sunulması izleyicinin bilinçli biçimde yanıltılması anlamına gelir. Bu durum, akademik otoriteyi taklit ederek meşruiyet devşirme girişimidir.</span></p>
<p class="p2"><strong><span class="s2">Bir kuyuya atılan dört taş</span></strong></p>
<p class="p2"><span class="s2">Türkçede meşhur bir söz vardır: “Bir deli kuyuya taş atar, kırk akıllı çıkaramaz.” Emin Şiwan’ın Rudaw kuyusuna attığı bu dört taş, tarihsel hakikatle değil politik motivasyonla şekillenmiştir. Akademik kaynaklarla doğrulanmayan, yalnızca aynı medya ağının kendi haberlerinde dolaşıma sokulan iddialar, tarih değil propagandadır.</span></p>
<p class="p2"><strong><span class="s2">Tarih değil, kimlik ajitasyonu yapılıyor</span></strong></p>
<p class="p2"><span class="s2">Sonuç olarak Emin Şiwan üzerinden servis edilen bu anlatılar ne Kürt tarihine ne de bölgenin çok katmanlı geçmişine katkı sunmaktadır. Aksine, tarih disiplinini araçsallaştırarak Fake History üretmekte ve savunduğunu iddia ettiği toplumu da bilim dışı iddialarla küçük düşürmektedir. Tarih sloganla yazılmaz; arşivle, yöntemle ve entelektüel dürüstlükle yazılır. Bunların olmadığı yerde geriye yalnızca gürültü kalır.</p>
<p>Deutsch</span></p>
<h3 class="p1"><span class="s1">Erzähl keinen Unsinn, Şiwan – wir sind Glaubensbrüder: Fake History / Falsche Geschichte</span></h3>
<p class="p1"><span class="s1">„Historiker“-Etikett für eine ideologische Erzählung</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Das kurdische Medienorgan Rudaw hat unter dem Etikett „Historiker“ die Erzählungen von Emin Şiwan in Umlauf gebracht. Diese sind kein Produkt der Geschichtsschreibung, sondern ideologischer Agitation. Es gibt keine akademische Methode und keine Analyse, die durch Quellen gestützt wäre. Stattdessen werden Dokumente aus dem Zusammenhang gerissen, Begriffe bewusst verfälscht und jahrhundertelange, vielschichtige historische Prozesse einer einzigen ethnischen Gruppe zugeschrieben. Diese Sprache produziert keine Geschichte, sondern Mythen. Und dieser Mythos hat einen klaren Namen: Fake History. In diesen Erzählungen gibt es keine Geschichtswissenschaft, sondern Mythenproduktion. Archivlektüre wird auf Schlagworte reduziert, komplexe Prozesse werden zu einer ethnischen Heldengeschichte umgedeutet – das ist keine Wissenschaft, sondern Identitätsagitation.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Vier zentrale Behauptungen, die über Rudaw verbreitet werden</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Im über den Twitter-Account von Rudaw Türkçe verbreiteten Inhalt werden im Namen von Emin Şiwan vier zentrale Behauptungen aufgestellt. Diese Behauptungen sind auf den ersten Blick mit Begriffen wie „Dokument“, „Archiv“ und „Geschichte“ geschmückt, doch bei näherem Hinsehen bleibt nur politische Parole. Die Polemik muss genau hier beginnen, denn diese Aussagen sind keine harmlosen Fehler, sondern bewusste Manipulationen. Ihr gemeinsames Muster ist klar: aus dem Kontext reißen, reduzieren und agitieren.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Schlacht von Çaldıran auf ein ethnisches Schlagwort reduzieren</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Behauptung „Im Krieg zwischen Schah Ismail und Yavuz Selim haben die Kurden das Gleichgewicht verändert“ ist der Versuch, ein militärhistorisch gründlich erforschtes Ereignis grob ethnisch zu verfälschen. Die Faktoren, die das Ergebnis von Çaldıran bestimmten, sind in der Literatur klar: die Überlegenheit der osmanischen Feuerwaffen und Artillerie, die Unzulänglichkeit der klassischen Safawiden-Kavallerie gegenüber dieser Technologie, Unterschiede in Logistik und Disziplin, die zentrale Kommandostruktur und die strategischen Fehler von Schah Ismail. Dass einige kurdische Beys ein Bündnis mit den Osmanen eingingen, ist bekannt; doch dies kann nicht als „die Kurden haben das Gleichgewicht verändert“ dargestellt werden. Das ist eine wissenschaftsferne Simplifizierung, die Militärgeschichte der Identitätspolitik opfert. Diese Behauptung nährt nicht historische Realität, sondern ethnische Romantik.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Geografische Begriffe in Verwaltungsstatus verwandeln</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Behauptung „Kerkük ist in osmanischen Dokumenten ein Sanjak der Provinz Kurdistan“ ist ein Paradebeispiel für Begriffsverfälschung. Ja, der Ausdruck „Kurdistan“ taucht in osmanischen Archiven gelegentlich auf; doch dies ist eine geografische und ethnografische Bezeichnung. Eine dauerhafte und offizielle „Provinz Kurdistan“ existierte im osmanischen Verwaltungssystem nicht. Die Zugehörigkeit Kerküks ist über das Eyâlet Şehrizor und das Vilâyet Mosul klar dokumentiert. Einen geografischen Ausdruck in einen Verwaltungsstatus umzuwandeln ist keine Geschichtsschreibung, sondern bewusste Fälschung.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Eine Karikatur der Geschichte über die Janitscharen</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Behauptung „Die Janitscharen griffen ein, um die kurdische Herrschaft zu brechen“ ignoriert die grundlegendsten Kenntnisse über das osmanische Militär- und Verwaltungssystem. Die Janitscharen waren Teil der zentralen Armee des Osmanischen Reiches; es gibt weder ein Archivdokument noch eine seriöse Studie, die belegt, dass sie mit einer speziellen Mission gegen ethnische Gruppen agierten. Die osmanisch-kurdischen Beziehungen verliefen über Jahrhunderte entlang von Bündnissen, Autonomie, Zentralisierung und Aufständen. Diesen komplexen Prozess auf einen Slogan zu reduzieren, produziert keine Geschichte, sondern karikiert sie.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">„Indien-Schule“ und eine imaginäre Staats-Erzählung</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Behauptung über die „Indien-Schule“ der Briten und die „Annullierung des kurdischen Staates“ gehört nicht in die Geschichtswissenschaft, sondern in die politische Rhetorik. Ein institutionalisierter Begriff „Indien-Schule“ im Zusammenhang mit Kurdistan existiert in der internationalen Literatur nicht. Die Politik der britischen Mandatsverwaltung im Irak ist klar: Kontrolle der Ölfelder, Aufrechterhaltung des Zentralstaates und Begrenzung kurdischer Forderungen auf eingeschränkte Autonomie. Es gab weder einen definierten kurdischen Staat noch eine annullierte Rechtsstruktur. Diese Behauptung ist keine Geschichte, sondern die Produktion politischer Opfermythen.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Gemeinsame Methode: Kontextverlust, Reduktion und Agitation</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Das gemeinsame Muster dieser vier Behauptungen ist klar: Dokumente werden aus dem Zusammenhang gerissen, Begriffe verschoben, vielschichtige Prozesse auf eine ethnische Erzählung reduziert und statt akademischer Literatur wird die Sprache der Schlagzeilen benutzt. Das ist keine Geschichtswissenschaft, sondern ein Agitationspaket zur Identitätsbildung.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Akademischer Historiker oder populärer Kommentator?</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">In öffentlich zugänglichen Quellen gibt es keine starken Hinweise darauf, dass Emin Şiwan in der internationalen akademischen Gemeinschaft als Historiker anerkannt ist. Es gibt keine Veröffentlichungen in peer-reviewten Zeitschriften, keine Universitätspositionen, keine methodologischen Beiträge. Dennoch wird er mit dem Etikett „Historiker“ präsentiert – das ist eine bewusste Irreführung des Publikums. Es ist der Versuch, akademische Autorität zu imitieren, um Legitimität zu gewinnen.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Vier Steine, die in einen Brunnen geworfen wurden</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Im Türkischen gibt es ein bekanntes Sprichwort: „Ein Verrückter wirft einen Stein in den Brunnen, vierzig Weise können ihn nicht herausziehen.“ Die vier Steine, die Emin Şiwan in den Rudaw-Brunnen geworfen hat, sind nicht durch historische Wahrheit, sondern durch politische Motivation geformt. Behauptungen, die nicht durch akademische Quellen bestätigt werden und nur im eigenen Mediennetzwerk zirkulieren, sind keine Geschichte, sondern Propaganda.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Keine Geschichte, sondern Identitätsagitation</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die über Emin Şiwan verbreiteten Erzählungen tragen weder zur kurdischen Geschichte noch zum vielschichtigen Erbe der Region bei. Im Gegenteil: Sie instrumentalisieren die Geschichtswissenschaft, produzieren Fake History und diskreditieren die Gesellschaft, die sie zu verteidigen vorgeben, mit unwissenschaftlichen Behauptungen. Geschichte wird nicht mit Parolen geschrieben, sondern mit Archiven, Methoden und intellektueller Redlichkeit. Wo dies fehlt, bleibt nur Lärm, Agitation und Mythologie.</span></p>
<p class="p2"><strong><span class="s2">English</span></strong></p>
<h3 class="p1"><span class="s1">Atma Şiwan, we are brothers in faith: Fake History</span></h3>
<p class="p1"><strong><span class="s1">The “Historian” label for an ideological narrative</span></strong></p>
<p class="p1"><span class="s1">The Kurdish media outlet Rudaw has circulated the narratives of Emin Şiwan under the label “historian.” These are not products of historiography but of ideological agitation. There is no academic method and no analysis supported by sources. Instead, documents are torn from their context, concepts deliberately distorted, and centuries of multi-actor historical processes attributed to a single ethnic subject. This language does not produce history; it produces myths. And this myth has a clear name: Fake History. In these narratives there is no scholarship, but myth-making. Archival reading is reduced to slogans, complex processes are turned into an ethnic hero tale – this is not science but identity agitation.</span></p>
<p class="p1"><strong><span class="s1">Four central claims circulated via Rudaw</span></strong></p>
<p class="p1"><span class="s1">In content distributed through Rudaw Türkçe’s account, four central claims are attributed to Emin Şiwan. These claims, at first glance decorated with words like “document,” “archive,” and “history,” reveal upon closer inspection only political slogans. Polemic must begin here, because these are not innocent mistakes but deliberate manipulations. Their common method is clear: remove context, reduce complexity, and agitate.</span></p>
<p class="p1"><strong><span class="s1">Reducing the Battle of Çaldıran to an ethnic slogan</span></strong></p>
<p class="p1"><span class="s1">The claim “In the war between Shah Ismail and Yavuz Selim, the Kurds changed the balance” is an attempt to rewrite a thoroughly studied military event with crude ethnic reductionism. The factors determining Çaldıran’s outcome are clear in the literature: Ottoman superiority in firearms and artillery, the inadequacy of Safavid cavalry against this technology, differences in logistics and discipline, centralized command, and Shah Ismail’s strategic errors. That some Kurdish beys allied with the Ottomans is known; but this cannot be presented as “the Kurds changed the balance.” This is an unscientific simplification sacrificing military history to identity politics. This claim feeds not historical reality but ethnic romanticism.</span></p>
<p class="p1"><strong><span class="s1">Turning a geographic term into administrative status</span></strong></p>
<p class="p1"><span class="s1">The claim “Kirkuk is a sanjak of the Kurdistan province in Ottoman documents” is a textbook case of conceptual distortion. Yes, the term “Kurdistan” appears occasionally in Ottoman archives; but this is a geographic and ethnographic designation.<br />
</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">A permanent and official “Kurdistan Province” did not exist in the Ottoman administrative system. Kirkuk’s administrative affiliation is clearly documented through the Şehrizor Eyalet and the Mosul Vilayet. Turning a geographic expression into an administrative status is not historiography but deliberate falsification. Such claims are nothing more than attempts to arbitrarily redefine historical terminology to manufacture material for contemporary political goals.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">A caricature of history through the Janissaries</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">The claim “The Janissaries intervened to break Kurdish dominance” ignores even the most basic knowledge of the Ottoman military and administrative system. The Janissaries were part of the central Ottoman army; there is neither an archival document nor a serious academic study suggesting that they acted with a special mission against ethnic groups. Ottoman–Kurdish relations unfolded over centuries along the axes of alliance, autonomy, centralization, and rebellion. Reducing this complex historical process to a one-sentence slogan does not produce history; it caricatures it. This claim reduces Ottoman history to the level of a cartoon.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">The “India school” and an imaginary state narrative</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">The claim about a British “India school” and the “cancellation of the Kurdistan State” belongs not to academic historiography but to political rhetoric. There is no institutionalized concept of an “India school” in the international literature regarding Kurdistan. The policies of the British Mandate administration in Iraq are clear: controlling oil regions, maintaining the central state, and limiting Kurdish demands to restricted autonomy. There was neither a defined Kurdish state nor an annulled legal structure. This claim is not history but a narrative constructed to produce political victimhood.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Common method: removing context, reducing complexity, and agitating</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">The common method of these four claims is clear: documents are removed from their context, concepts are shifted, multi-actor processes are reduced to a single ethnic narrative, and instead of academic literature, the language of media headlines is used. This approach is incompatible with the fundamental principles of the historical discipline. It is not history; it is an agitation package produced for identity construction.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Academic historian or popular commentator?</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Publicly accessible sources provide no strong evidence that Emin Şiwan is recognized as a historian in the international academic community. There are no publications in peer-reviewed journals, no university positions, no methodological contributions. Nevertheless, he is presented with the label “historian,” which constitutes a deliberate deception of the audience. This is an attempt to imitate academic authority in order to gain legitimacy.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Four stones thrown into a well</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">There is a well-known Turkish proverb: “A madman throws a stone into a well, and forty wise men cannot retrieve it.” The four stones that Emin Şiwan has thrown into the Rudaw well are shaped not by historical truth but by political motivation. Claims that are not confirmed by academic sources and circulate only within the same media network are not history but propaganda.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Not history, but identity agitation</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">In conclusion, the narratives circulated through Emin Şiwan contribute neither to Kurdish history nor to the multilayered past of the region. On the contrary, they instrumentalize the discipline of history, produce Fake History, and discredit the very society they claim to defend with unscientific assertions. History is not written with slogans; it is written with archives, method, and intellectual honesty. Where these are absent, only noise remains.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1"> </span></p>
<p class="p2"><span class="s2"> </span></p>
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		<item>
		<title></title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Günes]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Dec 2025 09:34:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Freuds stiller, aber hoffnungsvoller Stein der Vernunft in Wien und der Türkei&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/12/02/freuds-stiller-aber-hoffnungsvoller-stein-der-vernunft-in-wien-und-der-tuerkei/"></a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Freuds stiller, aber hoffnungsvoller Stein der Vernunft in Wien und der Türkei</h2>
<p>On 30 October 2025, the traditional Turkish quality newspaper <i>Cumhuriyet</i> (“The Republic”), the oldest newspaper still in circulation in Turkey, published an essay by Birol Kiliç from Vienna entitled <i>“Freud&#8217;s quiet but hopeful stone of reason in Vienna and Turkey”</i> in its section for prominent authors on page two. The article has been translated into both German(first) and English. Kiliç is the founder and editor of the newspapers <i>Neue Heimat Zeitung</i>, <i>Türkische Allgemeine</i>, and <i>Neue Welt Verlag</i> in Vienna.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Freuds stiller, aber hoffnungsvoller Stein der Vernunft in Wien und der Türkei</strong></p>
<p>Cumhuriyet, Birol Kiliç, Seite 2, 30.11.2025</p>
<p>Es war einer jener Novembermorgen, an denen die Kälte Wiens wie ein feiner Schnitt auf der Haut liegt, und ich versuchte, rechtzeitig zu einer wichtigen Besprechung zu gelangen. Als ich durch den Sigmund-Freud-Park gegenüber der Universität Wien ging, hielt mich plötzlich jener Gedenkstein fest, den ich seit Jahren kenne, aber offenbar noch nie wirklich betrachtet hatte.</p>
<p>Im Morgenlicht erschien die Inschrift darauf schärfer, klarer und eindringlicher: „Die Stimme der Vernunft ist leise, sanft und still.“</p>
<p>Diese Stille gehörte nicht nur dem weltberühmten Freud (1856–1939), dem Vater der Psychoanalyse, sondern auch jener Hingabe, die das Herz der Anatolier erfasst – jenem moralischen Erbe, das sagt: „Wer sich nicht mit Vernunft und Gewissen reinigt, kann andere nicht reinigen.“ Ebenso gehört diese Stille dem Leiden der Türkei, in der Rechtsstaat, Meinungsvielfalt, Pressefreiheit, Gewaltenteilung und die freiheitlich-demokratische Grundordnung auf der Intensivstation liegen.</p>
<p>Wenn wir heute über die seelische Lage der Türkei nachdenken, gewinnt diese alte Botschaft neue Bedeutung. Die Hoffnungslosigkeit der Jugend, der Verlust des Glaubens an Gerechtigkeit und die Verdrängung der Wahrheit durch Lärm treiben die Menschen in die Stille. Doch Stille ist der Raum von Geduld und Gewissen.</p>
<p>Lärm und Ungerechtigkeit sind kurzlebig. Die Stimmen von Tyrannen wie Hitler waren sehr laut, aber keine von ihnen hat Bestand.</p>
<p>Die symbolische Linie von den anatolischen Erenler bis zum Freud-Stein in Wien erinnert uns daran: Wahrheit beginnt leise mit Vernunft und Gewissen, doch am Ende siegt sie immer.</p>
<p>Der Weg der Vernunft und des Gewissens der Menschheit, der aus der Vergangenheit lernt, ist derselbe. Wie Freud sagte: „Die Stimme der Vernunft ist leise, sanft und still.“ Die Vernunft und die Rechtschaffenen werden siegen. Ohne Zweifel.</p>
<h4>Die Stimme der Vernunft und ein Optimist?</h4>
<p>Vor der berühmten Votivkirche in Wien, einer Stadt, die jahrhundertelang das Zentrum eines glanzvollen Reiches war, dunkle Zeiten überstand und heute mehrfach zur „lebenswertesten Stadt der Welt“ gewählt wurde, steht seit 1985 eine Stele, die Sigmund Freud gewidmet ist.</p>
<p>Freud floh 1938 vor dem NS-Regime nach London, wo er 1939 voller Kummer und Schmerzen starb, während seine vier Geschwister, die ihm de facto das Leben gerettet hatten, in NS-Konzentrationslagern starben.</p>
<p>Auf dem Stein ist nur ein einziger Satz zu lesen, der jedoch eine tiefere Fortsetzung hat. In seinem Werk „Die Zukunft einer Illusion“ (1927) schreibt Freud:  „Die Stimme der Vernunft – zugleich Trägerin von Gewissen, Recht und Gerechtigkeit – ist leise, sanft, still, aber sie ruht nicht, bis sie gehört wird. Am Ende findet sie ihren Weg, und das ist ein seltener Grund für Optimismus für die Menschheit.“</p>
<p>Meinte Freud damit, dass Vernunft, Rechtschaffenheit, Ethik, Gewissenhaftigkeit und moralische Haltung zwar kurzfristig unterdrückt werden können, aber langfristig unvermeidlich Gehör finden? Demnach ist Stille kein Rückzug, sondern Ausdruck von Beständigkeit und moralischer Beharrlichkeit.</p>
<p>Als ich vor dem Stein stand, erinnerte ich mich an die Haltung der anatolischen Erenler, die ihre Hand auf das Herz legen und die gleiche Botschaft „Hand aufs Herz“ vermitteln. Und trotzdem gibt es in der Türkei unvernünftige und herzlose Entwicklungen, wenn der Staat de facto ausgebeutet wird. Freuds Botschaft schien wie eine moderne Wiedergeburt jener Wahrheit, die die Erenler schon vor Jahrhunderten still verkündet hatten.</p>
<p>Freuds Stein und das Symbol der anatolischen Erenler vermitteln dieselbe Botschaft. Lärm ist nicht gleichbedeutend mit Wahrheit; wahr ist die Stimme der Vernunft und des Gewissens, die still, aber beharrlich an die Wahrheit glaubt.</p>
<p>Die Hand auf dem Herzen ist eines der ältesten Führungszeichen der türkischen Kulturgeschichte. Mit dieser Geste wird keine Macht verkündet, sondern Treue zu Gewissen und Vernunft sowie Loyalität zu Recht und Wahrheit. Durch die Alp Erenler gelangte diese Tradition nach Anatolien, wurde dort geprägt und erreichte schließlich auch Europa über die Erenler.</p>
<p>Yunus Emre, Tapduk Emre, Ahi Evran, Hacı Bektaş Veli, Şeyh Edebali, Somuncu Baba, Abdal Musa, Sarı Saltuk, Geyikli Baba und Emir Sultan weisen alle auf denselben Punkt hin. Sie alle vertreten eine Moral- und Führungsauffassung, die Herz, Gewissen und Vernunft ins Zentrum stellt. Diese Ideen beeinflussten über die Balkanregion hinweg auch das westliche Denken.</p>
<p>Der kategorische Imperativ, ein unbedingtes Gebot der Vernunft, ist das Kernstück von Kants „Pflichtenethik“. Kants kritische Vernunft wurde indirekt von diesem Erbe genährt, und sein Einfluss reicht von Hegel bis zu Freud. Er ermutigt uns, optimistisch und hoffnungsvoll den moralischen Weg nicht zu bezweifeln – den Weg von Vernunft und Gewissen.</p>
<p>Wie Freud sagte: „Die Stimme der Vernunft ist leise, sanft und still.“ Die Vernunft und die Rechtschaffenen werden siegen&#8220;</p>
<p>Ohne Zweifel&#8230;.</p>
<p><strong>Quelle</strong>:<br />
<a href="https://www.cumhuriyet.com.tr/pazar-yazilari/freud-un-sessiz-ama-umut-veren-akil-tasi-2457079">https://www.cumhuriyet.com.tr/pazar-yazilari/freud-un-sessiz-ama-umut-veren-akil-tasi-2457079</a></p>
<p><strong>Englisch</strong></p>
<h4>Freud’s silent yet hopeful stone of reason</h4>
<p>Cumhuriyet, 30.11.2025, S.2, Birol Kiliç, Vienna</p>
<p>It was one of those November mornings when the cold of Vienna lay on the skin like a fine cut, and I tried to get to an important meeting on time. As I walked through the Sigmund Freud Park opposite the University of Vienna, I was suddenly held by that memorial stone which I had known for years, but apparently had never really looked at.</p>
<p><img decoding="async" class="alignnone wp-image-7652 size-full" src="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/12/Mittel-Cumhuriyet.Freud_.BirolKilic-Vienna.jpeg" alt="" width="640" height="386" srcset="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/12/Mittel-Cumhuriyet.Freud_.BirolKilic-Vienna.jpeg 640w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/12/Mittel-Cumhuriyet.Freud_.BirolKilic-Vienna-300x181.jpeg 300w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/12/Mittel-Cumhuriyet.Freud_.BirolKilic-Vienna-600x362.jpeg 600w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In the morning light the inscription on it appeared sharper, clearer, more compelling: “The voice of reason is quiet, gentle and still.”</p>
<p>This silence belonged not only to the world‑famous Freud (1856–1939), the father of psychoanalysis, but also to that devotion which captures the heart of the Anatolians – that moral heritage which says: “Whoever does not cleanse himself with reason and conscience cannot cleanse others.” Likewise, this silence belongs to the suffering of Turkey, where the rule of law, diversity of opinion, freedom of the press, separation of powers and the liberal‑democratic order lie in intensive care.</p>
<p>When we think today about the spiritual condition of Turkey, this old message gains new meaning. The hopelessness of the youth, the loss of faith in justice and the displacement of truth by noise drive people into silence. Yet silence is the space of patience and conscience.</p>
<p>Noise and injustice are short‑lived. The voices of tyrants like Hitler were very loud, but none of them endured.</p>
<p>The symbolic line from the Anatolian Erenler to the Freud stone in Vienna reminds us: truth begins quietly with reason and conscience, yet in the end it always triumphs.</p>
<p>The path of reason and conscience of humanity, which learns from the past, is the same. As Freud said: “The voice of reason is quiet, gentle and still.” Reason and the righteous will prevail. Without doubt.</p>
<p>The voice of reason and an optimist?</p>
<p>In front of the famous Votive Church in Vienna, a city that for centuries was the center of a splendid empire, survived dark times and today has been chosen several times as the “most livable city in the world,” there has stood since 1985 a stele dedicated to Sigmund Freud.</p>
<p>Freud fled in 1938 from the Nazi regime to London, where he died in 1939 full of sorrow and pain, while his four siblings, who had in fact saved his life, perished in Nazi concentration camps.</p>
<p>On the stone only a single sentence is written, but it has a deeper continuation. In his work “The Future of an Illusion” (1927) Freud writes:<br />
“The voice of reason – at the same time bearer of conscience, law and justice – is quiet, gentle, still, but it does not rest until it is heard. In the end it finds its way, and that is a rare reason for optimism for humanity.”</p>
<p>Did Freud mean that reason, righteousness, ethics, conscientiousness and moral attitude can be suppressed in the short term, but in the long term inevitably find a hearing? Silence is therefore not retreat, but expression of persistence and moral tenacity.</p>
<p>As I stood before the stone, I remembered the attitude of the Anatolian Erenler, who place their hand on the heart and convey the same message “hand on heart.” And yet there are in Turkey such unreasonable and heartless developments when the state is de facto exploited. Freud’s message seemed like a modern rebirth of that truth which the Erenler had already proclaimed silently centuries ago.</p>
<p>Freud’s stone and the symbol of the Anatolian Erenler convey the same message. Noise is not truth; true is the voice of reason and conscience, which quietly but persistently believes in truth.</p>
<p>The hand on the heart is one of the oldest signs of leadership in Turkish cultural history. With this gesture no power is proclaimed, but loyalty to conscience and reason as well as fidelity to law and truth. Through the Alp Erenler this tradition came to Anatolia, was shaped there and finally reached Europe through the Erenler.</p>
<p>Yunus Emre, Tapduk Emre, Ahi Evran, Hacı Bektaş Veli, Şeyh Edebali, Somuncu Baba, Abdal Musa, Sarı Saltuk, Geyikli Baba and Emir Sultan all point to the same truth. They all represent a moral and leadership concept that places heart, conscience and reason at the center. These ideas influenced Western thought across the Balkan region.</p>
<p>The categorical imperative, an unconditional command of reason, is the core of Kant’s “ethics of duty.” Kant’s critical reason was indirectly nourished by this heritage, and his influence extends from Hegel to Freud. He encourages us to remain optimistic and hopeful, not to doubt the moral path – the path of reason and conscience.</p>
<p>As Freud said: “The voice of reason is quiet, gentle and still.” Reason and the righteous will prevail. Without doubt.</p>
<p><strong>Source</strong>:<br />
<a href="https://www.cumhuriyet.com.tr/pazar-yazilari/freud-un-sessiz-ama-umut-veren-akil-tasi-2457079">https://www.cumhuriyet.com.tr/pazar-yazilari/freud-un-sessiz-ama-umut-veren-akil-tasi-2457079</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/12/02/freuds-stiller-aber-hoffnungsvoller-stein-der-vernunft-in-wien-und-der-tuerkei/"></a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
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		<item>
		<title>AEJ verurteilt Haftstrafe gegen Fatih Altaylı</title>
		<link>https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/11/30/aej-verurteilt-haftstrafe-gegen-fatih-altayli/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Günes]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2025 21:45:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>BRÜSSEL, 30.11.2025-Der Europäische Journalistenverband (AEJ) hat die gegen den türkischen Journalisten Fatih&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/11/30/aej-verurteilt-haftstrafe-gegen-fatih-altayli/">AEJ verurteilt Haftstrafe gegen Fatih Altaylı</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>BRÜSSEL, 30.11.2025</strong>-Der Europäische Journalistenverband (AEJ) hat die gegen den türkischen Journalisten Fatih Altaylı verhängte Freiheitsstrafe von vier Jahren und zwei Monaten scharf kritisiert und als „schweren Angriff auf die Pressefreiheit“ sowie als „politisch motivierte Entscheidung“ bezeichnet. Die Organisation mit Sitz in Brüssel und Niederlassungen in zahlreichen europäischen Ländern veröffentlichte am 26. November 2025 eine entsprechende Stellungnahme auf ihrer offiziellen Website.</p>
<h5>Das Urteil</h5>
<p>Der AEJ erklärte, das Urteil der Strafkammer des türkischen Kassationsgerichtshofs sei ein gefährlicher Höhepunkt systematischer Bemühungen, kritische Stimmen in der Türkei zum Schweigen zu bringen. In der englischsprachigen Pressemitteilung hob der Verband hervor, dass es sich um eine „politisch motivierte Entscheidung“ handle.</p>
<h5>Der Fall Altaylı</h5>
<p>Fatih Altaylı, Kolumnist und Betreiber eines YouTube‑Kanals mit mehr als 1,6 Millionen Abonnenten und insgesamt über 300 Millionen Aufrufen, wurde wegen einer Äußerung in einer Live‑Sendung zu vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Türkische Behörden werteten die Aussage als „Drohung“ gegenüber Präsident Erdoğan. Juristen betonten hingegen, dass diese Worte keine rechtmäßige Grundlage für eine Festnahme oder eine langjährige Haftstrafe darstellten. Altaylı war am 21. Juni 2025 festgenommen worden, nachdem ein Ausschnitt der Sendung in sozialen Netzwerken große Verbreitung gefunden hatte.</p>
<h5>Unabhängige Medien im Visier in der Türkei</h5>
<p>Der AEJ stellte fest, dass Altaylı trotz seiner Inhaftierung weiterhin Sendungen über seinen YouTube‑Kanal ausstrahlt und oppositionelle Journalisten zu Wort kommen lässt. Dies zeige die zentrale Rolle freier Medien für die demokratische Debatte und verdeutliche zugleich, dass die verhängte Strafe genau diesen Bereich ins Visier nehme.</p>
<h5>Forderungen des Verbandes AEJ</h5>
<p>Der Verband forderte die sofortige Freilassung Altaylıs und die Einstellung aller Verfahren gegen ihn. Journalisten müssten das Recht haben, Regierungsvertreter und politische Entscheidungen ohne die Gefahr einer Gefängnisstrafe kritisieren zu können. Der AEJ rief zudem dazu auf, die sich verschlechternde Lage der Pressefreiheit in der Türkei international stärker zu beachten und die Verantwortlichen, die die Justiz als Waffe gegen unabhängigen Journalismus einsetzen, zur Rechenschaft zu ziehen.</p>
<h5>Die anderen internationalen Reaktionen</h5>
<p><strong>•<span class="Apple-converted-space">  </span>International Federation of Journalists (IFJ – Internationale Journalisten‑Föderation):</strong> „Die Verurteilung von Fatih Altaylı ist ein weiterer alarmierender Schritt in Richtung Einschränkung der Pressefreiheit. Wir fordern seine sofortige Freilassung.“</p>
<p><strong>•<span class="Apple-converted-space">  </span>International Press Institute (IPI – Internationales Presse‑Institut):</strong> „Die Inhaftierung zeigt, wie kritische politische Kommentare kriminalisiert werden.“</p>
<p><strong>•<span class="Apple-converted-space">  </span>South East Europe Media Organisation (SEEMO – Südosteuropäische Medienorganisation): „</strong>Ein klarer Versuch, unabhängige Stimmen zum Schweigen zu bringen.“</p>
<p><strong>•<span class="Apple-converted-space">  </span>Reporter ohne Grenzen (RSF – Reporters sans frontières):</strong> „Teil einer systematischen Kampagne gegen unabhängige Medien.“</p>
<p><strong>•<span class="Apple-converted-space">  </span>Committee to Protect Journalists (CPJ) –</strong> Komitee zum Schutz von Journalisten): „Ein Einschüchterungsinstrument gegen die gesamte unabhängige Presse.“</p>
<h5>Pressefreiheit als Grundpfeiler</h5>
<p>In seiner Erklärung betonte der AEJ, dass Pressefreiheit ein Grundpfeiler der Demokratie sei. „Wenn Journalisten wegen politischer Kommentare jahrelang Gefängnis riskieren, steht die Demokratie selbst unter Angriff“, hieß es. Die internationale Gemeinschaft dürfe nicht schweigen, wenn Journalisten in der Türkei allein wegen der Ausübung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert würden. Der Verband bekräftigte seine Solidarität mit Fatih Altaylı und allen türkischen Journalisten, die unter zunehmend repressiven Bedingungen arbeiten.</p>
<h5>Weitere Repressionen</h5>
<p>Das Urteil gegen Altaylı ist nach Einschätzung des AEJ nur ein Beispiel für den anhaltenden Trend wachsender Repressionen. Der Verband verwies auf ein weiteres Verfahren vom 13. Oktober 2025, bei dem Staatsanwälte in Istanbul gegen 20 Personen, darunter die Journalistin Fatoş Erdoğan, Anklage erhoben. Unter Berufung auf Artikel 214 des türkischen Strafgesetzbuchs wird ihnen „öffentliche Aufforderung zu Straftaten“ vorgeworfen, was mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden kann. Die Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit Protesten gegen eine Gerichtsentscheidung, die die Führung der größten Oppositionspartei CHP absetzte und durch ein Übergangsgremium ersetzte.</p>
<h5>Aufruf an die Behörden</h5>
<p>Der AEJ forderte die türkischen Behörden auf, den Druck auf unabhängige Journalisten sofort zu beenden und auf die lange Liste systematischer Bedrohungen und Angriffe zu reagieren, die auf der Plattform für Journalistensicherheit des Europarats dokumentiert sind.</p>
<p><strong>AEJ</strong></p>
<p>Der Europäische Journalistenverband (AEJ) wurde 1961 in San Remo gegründet und ist eine internationale Journalistenorganisation, die sich für die Pressefreiheit in ganz Europa einsetzt. Nach offiziellen Angaben ist die AEJ heute in 25 europäischen Ländern aktiv und zählt rund 2.500 Mitglieder.</p>
<p>Das Hauptziel der AEJ besteht darin, die Pressefreiheit in Europa und weltweit zu schützen, die unabhängige Arbeit von Journalistinnen und Journalisten zu gewährleisten und demokratische Werte zu verteidigen. Darüber hinaus unterstützt der Verband die europäische Integration, fördert die Zusammenarbeit zwischen Journalistinnen und Journalisten und trägt dazu bei, europäische Themen besser verständlich zu machen.</p>
<p>Die AEJ gilt als eines der einflussreichsten internationalen Netzwerke im Bereich der Pressefreiheit in Europa. Dank ihrer Beziehungen zur UNESCO und zum Europarat bietet sie eine starke internationale Plattform gegen den Druck auf Journalistinnen und Journalisten. ( Türkische Allgemeine, 30.11.2025)</p>
<p><strong>Quellen:</strong></p>
<p><strong>AEJ Condemns Four-Year Prison Sentence for Turkish Journalist Fatih Altaylı</strong></p>
<blockquote hcb-fetch-image-from="https://aej.org/aej-condemns-four-year-prison-sentence-for-turkish-journalist-fatih-altayli/" class="wp-embedded-content" data-secret="kQjqTdmfTJ"><p><a href="https://aej.org/aej-condemns-four-year-prison-sentence-for-turkish-journalist-fatih-altayli/">AEJ Condemns Four-Year Prison Sentence for Turkish Journalist Fatih Altaylı</a></p></blockquote>
<p><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8220;AEJ Condemns Four-Year Prison Sentence for Turkish Journalist Fatih Altaylı&#8221; &#8212; Association of European Journalists" src="https://aej.org/aej-condemns-four-year-prison-sentence-for-turkish-journalist-fatih-altayli/embed/#?secret=ugUm1GB7Lu#?secret=kQjqTdmfTJ" data-secret="kQjqTdmfTJ" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/11/30/aej-verurteilt-haftstrafe-gegen-fatih-altayli/">AEJ verurteilt Haftstrafe gegen Fatih Altaylı</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
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            	</item>
		<item>
		<title>Türkei: Vier Jahre Haft für Journalisten – TKG warnt vor Angriff auf Pressefreiheit</title>
		<link>https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/11/27/tuerkei-vier-jahre-haft-fuer-journalisten-tkg-warnt-vor-angriff-auf-pressefreiheit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Günes]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 14:14:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) verurteilt das Urteil gegen Fatih Altaylı&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/11/27/tuerkei-vier-jahre-haft-fuer-journalisten-tkg-warnt-vor-angriff-auf-pressefreiheit/">Türkei: Vier Jahre Haft für Journalisten – TKG warnt vor Angriff auf Pressefreiheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4 class="p1">Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) verurteilt das Urteil gegen Fatih Altaylı als alarmierenden Angriff auf die Pressefreiheit und warnt vor dem gezielten Schweigen kritischer Stimmen.</h4>
<p class="p4"><strong></p>
<p>WIEN, ISTANBUL, 27.11.2025</strong>-Am 26. November hat das türkische Oberste Strafgericht den bekannten Journalisten, Kolumnisten und Youtuber Fatih Altaylı zu vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Anlass war ein politischer Kommentar in einer YouTube-Live-Sendung, den die Behörden als „Bedrohung“ gegenüber Präsident Erdoğan interpretierten. Juristische Expert:innen betonen jedoch, dass diese Aussage keine ausreichende Grundlage für eine Festnahme oder langjährige Haft darstellt.</p>
<h5 class="p3"><strong><span class="s1">Reaktion der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich (TKG)</span></strong></h5>
<p class="p4">Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) bewertet dieses Urteil – ebenso wie die Verhaftung des Tele1-Chefredakteurs Merdan Yanardağ und die faktische Schließung des Senders – als alarmierende Angriffe auf die Pressefreiheit und als gezielte Versuche, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen.</p>
<h5 class="p3"><span class="s1">Hintergrund</span></h5>
<p class="p4">Altaylı wurde am 21. Juni 2025 festgenommen, kurz nachdem ein Ausschnitt seiner Sendung viral ging. Sein YouTube-Kanal zählt über 1,6 Millionen Abonnent:innen und verzeichnet mehr als 300 Millionen Gesamtaufrufe. Einzelne Videos erreichen ein Millionenpublikum – zuletzt über 5,2 Millionen Aufrufe. Trotz seiner Festnahme wurde der Kanal weitergeführt und oppositionelle Journalist:innen eingeladen, was die zentrale Rolle unabhängiger Medien für die demokratische Debatte unterstreicht.</p>
<h5 class="p3"><span class="s1">Internationale Kritik</span></h5>
<p class="p4">•<span class="Apple-converted-space">  </span><strong>International Federation of Journalists (IFJ – Internationale Journalisten-Föderation):</strong> „Die Verurteilung von Fatih Altaylı ist ein weiterer alarmierender Schritt in Richtung Einschränkung der Pressefreiheit. Wir fordern seine sofortige Freilassung.“</p>
<p class="p4">•<span class="Apple-converted-space">  </span><strong>International Press Institute (IPI – Internationales Presse-Institut):</strong> „Die Inhaftierung zeigt, wie kritische politische Kommentare kriminalisiert werden.“</p>
<p class="p4">•<span class="Apple-converted-space">  </span><strong>South East Europe Media Organisation (SEEMO – Südosteuropäische Medienorganisation):</strong> „Ein klarer Versuch, unabhängige Stimmen zum Schweigen zu bringen.“</p>
<p class="p4">•<span class="Apple-converted-space">  </span><strong>Reporter ohne Grenzen (RSF – Reporters sans frontières):</strong> „Teil einer systematischen Kampagne gegen unabhängige Medien.“</p>
<p class="p4"><strong>•<span class="Apple-converted-space">  </span>Committee to Protect Journalists (CPJ – Komitee zum Schutz von Journalisten):</strong> „Ein Einschüchterungsinstrument gegen die gesamte unabhängige Presse.“</p>
<p class="p3"><strong><span class="s1">Stellungnahme der TKG</span></strong></p>
<p class="p4">Aus Sicht der TKG zeigt dieser Fall, dass in der Türkei zunehmend ein „Feindstrafrecht“ gegen oppositionelle Journalist:innen angewendet wird. Dies untergräbt demokratische Prinzipien, schwächt die Rechtssicherheit und schreckt internationale Investoren ab.</p>
<p class="p3"><strong><span class="s1">Forderung der TKG</span></strong></p>
<p class="p4">Die TKG appelliert an die türkische Regierung in Ankara, die Pressefreiheit, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte – und damit die Kopenhagener Kriterien – wiederherzustellen.</p>
<p class="p4">Eine starke Türkei braucht eine unabhängige Justiz, freie Medien, Meinungsfreiheit und die Einhaltung demokratischer Standards.</p>
<p class="p4">Die TKG betont, dass sie eine starke, demokratische und rechtsstaatliche Türkei unterstützt – heute wie in Zukunft.</p>
<p><span class="s2">Altaylıs Kanal: <a href="https://www.youtube.com/@fatihaltayli"><span class="s3">YouTube – Fatih Altaylı</span></a></span></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/11/27/tuerkei-vier-jahre-haft-fuer-journalisten-tkg-warnt-vor-angriff-auf-pressefreiheit/">Türkei: Vier Jahre Haft für Journalisten – TKG warnt vor Angriff auf Pressefreiheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
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            	</item>
		<item>
		<title>20. November: Was sagte Netanjahu über die Türkei?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Birol Kilic]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Nov 2025 05:23:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>20. November: Was sagte Netanjahu über die Türkei? Von Birol Kilic, Beobachtungen&#8230;</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>20. November: Was sagte Netanjahu über die Türkei?</h2>
<p>Von Birol Kilic, Beobachtungen und Analyse, aus Wien, vom 22.11.2025</p>
<p>Der israelische Premierminister Netanyahu äußerte diese Sätze am 10. November 2025 während einer Sondersitzung in der Knesset in Jerusalem über die Regierung in Ankara. Es handelt sich um ein Thema, das die Öffentlichkeit sowohl jetzt als auch in Zukunft interessiert. Dabei wird das Thema weder bagatellisiert noch emotionalisiert sondern den Leserinnen und Lesern ein direkter Überblick ermöglicht.</p>
<p>Wir veröffentlichen hier die wortgetreue Übersetzung, kommentarlos aus dem Hebräischen und Englischen ins Türkische, nun ins Deutsche übertragen.</p>
<p>Die sehr knappen, vorsichtigen und diplomatischen Aussagen wurden<strong> am 20. November 2025 im Liveblog der Times of Israel</strong> veröffentlicht. Es handelt sich um eine wortgetreue und kommentarlos Wiedergabe, die den Ton Netanyahus unverändert dokumentiert. Damit ist die Bedeutung exakt übertragen und für die History festgeschrieben.</p>
<h5><strong>Zusätzliche Entwicklung vor dem Sendum am 20. November</strong></h5>
<p>Vor der am 20. November von Premierminister Netanjahu veröffentlichten Sendung im Liveblog der Times of Israel erließ die türkische Justiz am 7. und 8. November 2025 Haftbefehle gegen insgesamt 37 israelische Staatsbürger. Unter den Genannten befinden sich Premierminister Benjamin Netanjahu, Außenminister Israel Katz sowie weitere hochrangige Regierungsmitglieder, darunter der Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir. Ihnen wird „Verbrechen gegen die Menschlichkeit” und „systematischer Völkermord” im Zusammenhang mit den militärischen Operationen Israels im Gazastreifen vorgeworfen.</p>
<p>Die Generalstaatsanwaltschaft in Istanbul begründete diese Entscheidung damit, dass die israelische Führung durch wiederholte und großflächige Angriffe auf zivile Infrastruktur, Wohngebiete und medizinische Einrichtungen eine gezielte Strategie verfolge, die auf die Vernichtung der palästinensischen Bevölkerung abziele. In den Haftbefehlen wird auf die hohe Zahl ziviler Opfer, darunter Frauen und Kinder, sowie auf die Zerstörung lebenswichtiger Versorgungseinrichtungen verwiesen.</p>
<p>Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, dass die Ermittlungen auf Grundlage von Zeugenaussagen, Bildmaterial und internationalen Menschenrechtsberichten geführt wurden. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte bereits zuvor mehrfach öffentlich erklärt, Netanjahu sei „für einen Genozid in Gaza verantwortlich“. Mit den Haftbefehlen wurde diese politische Anklage nun in eine juristische Form überführt.</p>
<p>Internationale Medien wie Der Standard, ZDF, ORF, Südkurier und t‑online griffen die Entscheidung auf und betonten, dass die Türkei damit einen beispiellosen Schritt gegen die israelische Regierung unternimmt. Während israelische Medien die Rede Netanyahus am 10. November 2025 überwiegend diplomatisch einordneten, sahen internationale Stimmen in der Kombination aus Rede und Haftbefehlen ein klares Zeichen für die Eskalation der Spannungen zwischen Ankara und Jerusalem.</p>
<p>Die Haftbefehle sind zunächst nur innerhalb der Türkei gültig, könnten jedoch über internationale Kooperationen oder Interpol-Mechanismen weitergetragen werden. Ob und inwieweit diese juristischen Schritte praktische Folgen für Netanjahu und seine Minister haben werden, ist derzeit unklar. Dennoch bilden sie den unmittelbaren Hintergrund für Netanyahus vorsichtige und diplomatisch formulierte Rede in der Knesset, die einerseits auf Entspannung abzielt, andererseits aber auch deutliche sicherheitspolitische Signale sendet.</p>
<h5><strong>Premierminister Netanyahu in O-Ton (3 Sprachen)<br />
20. November 2025 im Liveblog der Times of Israel </strong></h5>
<p class="p1"><strong>&#8222;Wir wollen ein Modus Vivendi mit der Türkei.&#8220;<br />
</strong>&#8222;Türkiye ile bir modus vivendi istiyoruz.&#8220;</p>
<p class="p2" dir="rtl">&#8222;אנחנו רוצים מודוס ויוונדי עם טורקיה&#8220;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="p1"><strong>&#8222;Die Türkei benutzt eine sehr harte, sehr radikale Rhetorik, und wir wehren sie ab.&#8220;<br />
</strong>&#8222;Türkiye çok sert, çok radikal bir retorik kullanıyor ve biz onu savuşturuyoruz.&#8220;</p>
<p class="p2" dir="rtl">&#8222;טורקיה משתמשת ברטוריקה קשה מאוד ורדיקלית מאוד, ואנחנו מסיטים אותה&#8220;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="p1"><strong>&#8222;Vor Ort, in der Praxis, haben wir ihren Eintritt in den Süden Syriens verhindert.&#8220;<br />
</strong>&#8222;Sahada, fiilen, onların Suriye’nin güneyine girişini engelledik.&#8220;</p>
<p class="p2" dir="rtl">&#8222;בשטח, בפועל, מנענו את כניסתם לדרום סוריה&#8220;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="p1"><strong>&#8222;Sie wollten an einen Ort nahe unserer Grenze eindringen. Ich sagte: Das wird niemals geschehen.&#8220;<br />
</strong>&#8222;Onlar sınırımıza yakın bir yere girmek istediler. Ben dedim ki: Bu asla olmayacak.&#8220;</p>
<p class="p2" dir="rtl">&#8222;הם רצו להיכנס למקום קרוב לגבול שלנו. אמרתי: זה לעולם לא יקרה&#8220;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="p1"><strong>&#8222;Wir wollten auch nicht, dass sie in das Gebiet namens T‑4 im Zentrum Syriens eindringen, und wir haben diesen Flugplatz sogar bombardiert. Das war der Befehl, den ich der Luftwaffe gab, und sie haben ihn ausgeführt.&#8220;<br />
</strong>&#8222;Biz onların Suriye’nin ortasındaki T‑4 adlı bölgeye girmelerini de istemedik ve bu hava üssünü hatta bombaladık. Bu, Hava Kuvvetlerine verdiğim emirdi ve onlar bunu yerine getirdiler.&#8220;</p>
<p class="p2" dir="rtl">&#8222;בנוסף לא רצינו שייכנסו לאזור שנקרא T‑4 במרכז סוריה, ואף הפצצנו את שדה התעופה הזה. זו הייתה הפקודה שנתתי לחיל האוויר, והם ביצעו אותה&#8220;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="p1"><strong>&#8222;Derzeit halten wir eine gewisse Distanz, und gleichzeitig bauen wir einen Dialog mit der Türkei auf.&#8220; &#8220;<br />
</strong>&#8222;Şu anda belli bir mesafeyi koruyoruz ve aynı zamanda Türkiye ile bir diyalog kuruyoruz.&#8220;</p>
<p class="p2" dir="rtl">&#8222;כיום אנו שומרים על מרחק מסוים, ובו בזמן מקיימים דיאלוג עם טורקיה&#8220;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="p1"><strong>&#8222;Jenseits der Schlagzeilen sagen wir in unseren Kontakten: Es gibt ein gegenseitiges Interesse, Zusammenstöße zu vermeiden.&#8220;<br />
</strong>&#8222;Manşetlerin ötesinde, temaslarımızda şunu söylüyoruz: Çatışmalardan kaçınmak için karşılıklı bir çıkar vardır.&#8220;</p>
<p class="p2" dir="rtl">&#8222;מעבר לכותרות, אנו אומרים במגעים שלנו: יש עניין הדדי להימנע מעימותים&#8220;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="p1"><strong>&#8222;Wir werden immer tun, was nötig ist, um unser Land zu schützen und zu verteidigen. Aber zuerst, wenn möglich, nehmen wir Kontakte auf; und gleichzeitig zeigen wir Entschlossenheit vor Ort.&#8220;<br />
</strong>&#8222;Ülkemizi korumak ve savunmak için gereken her şeyi her zaman yapacağız. Ama önce, mümkünse, temas kurarız; ve aynı zamanda sahada kararlılık gösteririz.&#8220;</p>
<p class="p2" dir="rtl">&#8222;אנו תמיד נעשה כל מה שנדרש כדי להגן על ארצנו. אבל קודם, אם אפשר, אנו מקיימים מגעים; ובו בזמן אנו מראים נחישות בשטח&#8220;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="p1"><strong>&#8222;Das zweite Thema ist, wie man Macht für die Zukunft aufbaut.&#8220;<br />
</strong>&#8222;İkinci konu, geleceğe yönelik nasıl güç inşa edileceğidir.&#8220;</p>
<p class="p2" dir="rtl">&#8222;הנושא השני הוא כיצד אתה בונה כוח לעתיד&#8220;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="p1"><strong>&#8222;Es hängt sehr stark davon ab, wie sie ihre Macht aufbauen. Wir beobachten sie.&#8220;<br />
</strong>&#8222;Bu, onların güçlerini nasıl inşa ettiklerine çok bağlıdır. Biz onları izliyoruz.&#8220;</p>
<p class="p2" dir="rtl">&#8222;זה תלוי מאוד כיצד הם בונים את כוחם. אנחנו עוקבים אחריהם&#8220;</p>
<p class="p1"><strong>&#8222;Wie man sagt: Der Appetit wächst beim Essen; manche Fähigkeiten steigern den Appetit, und deine Fähigkeiten können den Appetit anderer dämpfen.&#8220;<br />
</strong>&#8222;Denildiği gibi: İştah yemekle artar; bazı yetenekler iştahı artırır ve senin yeteneklerin başkalarının iştahını azaltabilir.&#8220;</p>
<p class="p2" dir="rtl">&#8222;כפי שאומרים, התיאבון גדל עם האכילה; יכולות מסוימות מגבירות את התיאבון, והיכולות שלך יכולות לקהות את התיאבון של אחרים&#8220;</p>
<div style="width: 640px;" class="wp-video"><video class="wp-video-shortcode" id="video-7593-1" width="640" height="360" preload="metadata" controls="controls"><source type="video/mp4" src="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/11/tercueme-ne-dedi.mp4?_=1" /><a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/11/tercueme-ne-dedi.mp4">https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/11/tercueme-ne-dedi.mp4</a></video></div>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong>Analyse</strong></h4>
<p><strong>Unterschiedliche mediale Darstellung</strong></p>
<p>Die israelische Presse (Ynet, Times of Israel, Israel Hayom) berichtete mit diplomatischer und nüchterner Sprache, betonte Abschreckung und Dialog. Die türkische Presse (NTV, Odatv, TGRT Haber, Star, Türkiye Gazetesi) stellte dieselben Aussagen mit schärferen, dramatischeren Schlagzeilen dar, oft mit einem konfrontativen Ton.</p>
<p>In der israelischen Presse fallen die direkten Analysen zu Netanyahus Rede über die Türkei vom 10. November 2025 eher verhalten aus. Nachrichtenportale wie Ynet, Times of Israel und Israel Hayom beschränkten sich weitgehend auf die Wiedergabe seiner Aussagen, während tiefere Einschätzungen vor allem in kommentierenden Medien erschienen – allen voran in Haaretz. Dort wurde die Rede im Hinblick auf die zukünftigen türkisch‑israelischen Beziehungen und Netanyahus Verweis auf einen „modus vivendi“ eingeordnet. Auffällig ist dabei: Obwohl Netanyahus Sprache diplomatisch wirkt, transportiert sie zugleich eine deutliche Botschaft der Abschreckung und des Machtgleichgewichts.</p>
<p><strong>Die Analyse von Haaretz hebt besonders hervor</strong></p>
<p>Die einzige substanzielle Analyse in der israelischen Presse stammt von Haaretz. Dort wird betont:<br />
•⁠ ⁠Netanyahus Ton sei diplomatisch, der Inhalt jedoch klar von sicherheitspolitischer Abschreckung geprägt.<br />
•⁠ ⁠Der Begriff „modus vivendi“ werde als strategischer Versuch verstanden, die Beziehungen zur Türkei nicht abbrechen zu lassen, sondern aktiv zu steuern.<br />
•⁠ ⁠In der israelischen Öffentlichkeit werde die Rede als „Politik des Gleichgewichts“ gegenüber der scharfen Rhetorik Ankaras wahrgenommen.</p>
<p>Haaretz ordnete die Rede, gehalten im Rahmen einer Konferenz in Berlin, als Balanceakt „zwischen diplomatischem Ton und Abschreckung“ ein. Der Verweis auf die Lage an der syrischen Grenze oder den Angriff auf die T‑4‑Basis wurde als Hinweis darauf interpretiert, dass Israel gegenüber der Türkei weiterhin faktische Abschreckung betreibt.</p>
<p>Times of Israel und Israel Hayom beließen es bei einer nicht‑kommentierenden Berichterstattung. Beide stellten Netanyahus Aussage „Wir wollen keinen Konflikt mit der Türkei“ in den Mittelpunkt, ohne weiterführende Analyse.</p>
<p><strong>Deutsche und internationale Medien wie die Deutsche Welle  (auch ORF, Standard)</strong>, die über den türkischen Haftbefehl gegen Netanyahu wegen „Völkermordvorwürfen“ berichteten, betonten, dass Israels Rhetorik einerseits auf Entspannung abzielt, andererseits aber klare sicherheitspolitische Signale aussendet.</p>
<p><strong>Quellen und Links</strong></p>
<p><strong>Israelische Medien</strong></p>
<p>• Ynet (Hebräisch): https://www.ynet.co.il/news/article/yokra14580514<br />
• Times of Israel (Englisch): https://www.timesofisrael.com/liveblog_entry/israel-wants-to-reach-deal-with-turkey-but-cant-rule-out-threat-says-netanyahu/<br />
• Israel Hayom (Englisch): https://www.israelhayom.com/2025/10/21/netanyahu-draws-red-line-no-turkish-troops-in-gaza/</p>
<p>Haaretz – Konferenz in Berlin, 7.11.2025 (übersetzt, NIF Deutschland)</p>
<blockquote hcb-fetch-image-from="https://www.nif-deutschland.de/haaretz-konferenz-2025-bericht/" class="wp-embedded-content" data-secret="HaAsmg66pd"><p><a href="https://www.nif-deutschland.de/haaretz-konferenz-2025-bericht/">Haaretz-Konferenz in Berlin: Bruchlinien und Perspektiven für Israel, Gaza und Deutschland</a></p></blockquote>
<p><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8220;Haaretz-Konferenz in Berlin: Bruchlinien und Perspektiven für Israel, Gaza und Deutschland&#8221; &#8212; NIF Deutschland - New Israel Fund" src="https://www.nif-deutschland.de/haaretz-konferenz-2025-bericht/embed/#?secret=yM5ea0CgP0#?secret=HaAsmg66pd" data-secret="HaAsmg66pd" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<p>DW – Türkei möchte Netanjahu festnehmen lassen, 8.11.2025<br />
https://www.dw.com/de/news-kompakt-tuerkei-haftbefehl-israel-netanjahu-gaza-antisemitismus-ungarn-russland-orban-trump/a-74670963</p>
<p>Athen Nachrichten – Türkei erließ Haftbefehle gegen 37 Israelis, 7.11.2025<br />
https://de.rua.gr/2025/11/07/tuerkiye-erliess-haftbefehle-gegen-37-israelis-darunter-m-</p>
<p><strong>Türkische Medien</strong></p>
<p>• NTV: https://www.ntv.com.tr/dunya/netanyahu-turkiye-ile-catisma-istemiyoruz,_dyhuQiPO0KGMAuAhVY0Qg<br />
• Odatv: https://www.odatv.com/guncel/netanyahu-acik-acik-soyledi-turkiyeyi-engelledik-120124373<br />
• TGRT Haber: https://www.tgrthaber.com/dunya/netanyahunun-gundemi-turkiye-ozel-toplanti-yapti-3262483<br />
• Star: https://www.star.com.tr/dunya/soykirimci-netanyahudan-turkiye-mesaji-son-yillarda-cok-dusmanca-bir-tutum-icindeler-haber-1975690/<br />
• Türkiye Gazetesi: https://www.turkiyegazetesi.com.tr/dunya/tel-aviv-basinindan-carpici-iddia-netanyahu-turkiye-icin-yeni-hamleye-hazirlaniyor-1131464</p>
<p><strong>Haftbefehl-Quellen</strong></p>
<p>Tachles – Erneut Haftbefehl gegen Netanyahu, 9.11.2025 <span class="Apple-converted-space"> </span>https://www.tachles.ch/artikel/news/erneut-haftbefehl-gegen-netanyahu</p>
<p>Der Standard – Türkische Justiz erlässt Haftbefehl gegen Netanjahu wegen „Völkermords“, 8.11.2025 <span class="Apple-converted-space"> </span>https://www.derstandard.at/story/3000000295482/t252rkei-justiz-erl228sst-haftbefehl-gegen-netanyahu-wegen-v246lkermords</p>
<p>ZDF Heute – Türkei: Gericht erlässt Haftbefehl gegen Benjamin Netanjahu, 8.11.2025 <span class="Apple-converted-space"><br />
</span>https://www.zdfheute.de/politik/ausland/tuerkei-haftbefehl-netanjahu-israel-nahost-100.html</p>
<p>ORF – Türkei: Haftbefehl gegen Netanjahu wegen „Völkermords“, 7.11.2025 <span class="Apple-converted-space"> </span>https://orf.at/stories/3410873/</p>
<p>Südkurier – Türkisches Gericht erlässt Haftbefehl gegen Netanjahu, 8.11.2025 <span class="Apple-converted-space"> </span>https://www.suedkurier.de/politik/justiz-tuerkisches-gericht-erlaesst-haftbefehl-gegen-netanjahu-112746816</p>
<p>t‑online – Türkei erlässt Haftbefehl: Netanjahu wegen Völkermord angeklagt, 7.11.2025 <span class="Apple-converted-space"> </span>https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_100990738/tuerkei-erlaesst-haftbefehl-netanjahu-wegen-voelkermord-angeklagt.html</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/11/22/20-november-was-sagte-netanjahu-ueber-die-tuerkei/">20. November: Was sagte Netanjahu über die Türkei?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
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            	</item>
		<item>
		<title>Türkiye, Muğla: 22 Syrian Alawite Asylum Seekers Face “De Facto HTS Death Threat”</title>
		<link>https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/10/23/tuerkiye-mugla-22-syrian-alawite-asylum-seekers-face-de-facto-hts-death-threat/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Günes]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Oct 2025 12:12:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<category><![CDATA[Türkische Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Association of Contemporary Lawyers in Türkiye has issued an urgent appeal:&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/10/23/tuerkiye-mugla-22-syrian-alawite-asylum-seekers-face-de-facto-hts-death-threat/">Türkiye, Muğla: 22 Syrian Alawite Asylum Seekers Face “De Facto HTS Death Threat”</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4>The Association of Contemporary Lawyers in Türkiye has issued an urgent appeal: <span class="Apple-converted-space"> </span>“Do not send the Arab Alawites who have sought refuge in Türkiye back to Syria — to certain death.” <span class="Apple-converted-space"> </span></h4>
<h4>The association emphasized that deporting the 22 detained Arab Alawite asylum seekers in Muğla-Ula would constitute a serious violation of the non-refoulement principle under international law and could expose them to persecution, torture, or death at the hands of HTS forces in Syria.</h4>
<h4>The Turkish Cultural Community in Austria (TKG Think Tank) has called for the protection of Syrian Alawites in Muğla-Ula and urged Türkiye and international institutions to uphold the principle of non-refoulement.</h4>
<p><strong>BERLIN/İZMİR, 23.10.2025 —</strong> The Association of Contemporary Lawyers in Türkiye (Çağdaş Hukukçular Derneği, İzmir branch) announced that 22 members of Syria’s Arab Alawite minority, who fled persecution by HTS and sought refuge in Türkiye, are being unlawfully detained at the Muğla-Ula Removal Center. The association reminded authorities that Türkiye is legally obliged not to return Syrian Alawite citizens who have been subjected to systematic massacres under HTS rule in Syria.</p>
<p>According to the İzmir branch, at least 22 Syrian asylum seekers from the Arab Alawite minority are currently under administrative detention at the Muğla-Ula Removal Center. These individuals reportedly fled territories controlled by the armed group Hay’at Tahrir al-Sham (HTS) due to their Alawite faith. HTS is identified as a radical jihadist organization notorious for attacks and massacres targeting the Alawite community during the Syrian civil war. International human rights reports indicate that armed forces under the HTS “interim administration” have killed thousands—possibly tens of thousands—of Alawite civilians. Fighters reportedly went door to door interrogating civilians about their sect, looting valuables, committing violence accompanied by sectarian insults, and engaging in widespread sexual violence against women. Numerous documented cases also indicate that women and children were abducted for slavery and human trafficking.</p>
<p>The association emphasized that the Republic of Türkiye, under both domestic law and international conventions to which it is a party, is obligated not to forcibly return any person facing persecution. Under the principle of non-refoulement, it is prohibited to deport a person if doing so would expose them to life-threatening danger. Therefore, the administrative detention of at least 22 Syrian Alawite asylum seekers, including children, at the Muğla-Ula center is legally unacceptable.</p>
<p>The Association of Contemporary Lawyers issued the following demands to Turkish authorities:</p>
<p>•<span class="Apple-converted-space">  </span>Immediate termination of all administrative detention orders concerning the 22 Syrian asylum seekers held in Muğla-Ula.</p>
<p>•<span class="Apple-converted-space">  </span>Prompt processing of their asylum applications based on a well-founded fear of persecution, and granting them temporary protection status.</p>
<p>•<span class="Apple-converted-space">  </span>Full compliance with national and international legal obligations regarding the principle of non-refoulement.</p>
<h3><strong>Urgent Warning from the Turkish Cultural Community in Austria (TKG Think Tank) <span class="Apple-converted-space"> </span></strong></h3>
<p>The Turkish Cultural Community in Austria (TKG Think Tank) has declared that Syrian Arab Alawite/Shiite asylum seekers held at the Muğla-Ula Removal Center must be urgently protected due to the risk of persecution and violence posed by HTS. The organization calls on Türkiye and international institutions to uphold the principle of non-refoulement and to take immediate protective measures. TKG, committed to human rights advocacy and democratic awareness—especially regarding injustices faced by the Turkish community in Austria—released a statement titled: These People Must Be Helped Immediately!</p>
<p>Statement Highlights <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>According to verified information, the individuals listed below face the risk of massacre, rape, and all forms of inhuman treatment in Syria solely because of their Alawite faith. Relevant sources are provided below. Across the world and in Türkiye, there are businesspeople, NGO representatives, politicians, and media professionals of Alawite/Shiite Arab origin from Syria and Lebanon. Our appeal to them is this: they must become the voice of those Syrian Alawite Arabs who have fallen victim to massacres since November 2024. They know this tragedy better than anyone. We, as TKG, are not directly connected to the region; we view this as a humanitarian catastrophe unfolding just kilometers beyond Türkiye’s border. Foreign intelligence networks active inside Türkiye may exploit these developments, and there is a real risk that the HTS regime could export its Alawite genocide into Türkiye. Preventive measures must be taken immediately. Why do prominent and influential figures in Austria and the EU remain silent in the face of potential migration from Türkiye’s Hatay region? Are they afraid—or are they opportunistic intellectuals who speak of humanity, harmony, and beauty only at the dinner table?</p>
<p>On Regional Silence and Sectarian Risk <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>One recalls that the PKK/YPG/PYD once allegedly fought against ISIS. Why is there now no solidarity against al-Nusra (HTS) in its terror campaign against Syria’s Alawites? Are politically active Kurdish and Alawite figures in Türkiye and abroad not disturbed by this? This is a humanitarian tragedy. Regardless of identity, we must not remain silent in the face of systematic violence and massacres committed by HTS (Hay’at Tahrir al-Sham) since November 2024. Millions in Türkiye—Sunnis, Alawites, Kurds, Zazas, Albanians—see these atrocities as a continuation of a 500-year pattern of violence. We call upon the Republic of Türkiye to take concrete measures to ensure the safety of its citizens against threats posed by HTS, Daesh/ISIS, and similar entities. The situation must not be downplayed. Our purpose is to inform the public and prevent Türkiye from being drawn into chaos and sectarian conflict through Syria. The notion that the belt breaks, but we keep quiet is wrong—human life and dignity must be protected.</p>
<p>Final Call to Türkiye’s Authorities <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Turkish authorities must not create the impression—through any administrative or political act—that they are delivering Syrian Alawite Arabs to HTS supporters or to an HTS-controlled regime. The government should immediately open the Yayladağı border crossing to provide humanitarian protection to those living just kilometers away in Latakia (Lāzkiye). The massacres, rapes, sexual enslavement, property looting, forced displacements, and starvation imposed by the HTS/Salafi-Wahhabi regime must be stopped. The Republic of Türkiye must put an end to this crime against humanity. The Alawite Arabs of Syria trust in the founding principles of the modern Republic of Türkiye and in their millions of relatives living in Hatay and across Türkiye—this trust is justified. We express our respect and confidence in the Turkish nation.</p>
<p>Subject: Concerning the Syrian Nationals Held at the Muğla-Ula Removal Center in Türkiye <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Dear Sir or Madam, <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>We have received credible information that numerous Syrian nationals, including several children, are currently being detained at the Muğla-Ula Removal Center in the province of Muğla. Our findings indicate that several of these individuals belong to the Alawite faith. Given the situation of the Alawite community in Syria and the widespread human rights violations documented there, returning these persons would expose them to death, torture, or other cruel, inhuman, or degrading treatment. Therefore, under Article 4 of Law No. 6458 on Foreigners and International Protection, the non-refoulement principle must be strictly observed. The individual circumstances of each person must be carefully assessed, and all deportation procedures must be suspended. Regarding the Syrian Arab Alawites who sought refuge in Muğla-Ula, we have received their Turkish and Arabic first names and birth years from the EU Commission in Brussels. The first names have been abbreviated, and surnames removed. The ages range from four small children to 45 years old.</p>
<p class="p1">A.—</p>
<p class="p1">M.—</p>
<p class="p1">B.—</p>
<p class="p1">M.—</p>
<p class="p1">W.—</p>
<p class="p1">S.—</p>
<p class="p1">H.—</p>
<p class="p1">H.—</p>
<p class="p1">A.—</p>
<p class="p1">R.—</p>
<p class="p1">K.—</p>
<p class="p1">A.—</p>
<p class="p1">M.—</p>
<p class="p1">A.—</p>
<p class="p1">N.—</p>
<p class="p1">A.—</p>
<p class="p1">A.—</p>
<p class="p1">S.—</p>
<p class="p1">S.—</p>
<p class="p1">J.—</p>
<p class="p1">S.—</p>
<p>We respectfully request the competent authorities to urgently carry out the necessary reviews and measures, and to keep us informed of all developments regarding this matter.</p>
<p>Respectfully, <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Turkish Cultural Community in Austria (TKG Think Tank) <span class="Apple-converted-space"> </span></strong></p>
<p><strong>Vienna, 23 October 2025</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<h4 class="p1"><b>Verified and Relevant Sources (URLs):</b><b></b></h4>
<p class="p3">Çağdaş Hukukçular Derneği İzmir Branch:</p>
<p class="p3"><strong>https://cagdashukukcular.org/subelerimiz/</strong></p>
<p class="p3">UN &amp; Alawite Violence Report — Al Jazeera:</p>
<p class="p3"><a href="https://www.aljazeera.com/news/2025/8/14/war-crimes-likely-committed-by-both-sides-in-syria-sectarian-violence-un-commission-says">https://www.aljazeera.com/news/2025/8/14/war-crimes-likely-committed-by-both-sides-in-syria-sectarian-violence-un-commission-says</a></p>
<p class="p3">UN Security Council Press Release — HTS:</p>
<p class="p3"><a href="https://press.un.org/en/2025/sc16020.doc.htm">https://press.un.org/en/2025/sc16020.doc.htm</a></p>
<p class="p3">HRW Report: <i>“Are You Alawi? Identity-Based Killings During Syria’s Transition”</i> — HRW</p>
<p class="p3"><a href="https://www.hrw.org/report/2025/09/23/are-you-alawi/identity-based-killings-during-syrias-transition">https://www.hrw.org/report/2025/09/23/are-you-alawi/identity-based-killings-during-syrias-transition</a></p>
<p class="p3">Yeni Vatan Newspaper: <i>“UN: War Crimes Committed Against Alawite Minority in Syria”</i><i></i></p>
<p class="p3"><a href="https://www.yenivatan.at/birlesmis-milletler-bm-suriyedeki-alevi-azinliga-karsi-savas-sucu-islenmistir/amp/">https://www.yenivatan.at/birlesmis-milletler-bm-suriyedeki-alevi-azinliga-karsi-savas-sucu-islenmistir/amp/</a></p>
<p class="p3">PİRHA News Portal — Statement of the Association of Contemporary Lawyers:</p>
<p class="p3"><a href="https://pirha.org/alevi-soykirimindan-kacan-22-suriyeli-siginmaci-ula-geri-gonderme-merkezinde-tutuluyor-490777.html/22/10/2025">https://pirha.org/alevi-soykirimindan-kacan-22-suriyeli-siginmaci-ula-geri-gonderme-merkezinde-tutuluyor-490777.html/22/10/2025</a></p>
<p class="p3">Additional references:</p>
<p class="p3">UK Government Document: <i>“Country Policy and Information Note: Alawites and Actual or Perceived Assadists, Syria, July 2025”</i><i></i></p>
<p class="p3"><a href="https://www.gov.uk/government/publications/syria-country-policy-and-information-notes/alawites-and-actual-or-perceived-assadists-syria-july-2025">https://www.gov.uk/government/publications/syria-country-policy-and-information-notes/alawites-and-actual-or-perceived-assadists-syria-july-2025</a></p>
<p class="p3">Reuters Investigation: <i>“How Syrian Government Forces and Factions Are Linked to the Mass Killings of Alawites”</i> — Reuters</p>
<p class="p3">USCIRF Report: <i>“2022 Factsheet – HTS-Syria”</i> — USCIRF PDF</p>
<p class="p3"><a href="https://www.uscirf.gov/sites/default/files/2022-11/2022%20Factsheet%20-%20HTS-Syria.pdf">https://www.uscirf.gov/sites/default/files/2022-11/2022%20Factsheet%20-%20HTS-Syria.pdf</a></p>
<p class="p3">UN News – Official Summary of Speech:</p>
<p class="p3"><a href="https://news.un.org/en/story/2025/09/1165940">https://news.un.org/en/story/2025/09/1165940</a></p>
<p class="p3">YouTube — UN Session Video:</p>
<p class="p3"><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ZJ1hXwN8_wo">https://www.youtube.com/watch?v=ZJ1hXwN8_wo</a></p>
<p class="p3">Türkische Allgemeine Reports:</p>
<p class="p3"><a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/09/26/ahmed-al-sharaa-vor-der-un-digitale-loeschung-als-diplomatische-rehabilitierung/">https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/09/26/ahmed-al-sharaa-vor-der-un-digitale-loeschung-als-diplomatische-rehabilitierung/</a></p>
<p class="p3"><a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/09/23/stratejik-silinme-julani-bm-yaptirim-listesinden-cikarildi-mi/">https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/09/23/stratejik-silinme-julani-bm-yaptirim-listesinden-cikarildi-mi/</a></p>
<p class="p3"><a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/09/23/westliche-doppelmoral-wie-terror-auf-dem-un-podium-salonfaehig-gemacht-wirdwestliche-doppelmoral-terror-auf-dem-un-podium-die-maske-von-ahmed-al-sharaa-alias-golani-und-die-wahre-natur-von-hts/">https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/09/23/westliche-doppelmoral-wie-terror-auf-dem-un-podium-salonfaehig-gemacht-wirdwestliche-doppelmoral-terror-auf-dem-un-podium-die-maske-von-ahmed-al-sharaa-alias-golani-und-die-wahre-natur-von-hts/</a></p>
<p class="p1">
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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            	</item>
		<item>
		<title>Hoffnung und Gerechtigkeit  im Schatten Kafkas</title>
		<link>https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/10/19/hoffnung-und-gerechtigkeit-im-schatten-kafkas/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Birol Kilic]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Oct 2025 07:05:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<category><![CDATA[Türkische Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die traditionsreiche türkische Qualitätszeitung Cumhuriyet („Die Republik“), die älteste noch erscheinende Zeitung&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/10/19/hoffnung-und-gerechtigkeit-im-schatten-kafkas/">Hoffnung und Gerechtigkeit  im Schatten Kafkas</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1">Die traditionsreiche türkische Qualitätszeitung <i>Cumhuriyet</i> („Die Republik“), die älteste noch erscheinende Zeitung der Türkei, veröffentlichte am 19. Oktober 2025 auf Seite zwei in ihrer Rubrik einen Essay von Birol Kılıç aus Wien mit dem Titel „Gerechtigkeit und Hoffnung im Schatten Kafkas“ (<i>Justice and Hope in Kafka’s Shadow</i>), auf Türkisch: „Kafka’nın gölgesinde adalet ve umut“.</p>
<p class="p1">Wir haben den Beitrag sowohl ins Deutsche als auch ins Englische übersetzt.</p>
<h3><img decoding="async" class="alignnone wp-image-7557 size-large" src="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/WhatsApp-Image-2025-10-19-at-09.47.11-1-1024x768.jpeg" alt="" width="1024" height="768" srcset="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/WhatsApp-Image-2025-10-19-at-09.47.11-1-1024x768.jpeg 1024w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/WhatsApp-Image-2025-10-19-at-09.47.11-1-300x225.jpeg 300w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/WhatsApp-Image-2025-10-19-at-09.47.11-1-768x576.jpeg 768w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/WhatsApp-Image-2025-10-19-at-09.47.11-1-1536x1152.jpeg 1536w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/WhatsApp-Image-2025-10-19-at-09.47.11-1-800x600.jpeg 800w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/WhatsApp-Image-2025-10-19-at-09.47.11-1-1160x870.jpeg 1160w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/WhatsApp-Image-2025-10-19-at-09.47.11-1-600x450.jpeg 600w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/WhatsApp-Image-2025-10-19-at-09.47.11-1.jpeg 1600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></h3>
<h3><a href="https://www.cumhuriyet.com.tr/pazar-yazilari/kafka-nin-golgesinde-adalet-ve-umut-2444884">Gerechtigkeit und Hoffnung im Schatten Kafkas</a></h3>
<p>Cumhuriyet (Die Republik), Seite 2, Birol Kilic, Wien-Istanbul, 12.10.2025</p>
<p class="p1">Haben Sie sich jemals gefühlt, als würden Sie angeklagt, ohne zu wissen, wessen man Sie beschuldigt? Oder als befänden Sie sich in einem Gerichtssaal, ohne je ein Urteil gehört zu haben? Manchmal, wenn man morgens aufwacht, erscheint das Leben selbst wie ein Gefängnis – wie ein Tribunal. Josef K. aus Franz Kafkas Roman „Der Prozess“ ist vielleicht genau der Name dieses Gefühls.</p>
<h3><b>Der Mann zwischen den Sprachen</b></h3>
<p class="p1">Franz Kafka wurde 1883 in Prag geboren, als Bürger der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Aufgewachsen zwischen verschiedenen Identitäten, starb Kafka 1924, ohne sich je wirklich irgendwo zugehörig gefühlt zu haben. Sein Satz „Deutsch berührt meine Sprache, aber Tschechisch mein Herz“ ist ein prägnanter Ausdruck dieser zerrissenen Identität.</p>
<h3><b>Die Sprache der Ohnmacht</b></h3>
<p class="p1">Zu Kafkas Hauptwerken zählen „Der Prozess“, „Das Schloss“, „Der Verschollene“ und „Die Verwandlung“. Mit einer klaren, aber symbolisch aufgeladenen Sprache behandelt er Themen wie Entfremdung, Ohnmacht und die Hilflosigkeit gegenüber der Autorität. Seine Prosa vereint nüchterne Realität mit einem Bewusstseinszustand, der am Rande des Absurden wandelt, und hebt so die Einsamkeit des modernen Menschen gegenüber dem System auf eine universelle Ebene.</p>
<h3><b>Was „kafkaesk“ wirklich in der Türkei bedeutet</b></h3>
<p class="p1">Diese Erzählweise hat den Begriff „kafkaesk“ geprägt – ein Ausdruck für die existenzielle Beklemmung und das Eingesperrtsein des Individuums im System. Auch heute spiegelt sich dieser kafkaeske Zustand in der seelischen Verfassung von Millionen Menschen in der Türkei wider, insbesondere in der Figur Josef K. aus „Der Prozess“.</p>
<h3><b>Die unsichtbare Anklage</b></h3>
<p class="p1">Josef K. wird in „Der Prozess“ wegen eines unbekannten Verbrechens verhaftet. Weder die Anklage ist klar, noch ist ein Gericht sichtbar, noch wird ihm eine Verteidigung gewährt. Alle gehen davon aus, dass er schuldig ist; am Ende wird er ohne jede Erklärung hingerichtet. Kafka beschreibt hier nicht nur das Drama eines Einzelnen, sondern die willkürliche und unterdrückende Macht eines Systems, das an die Stelle der Gerechtigkeit tritt.</p>
<h3><b>Der türkische Josef K.</b></h3>
<p class="p1">Erleben nicht auch Menschen in der Türkei oder in der Diaspora das Gefühl von Josef K.? Jene, die am Rand der Meinungsfreiheit stehen, sich in bürokratischen Labyrinthen verlieren oder als unschuldig Schuldige behandelt werden? Denn in „Der Prozess“ ist die Anklage unklar, die Verteidigung eingeschränkt und das Urteil oft schon gefällt, bevor das Verfahren beginnt.</p>
<h3><b>102 Jahre später: Das kafkaeske Erbe</b></h3>
<p class="p1">Als 1923 die moderne Republik Türkei gegründet wurde, lebte Kafka noch. Heute, im 102. Jahr der Republik, scheint es, als fühlten sich viele Bürger wie Josef K. Die Ungewissheit der Justiz, wirtschaftliche Erschütterungen, politischer Loyalitätsdruck und bürokratische Willkür erzeugen eine kafkaeske Beklemmung in den Seelen. Kürzlich wurde ein junger Mensch allein wegen eines Lächelns verhaftet – er erlebt, was es heißt, die eigene Identität nicht verteidigen zu können. Er ist kein Bürger mehr, sondern eine Aktennummer.</p>
<h3><b>Die Geschichte der verlorenen Puppe</b></h3>
<p class="p1">Die von Kafkas letzter Lebensgefährtin Dora Diamant überlieferte Geschichte betrifft all jene, die inmitten der Menge zunehmend vereinsamen. Franz Kafka, 40 Jahre alt und unverheiratet, begegnete eines Tages in einem Berliner Park einem Mädchen, das weinte, weil es ihre Lieblingspuppe verloren hatte. Kafka suchte mit dem traurigen Mädchen überall nach der Puppe – vergeblich.</p>
<h3><b>Briefe aus einer anderen Welt</b></h3>
<p class="p1">Obwohl sie die Puppe nicht fanden, brachte Kafka dem Mädchen beim ersten Treffen einen Brief, angeblich von der Puppe selbst, und las ihn ihr vor: „Bitte weine nicht um mich und sei nicht traurig. Ich bin auf eine lange Reise gegangen, um die Welt zu sehen. Ich werde dir erzählen, was ich erlebt habe und welche Abenteuer ich hatte.“</p>
<p class="p1">Dies war der erste von vielen Briefen, die noch folgen sollten. So begann eine Geschichte, die bis zum Ende von Kafkas Leben andauerte. Bei jedem Treffen las Kafka dem Mädchen neue Briefe vor, in denen er die imaginären Abenteuer der geliebten Puppe schilderte. Das Mädchen fand Trost in diesen Briefen.</p>
<h3><b>Die letzte Begegnung</b></h3>
<p class="p1">Schließlich kam es zum letzten Treffen. Kafka brachte dem Mädchen eine neue Puppe mit. Das Mädchen starrte überrascht auf die Puppe, die ihrer alten kaum ähnelte: „Sie sieht gar nicht wie meine Puppe aus“, sagte sie. Im letzten Brief der verlorenen Puppe stand: „Sei nicht überrascht. Die lange Reise, die ich nach unserer Trennung gemacht habe, hat mich sehr verändert.“</p>
<p class="p1">Daraufhin nahm das Mädchen die Puppe in den Arm und ging glücklich nach Hause. Ein Jahr später starb Kafka. Jahre später, als das Mädchen längst erwachsen war, fand sie in der Puppe, die sie wie einen Schatz gehütet hatte, einen weiteren Brief, den sie zuvor nie bemerkt hatte. Kafka hatte geschrieben: „Alles, was du liebst, wirst du früher oder später verlieren. Vielleicht kommt das Verlorene nie zurück. Aber am Ende wird die Liebe auf irgendeine Weise zu dir zurückkehren.“</p>
<h3><b>Ein Brief an die Verlorenen </b></h3>
<p class="p1">Kafkas Literatur aus Wien-Prag ist ein Brief an jene, die sich im System verirren und nach einem Weg suchen. Für alle, die sich in der Türkei wie Josef K. fühlen, gilt dieser Brief an das kleine Mädchen noch immer. Das Wesentliche ist nicht der Satz, sondern der Weg, der ihn trägt – jener Weg, der über jedes Wort hinausgeht. Denn im Gehen selbst liegt die Würde, die Wahrheit und das Bleibende.( Birol Kilic, Wien-Istanbul, 19.10.2025)</p>
<p>Quelle:<br />
<strong>Cumhuriyet ( Die Republik, 19.10.2025): Kafka’nın gölgesinde ad</strong>alet ve umut<br />
<a href="https://www.cumhuriyet.com.tr/pazar-yazilari/kafka-nin-golgesinde-adalet-ve-umut-2444884">https://www.cumhuriyet.com.tr/pazar-yazilari/kafka-nin-golgesinde-adalet-ve-umut-2444884</a></p>
<p><strong>English</strong></p>
<h2 class="p1"><b>Justice and Hope in Kafka’s Shadow</b><b></b></h2>
<p class="p2">Cumhuriyet (The Republic), Page 2, Birol Kılıç, Vienna–Istanbul, 12 October 2025</p>
<p class="p2">Have you ever felt as if you were being accused without ever knowing what you were being charged with? Or as though you were standing in a courtroom at every moment, without ever hearing a verdict? Sometimes, when you wake up in the morning, life itself seems like a prison, like a tribunal. Josef K., the protagonist of Franz Kafka’s novel <i>The Trial</i>, may well be the very name of that feeling.</p>
<p class="p1"><b>The Man Between Languages</b><b></b></p>
<p class="p2">Franz Kafka was born in 1883 in Prague, a citizen of the Austro-Hungarian monarchy. Raised amidst multiple identities, Kafka died in 1924 without ever truly feeling that he belonged anywhere. His statement, “German touches my language, but Czech touches my heart,” is a poignant expression of this divided identity.</p>
<p class="p1"><b>The Language of Powerlessness</b><b></b></p>
<p class="p2">Kafka’s major works include <i>The Trial</i>, <i>The Castle</i>, <i>America</i>, and <i>The Metamorphosis</i>. Using a clear yet symbolically charged language, he explores themes of alienation, helplessness, and the individual’s impotence in the face of authority. His prose fuses stark reality with a state of consciousness that borders on the absurd, elevating the loneliness of modern humans within the system to a universal dimension.</p>
<p class="p1"><b>What ‘Kafkaesque’ Really Means in Turkey</b><b></b></p>
<p class="p2">This narrative style gave rise to the term “Kafkaesque”—a description of existential anxiety and the individual’s entrapment within a system. Today, this Kafkaesque condition is reflected in the emotional state of millions in Turkey, especially through the figure of Josef K. in <i>The Trial</i>.</p>
<p class="p1"><b>The Invisible Accusation</b><b></b></p>
<p class="p2">In <i>The Trial</i>, Josef K. is arrested for a crime that is never clearly specified. The charges are vague, the court remains invisible, and no defense is provided. Everyone assumes he is guilty; in the end, he is executed without explanation. Kafka portrays not only the drama of an individual, but also the arbitrary and oppressive power of a system that replaces justice.</p>
<p class="p1"><b>The Turkish Josef K.</b><b></b></p>
<p class="p2">Do not many people in Turkey, or within the diaspora, experience Josef K.’s condition? Those who stand at the margins of free expression, who become lost in bureaucratic labyrinths, or who are treated as guilty despite their innocence? In <i>The Trial</i>, the accusation is unclear, the defense restricted, and the verdict often predetermined before the trial even begins.</p>
<p class="p1"><b>102 Years Later: Kafka’s Legacy</b><b></b></p>
<p class="p2">Kafka was still alive when the modern Republic of Turkey was founded in 1923. Today, in the Republic’s 102nd year, many citizens seem to live as Josef K. Judicial uncertainty, economic upheavals, political loyalty pressures, and bureaucratic arbitrariness generate Kafkaesque anxiety in the soul. Recently, a young person was arrested for nothing more than a smile—he experienced what it means to be unable to defend one’s own identity. He is no longer recognized as a citizen, but reduced to a case file.</p>
<p class="p1"><b>The Story of the Lost Doll</b><b></b></p>
<p class="p2">A story preserved by Kafka’s last companion, Dora Diamant, speaks to all those who feel increasingly isolated within the crowd. Kafka, then forty and unmarried, once encountered a girl crying in a Berlin park because she had lost her favorite doll. Kafka searched everywhere with the grieving child for the doll—in vain.</p>
<p class="p1"><b>Letters from Another World</b><b></b></p>
<p class="p2">Though the doll was never found, Kafka brought the girl a letter at their next meeting, allegedly written by the doll herself, and read it aloud: “Please do not cry for me and do not be sad. I have gone on a long journey to see the world. I will tell you what I have experienced and the adventures I have had.”</p>
<p class="p2">This was the first of many letters to follow. Thus began a story that continued until the end of Kafka’s life. At every meeting, Kafka read the girl new letters describing the imaginary adventures of her beloved doll. The girl found comfort and solace in these letters.</p>
<p class="p1"><b>The Final Encounter</b><b></b></p>
<p class="p2">Eventually, they met for the last time. Kafka brought the girl a new doll. She stared at it in surprise—it bore little resemblance to the old one. “It doesn’t look like my doll at all,” she said. In the final letter from the lost doll, it read: “Do not be surprised. The long journey I undertook after our separation has changed me profoundly.”</p>
<p class="p2">The girl embraced the doll and went home happy. A year later, Kafka passed away. Years after that, when the girl had grown up, she discovered a final letter hidden inside the doll she had cherished all her life. Kafka had written: “Everything you love you will eventually lose. Perhaps what is lost will never return. But in the end, love will return to you in some form.”</p>
<p class="p1"><b>A Letter to the Lost</b><b></b></p>
<p class="p2">Kafka’s literature—from Vienna to Prague—is a letter to those who lose themselves in the system and search for a way out. For all who feel like Josef K. in Turkey, this letter to the little girl still resonates. What matters is not the sentence itself, but the path it carries—the path that transcends every word. For in the act of walking lies dignity, truth, and permanence.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-74667 size-large" src="https://www.yenivatan.at/wp-content/uploads/2025/10/Bildschirmfoto-2025-10-19-um-07.40.02-720x673.jpeg" alt="" width="720" height="673" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/10/19/hoffnung-und-gerechtigkeit-im-schatten-kafkas/">Hoffnung und Gerechtigkeit  im Schatten Kafkas</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
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            	</item>
		<item>
		<title>Verhaftet: Necati Coşkun Arabacı, bekannt als „Vater von Köln“, in Izmir verhaftet</title>
		<link>https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/10/09/verhaftet-necati-coskun-arabaci-bekannt-als-vater-von-koeln-in-izmir-verhaftet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Günes]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Oct 2025 08:13:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anführer der „Hells Angels“-Organisation in der Türkei festgenommen: Coşkun Necati Arabacı alias&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/10/09/verhaftet-necati-coskun-arabaci-bekannt-als-vater-von-koeln-in-izmir-verhaftet/">Verhaftet: Necati Coşkun Arabacı, bekannt als „Vater von Köln“, in Izmir verhaftet</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><b>Anführer der „Hells Angels“-Organisation in der Türkei festgenommen: Coşkun Necati Arabacı alias „Cehennem Necati“ verhaftet</b><b></b></p>
<p class="p1"><span class="s1"><br />
Ahmet Uzun, İzmir, 09.10.2025</span></p>
<p class="p1">Der berüchtigte Anführer der organisierten Verbrecherbande <span class="s1"><b>Coşkun Necati Arabacı</b></span>, bekannt unter den Spitznamen <span class="s1"><b>„Cehennem Necati“ (Necati, der Höllenhund)</b></span> und <span class="s1"><b>„Vater von Köln“</b></span>, ist in der Türkei <span class="s1"><b>verhaftet</b></span> worden.</p>
<p class="p1">Arabacı wurde am <span class="s1"><b>5. Oktober 2025</b></span> bei seiner Ankunft am <span class="s1"><b>Flughafen Izmir Adnan Menderes</b></span> aus der serbischen Hauptstadt <span class="s1"><b>Belgrad</b></span> von Beamten der Abteilung für organisierte Kriminalität der Provinzpolizei Izmir festgenommen. Nach Abschluss der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Izmir wurde er am <span class="s1"><b>7. Oktober 2025</b></span> dem zuständigen Gericht vorgeführt und anschließend <span class="s1"><b>verhaftet</b></span>.</p>
<p class="p1">Nach Angaben der Staatsanwaltschaft steht Arabacı an der Spitze einer weit verzweigten kriminellen Vereinigung, die in der Öffentlichkeit unter dem Namen <span class="s1"><b>„Cehennem Melekleri“ („Höllenengel“) bzw. „Hells Angels“</b></span> bekannt ist. Nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden ist das Netzwerk international tätig und in <span class="s1"><b>Geldwäsche, Erpressung, Drogen- und Waffenhandel</b></span> verwickelt.</p>
<p class="p1"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-7450 size-full" src="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/1200xauto.webp" alt="" width="1080" height="627" srcset="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/1200xauto.webp 1080w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/1200xauto-300x174.webp 300w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/1200xauto-1024x594.webp 1024w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/1200xauto-768x446.webp 768w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/1200xauto-800x464.webp 800w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/1200xauto-600x348.webp 600w" sizes="(max-width: 1080px) 100vw, 1080px" /></p>
<p class="p1">Der 53-jährige Arabacı gilt als eine der zentralen Figuren des türkisch-europäischen organisierten Verbrechens. In Deutschland, insbesondere in Köln, war er in den 2000er-Jahren als dominanter Akteur der Unterwelt bekannt, was ihm den Beinamen <span class="s1"><b>„Vater von Köln“</b></span> einbrachte.</p>
<p class="p1">Die Behörden kündigten an, die Ermittlungen gegen Arabacı und sein Umfeld fortzusetzen, um weitere Mitglieder der Organisation und deren Finanzstrukturen aufzudecken.</p>
<p class="p1">Zuvor war er in der <a href="https://www.youtube.com/shorts/4VZWOWYZ4P8"><span class="s1"><b>Slowakei</b></span> kurzzeitig festgenommen</a> und unter der Auflage, das Land zu verlassen, wieder freigelassen worden.</p>
<p class="p1">Anfang <span class="s1"><b>September 2025</b></span> wurde Arabacı zudem in <a href="https://www.youtube.com/shorts/3UyfbyWtDB0"><span class="s1">Wien-Favoriten (Keplerplatz)</span> beobachtet – umgeben von Polizeikräften</a>, gemeinsam mit einem in Wien lebenden Restaurantbetreiber kurdischer Herkunft. Die Aufnahmen davon verbreiteten sich in sozialen Medien zu Propagandazwecken.</p>
<p class="p1">Es gilt die Unschuldsvermutung.</p>
<p>&nbsp;</p>
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            	</item>
		<item>
		<title>Interpol sucht ihn – Türkei verleiht de facto einem IS-nahen Anführer den Pass: Der Fall Essam Bouidani</title>
		<link>https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/10/02/interpol-sucht-ihn-tuerkei-verleiht-de-facto-einem-is-nahen-anfuehrer-den-pass-der-fall-essam-bouidanituerkischer-pass-fuer-dschihadistenfuehrer-coemez-deckt-brisanten-fall-auf/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Günes]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Oct 2025 18:08:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>IYI-Abgeordneter Turhan Çömez  in Ankara wirft der Regierung vor, dem syrischen Ceyş’ul-İslam-Anführer&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/10/02/interpol-sucht-ihn-tuerkei-verleiht-de-facto-einem-is-nahen-anfuehrer-den-pass-der-fall-essam-bouidanituerkischer-pass-fuer-dschihadistenfuehrer-coemez-deckt-brisanten-fall-auf/">Interpol sucht ihn – Türkei verleiht de facto einem IS-nahen Anführer den Pass: Der Fall Essam Bouidani</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1">IYI-Abgeordneter Turhan Çömez  in Ankara wirft der Regierung vor, dem syrischen Ceyş’ul-İslam-Anführer Essam Bouidani die Staatsbürgerschaft verliehen zu haben. Trotz Interpol-Haftbefehl soll er unbehelligt in Antalya investiert haben. 2. Skandal in Ankara: IS-nahe Personen aus Europa – Türkei als Transitland für Dschihadisten</p>
<p><strong>Türkische Allgemeine, Wien, 2.10.2025</strong></p>
<p><strong>ANKARA. </strong>Der türkische Parlamentsabgeordnete Dr. Turhan Çömez (IYI-Partei) hat eine parlamentarische Anfrage eingereicht, in der er schwere Vorwürfe gegen die Regierung erhebt. Laut Çömez soll Essam Bouidani, der ehemalige Anführer der salafistisch-dschihadistischen Organisation Ceyş’ul-İslam, die türkische Staatsbürgerschaft erhalten haben. Sein neuer Name: Essam Bedatioğlu.</p>
<p class="p1">Bouidani, der laut internationalen Berichten in Syrien an Massakern beteiligt gewesen sein soll, habe mehrere Millionen Dollar in den Tourismussektor investiert und sich in Antalya niedergelassen. Frankreich habe inzwischen belastende Dokumente über seine Kriegsverbrechen gesammelt und bei Interpol einen internationalen Haftbefehl beantragt. Trotz dieser Vorwürfe sei Bouidani in der Türkei unbehelligt geblieben. Mit dem türkischen Pass in der Tasche habe er sich nach Dubai begeben, wo er schließlich an der Grenze festgenommen wurde.</p>
<p class="p1">Çömez fordert vom Innenministerium eine umfassende Stellungnahme zu folgenden Punkten:</p>
<p class="p1">•<span class="Apple-converted-space">  </span>Wie konnte Bouidani die türkische Staatsbürgerschaft erhalten?</p>
<p class="p1">•<span class="Apple-converted-space">  </span>Wurden seine Aktivitäten und Investitionen staatlich geprüft?</p>
<p class="p1">•<span class="Apple-converted-space">  </span>Warum wurde trotz Interpol-Haftbefehl keine Maßnahme ergriffen?</p>
<p class="p1">•<span class="Apple-converted-space">  </span>Welche sicherheitspolitischen Risiken ergeben sich aus diesem Fall?</p>
<p class="p1">Der Abgeordnete kündigte an, die Öffentlichkeit zu informieren, sobald eine offizielle Antwort vorliegt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-7376" src="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/GpeFstgXAAAkwJV.jpeg" alt="" width="600" height="386" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dort sei er an der Grenze festgenommen worden. Çömez erklärt, er habe das türkische Innenministerium um eine umfassende Stellungnahme zu den Einzelheiten dieses Vorgangs gebeten. Sobald eine Antwort vorliege, werde er die Öffentlichkeit informieren.</p>
<p>Hier die Anfrage und  die Übersetzung</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-7375 " src="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/GpeFstpXUAEartf.jpeg" alt="" width="317" height="448" srcset="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/GpeFstpXUAEartf.jpeg 1131w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/GpeFstpXUAEartf-212x300.jpeg 212w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/GpeFstpXUAEartf-724x1024.jpeg 724w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/GpeFstpXUAEartf-768x1086.jpeg 768w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/GpeFstpXUAEartf-1086x1536.jpeg 1086w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/GpeFstpXUAEartf-800x1132.jpeg 800w, https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/GpeFstpXUAEartf-424x600.jpeg 424w" sizes="(max-width: 317px) 100vw, 317px" /></p>
<p>Großes Nationales Parlament der Türkei TBMM – Parlamentarische Anfrage <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>An den Außenminister Herrn Hakan Fidan <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Eingereicht von: Abgeordneter Dr. Turhan Çömez (Balıkesir) <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Datum: 26.04.2025</p>
<p>Betreff: Einreise und Aktivitäten von Zahran Alloush in der Türkei</p>
<p>Zahran Alloush, syrischer Staatsbürger und ehemaliger Anführer der bewaffneten Organisation „Dschaisch al-Islam“, war eine zentrale Figur im syrischen Bürgerkrieg. Die genannte Organisation, die salafistisch-dschihadistische Ideologien vertritt, wurde unter anderem von Katar und Saudi-Arabien finanziell und logistisch unterstützt. Sie war in zahlreiche gewaltsame Übergriffe und Menschenrechtsverletzungen verwickelt.</p>
<p>Es liegen Hinweise vor, dass Zahran Alloush in die Türkei eingereist ist und sich mit dem türkischen Unternehmer Ethem Sancak getroffen hat. Dieses Treffen wirft Fragen hinsichtlich der außenpolitischen Position der Türkei sowie möglicher sicherheitsrelevanter Risiken auf.</p>
<p>In diesem Zusammenhang bitte ich um die Beantwortung folgender Fragen:</p>
<p>1.<span class="Apple-converted-space">  </span>Ist Zahran Alloush offiziell in die Türkei eingereist? Falls ja, mit welchem Reisedokument und über welchen Grenzübergang?</p>
<p>2.<span class="Apple-converted-space">  </span>Wurde seine Einreise durch staatliche Stellen genehmigt oder begleitet?</p>
<p>3.<span class="Apple-converted-space">  </span>Hat ein Treffen zwischen Zahran Alloush und Ethem Sancak stattgefunden? Wenn ja, wo und zu welchem Zweck?</p>
<p>4.<span class="Apple-converted-space">  </span>Welche sicherheitspolitischen Bewertungen liegen hinsichtlich der Anwesenheit von Zahran Alloush in der Türkei vor?</p>
<p>5.<span class="Apple-converted-space">  </span>Welche Maßnahmen wurden seitens Ihres Ministeriums ergriffen, um mögliche Risiken für die nationale Sicherheit zu prüfen oder zu verhindern?</p>
<p>Mit der Bitte um schriftliche Beantwortung gemäß Artikel 98 der Verfassung und Artikel 96 der Geschäftsordnung der Großen Nationalversammlung der Türkei.</p>
<p>Dr. Turhan Çömez <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Abgeordneter für Balıkesir – İYİ Partei</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2 class="p1">2. Skandal in Ankara: IS-nahe Personen aus Europa – Türkei als Transitland für Dschihadisten</h2>
<p class="p1">Der türkische Abgeordnete Turhan Çömez schlägt Alarm: Frankreich und andere EU-Staaten sollen IS-nahe Personen in die Türkei abgeschoben haben. Ein Fall mit tödlichen Folgen wurde nun im Parlament öffentlich gemacht.</p>
<div style="width: 640px;" class="wp-video"><video class="wp-video-shortcode" id="video-7374-2" width="640" height="360" preload="metadata" controls="controls"><source type="video/mp4" src="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/ssstwitter.com_1759426138040.mp4?_=2" /><a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/ssstwitter.com_1759426138040.mp4">https://www.tuerkische-allgemeine.de/wp-content/uploads/2025/10/ssstwitter.com_1759426138040.mp4</a></video></div>
<p class="p1">in schwerwiegender Vorwurf erschüttert die türkische Öffentlichkeit: Der Abgeordnete Dr. Turhan Çömez (IYI-Partei) hat in<strong> einer Fernsehdebatte</strong> und mit einer parlamentarischen Anfrage auf einen sicherheitspolitischen Skandal hingewiesen. Demnach sollen europäische Länder – darunter Frankreich, Österreich und Deutschland – Personen mit Verbindungen zur Terrororganisation IS/DEAŞ in die Türkei abgeschoben haben.</p>
<p class="p1">Ein besonders erschütternder Fall wurde im Parlament diskutiert:</p>
<p class="p1">•<span class="Apple-converted-space">  </span>Eine 14-köpfige syrische Familie mit nachgewiesener IS-Sympathie wurde aus Frankreich in die Türkei überstellt und ließ sich unbehelligt in Ankara nieder.</p>
<p class="p1">•<span class="Apple-converted-space">  </span>Die Gruppe ermordete den Fahrer eines gemieteten Kleinbusses, transportierte die Leiche bis nach Hatay, versteckte sie dort und überquerte anschließend die Grenze.</p>
<p class="p1">Çömez stellt öffentlich brisante Fragen:</p>
<p class="p1">– Erfolgte die Einreise im Rahmen des Rückübernahmeabkommens?</p>
<p class="p1">– Warum wurden die IS-Verbindungen nicht erkannt?</p>
<p class="p1">– Wie konnten sich die Täter in der Hauptstadt mit Schusswaffen frei bewegen?</p>
<p class="p1">– Wie gelang es ihnen, eine Leiche quer durchs Land zu transportieren?</p>
<p class="p1">– Wie konnten sie eine als hochgesichert geltende Grenze unbehelligt überqueren?</p>
<p class="p1">Der Abgeordnete warnt: Wenn solche Personen unter dem Vorwand der Rückführung nach Syrien in Istanbul übergeben werden, aber tatsächlich in der Türkei verbleiben, droht eine systematische Unterwanderung der inneren Sicherheit.</p>
<p class="p1">Die türkische Regierung steht unter Druck, klare Antworten zu liefern. Das Innenministerium wurde offiziell zur Stellungnahme aufgefordert. Die Öffentlichkeit erwartet Aufklärung – und Konsequenzen. (<strong>Türkische Allgemeine, Wien, 2.10.2025)</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>UPDATE 04.10.2025 IS-nahe Personen aus Europa – Türkei als Transitland für Dschihadisten</h3>
<p>&nbsp;</p>
<p class="p1"><span class="s1">Erklärung des Innenministeriums zur IS-nahen Familie Aksoy: Alle Mitglieder sind von Geburt an türkische Staatsbürger</span></p>
<p class="p3">Das türkische Innenministerium hat eine Stellungnahme zur 14-köpfigen Familie Aksoy veröffentlicht, die mit der Terrororganisation IS in Verbindung steht. Die Familie soll den in Ankara verschwundenen Busfahrer Binali Aslan ermordet, seine Leiche in einem Waldgebiet in der Provinz Mersin verscharrt und anschließend illegal nach Syrien geflohen sein.</p>
<p class="p3">In der über den offiziellen Social-Media-Kanal des Ministeriums verbreiteten Erklärung wird betont, dass die Behauptungen einiger Medien und Plattformen, wonach die Familie erst nachträglich die türkische Staatsbürgerschaft erhalten habe, unbegründet und falsch seien. Alle Mitglieder der Familie seien von Geburt an türkische Staatsbürger.</p>
<p class="p1"><span class="s1">Hintergrund zur Familie Aksoy</span></p>
<p class="p3">Die Familie Aksoy besitzt sowohl die französische als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Im Juli griffen mehrere Familienmitglieder in Gaziantep Angehörige der Gendarmerie an und wurden daraufhin für einen Monat inhaftiert. In der Nähe ihres Wohnorts wurde zudem die Leiche eines etwa 12- bis 13-jährigen Kindes entdeckt.</p>
<p class="p3">Am 21. September 2025 kontaktierten zwei Personen den 65-jährigen dreifachen Familienvater Binali Aslan, der als Spediteur am Busbahnhof AŞTİ in Ankara tätig war. Sie vereinbarten mit ihm eine Fahrt nach Mersin. Aslan nahm die 14-köpfige Familie in sein Fahrzeug auf und machte sich auf den Weg. Kurz darauf wurde sein Mobiltelefon abgeschaltet.</p>
<p class="p3">Nachdem seine Familie ihn als vermisst gemeldet hatte, leitete die Polizeibehörde Ankara Ermittlungen ein. Die Spur führte zunächst nach Mersin und anschließend nach Hatay. Als festgestellt wurde, dass die Verdächtigen illegal nach Syrien eingereist waren, schaltete sich der türkische Geheimdienst MIT ein.</p>
<p class="p3">Die Verdächtigen konnten in Idlib lokalisiert werden. In Zusammenarbeit mit dem syrischen Inlandsgeheimdienst wurde eine Operation durchgeführt. Dabei kamen acht Mitglieder der Familie ums Leben: Vater Vahdi, Mutter Meryem sowie Ayşe, Abdullah Ömer, Abdurrahim, Yakub, Muhammed und Ahmed Bahaeddin Aksoy.</p>
<p class="p3">Zwei weitere Familienmitglieder wurden verletzt, sechs Personen festgenommen und der Polizeibehörde in Hatay übergeben. Die Verdächtigen gestanden, dass sie Binali Aslan, mit dem sie die Fahrt vereinbart hatten, unterwegs getötet und seine Leiche im Wald von Tarsus vergraben hatten.</p>
<p class="p3">Es stellte sich heraus, dass die Familie, deren jüngstes Mitglied 34 Jahre alt war und die aus Eltern und zwölf Kindern bestand, über direkte Verbindungen zur Terrororganisation IS verfügte.</p>
<p class="p1"><strong> </strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de/2025/10/02/interpol-sucht-ihn-tuerkei-verleiht-de-facto-einem-is-nahen-anfuehrer-den-pass-der-fall-essam-bouidanituerkischer-pass-fuer-dschihadistenfuehrer-coemez-deckt-brisanten-fall-auf/">Interpol sucht ihn – Türkei verleiht de facto einem IS-nahen Anführer den Pass: Der Fall Essam Bouidani</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tuerkische-allgemeine.de">tuerkische-allgemeine.de</a>.</p>
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