Zwei der türkischen Regierung nahestehende Stiftungen erhalten erneut Mittel aus dem Erasmus-Programm der Europäischen Union. Die Türkische Nationalagentur bewilligte TÜRGEV und TÜGVA im August 2026 zusammen bis zu 273.503 Euro. Bereits 2025 waren den beiden Organisationen mehr als 445.000 Euro zugesprochen worden. Zugleich rückt ein weiteres Netzwerk der türkischen Bildungs- und Diasporapolitik in den Blick: die Türkiye Maarif Vakfı, für deren Wiener Einrichtung Bilal Erdoğan im März öffentlich um Unterstützung warb.
von Andreas Günes
Berlin/Ankara, 27. August 2026 – Die Türkische Nationalagentur hat neue Entscheidungen über Fördermittel aus dem Erasmus-Programm bekanntgegeben. Unter den begünstigten Organisationen befinden sich erneut zwei Stiftungen, die wegen ihrer Nähe zur türkischen Regierungspartei AKP und zum politischen Umfeld von Präsident Recep Tayyip Erdoğan seit Jahren öffentlich diskutiert werden: die Türkiye Gençlik Vakfı (TÜGVA) und die Türkiye Gençlik ve Eğitime Hizmet Vakfı (TÜRGEV).
Mit Beschluss vom 18. August 2026 wurden TÜGVA maximal 131.541 Euro und TÜRGEV maximal 141.962 Euro zugesprochen.
Die Gelder stammen aus dem Programm für Jugendmobilitätsprojekte von Organisationen und Einrichtungen mit einer Erasmus-Akkreditierung im Jugendbereich für das Jahr 2026. Damit beläuft sich die Summe der neu bekanntgegebenen Förderungen für beide Stiftungen auf 273.503 Euro.
Nach einem Bericht von Mustafa Bildircin in der türkischen Tageszeitung BirGün hatten TÜRGEV und TÜGVA bereits 2025 über die Türkische Nationalagentur insgesamt 445.454 Euro an Fördermitteln erhalten.
Veränderte Finanzierungsquellen
Die Entwicklung ist auch vor dem Hintergrund einer Verschiebung bei den Finanzierungsquellen regierungsnaher Stiftungen in der Türkei von Bedeutung.
TÜRGEV und TÜGVA gehörten während der AKP-Regierungszeit zu jenen Organisationen, die wegen Steuerbegünstigungen, ihrer Beziehungen zu staatlichen Institutionen und Kommunen sowie verschiedener Formen öffentlicher Unterstützung immer wieder Gegenstand politischer Kontroversen wurden.
Eine Zäsur bildeten die Kommunalwahlen vom 31. März 2019. Damals verlor die AKP die Kontrolle über mehrere politisch und wirtschaftlich wichtige Grossstadtverwaltungen, darunter Istanbul.
Mit dem politischen Machtwechsel auf kommunaler Ebene rückten auch finanzielle Beziehungen zwischen Gemeinden, Vereinen und Stiftungen stärker in den Blick der Öffentlichkeit. Zahlungen und andere Unterstützungen aus kommunalen Haushalten wurden teilweise überprüft oder reduziert.
In den folgenden Jahren war zu beobachten, dass sich Organisationen wie TÜRGEV und TÜGVA verstärkt internationalen Förderprogrammen zuwandten.
Seit 2021 erhalten beide Stiftungen demnach regelmässig Mittel aus Erasmus-Programmen, die in der Türkei über die Türkische Nationalagentur abgewickelt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Jugendmobilität, Bildung und internationalen Austauschprogrammen.
Damit ist zumindest ein Teil der Finanzierung aus einem stark innenpolitisch geprägten Umfeld in internationale beziehungsweise europäische Förderstrukturen übergegangen.
Dabei ist zu unterscheiden: Die Europäische Union überweist die betreffenden Mittel nicht unmittelbar aufgrund einer politischen Entscheidung in Brüssel an einzelne türkische Stiftungen. Die Erasmus-Programme werden in der Türkei über die zuständige Nationalagentur umgesetzt, die Anträge im Rahmen der entsprechenden Programmregeln prüft und Förderentscheidungen trifft.
445.454 Euro im Jahr 2025
Die Grössenordnung wird beim Blick auf das Vorjahr deutlich.
Nach Angaben der Türkischen Nationalagentur erhielt TÜGVA im Jahr 2025 EU-Fördermittel in Höhe von 194.454 Euro. TÜRGEV wurden 251.000 Euro zugesprochen.
Damit belief sich die Gesamtsumme für beide Stiftungen im Jahr 2025 auf 445.454 Euro. Mit der jüngsten Entscheidung vom 18. August 2026 kamen für TÜGVA weitere maximal 131.541 Euro und für TÜRGEV maximal 141.962 Euro hinzu.
Werden die für 2025 und August 2026 bekanntgegebenen Beträge zusammengerechnet, ergibt sich eine Gesamtsumme von 718.957 Euro.
Davon entfallen 325.995 Euro auf TÜGVA und 392.962 Euro auf TÜRGEV.
Bei diesen Summen handelt es sich um bewilligte beziehungsweise maximal vorgesehene Förderbeträge. Aus den Zahlen allein lässt sich nicht ableiten, in welcher Höhe die Gelder am Ende tatsächlich abgerufen und ausgegeben werden.
TÜRGEV, TÜGVA und Ensar seit Jahren Gegenstand politischer Debatten
TÜRGEV und TÜGVA gehören zusammen mit Organisationen wie der Ensar Vakfı zu den bekanntesten konservativ-islamisch geprägten Stiftungen, die während der AKP-Regierungszeit stark gewachsen sind.
Wegen ihrer engen Beziehungen zu politischen Entscheidungsträgern stehen sie seit Jahren im Fokus der türkischen Opposition und der Medien.
Diskutiert wurden insbesondere die Überlassung staatlicher Immobilien, kommunale Unterstützungen, Studenten- und Schülerwohnheime, Bildungsprojekte sowie grundsätzlich das Verhältnis formal zivilgesellschaftlicher Organisationen zum Staat und zur Regierungspartei.
Dass diese Einrichtungen in den vergangenen Jahren zunehmend auch in EU-finanzierten Erasmus-Projekten auftreten, fügt der Diskussion um ihre Finanzierungsquellen eine weitere Dimension hinzu.
Die im August 2026 veröffentlichte Liste der Türkischen Nationalagentur zeigt, dass TÜRGEV und TÜGVA weiterhin Fördermittel aus Erasmus-Programmen erhalten.
Mit den neu bewilligten Beträgen von maximal 131.541 Euro für TÜGVA und maximal 141.962 Euro für TÜRGEV setzt sich diese Finanzierung fort.
Ob eine Organisation politisch umstritten ist oder Regierungsvertretern nahesteht, sagt allerdings für sich genommen noch nichts darüber aus, ob ein konkretes Erasmus-Projekt den Förderbestimmungen entspricht.
Für eine solche Beurteilung wären die jeweiligen Projektanträge, Auswahlkriterien, Inhalte, Partnerorganisationen, Laufzeiten sowie die spätere Verwendung und Kontrolle der Mittel entscheidend.
Gerade deshalb ist Transparenz über die einzelnen Projekte von Bedeutung.
Die veröffentlichten Zahlen zeigen die finanzielle Dimension. Eine weitergehende Bewertung setzt jedoch voraus, dass auch Projektziele, Partner und konkrete Mittelverwendung nachvollziehbar dokumentiert werden.
Bilal Erdoğan warb in Wien für Unterstützung des Maarif Bildungsinstituts
Die Debatte über türkische Bildungs- und Stiftungsnetzwerke in Europa beschränkt sich nicht auf TÜRGEV und TÜGVA.
Am 2. März 2026 fand in Wien ein Iftar-Abend der Union Internationaler Demokraten, kurz UID, statt. Die Organisation wird vielfach als politische Auslandsstruktur im Umfeld der AKP angesehen.
Ehrengäste des Abends waren Bilal Erdoğan, Sohn des türkischen Staatspräsidenten und AKP-Vorsitzenden Recep Tayyip Erdoğan sowie Vorsitzender des Kuratoriums der İlim Yayma Vakfı, und Zafer Sırakaya, stellvertretender AKP-Vorsitzender, zuständig für Auslandsbeziehungen, und Abgeordneter für Istanbul.
Beide riefen türkische zivilgesellschaftliche Organisationen in Österreich dazu auf, die in Wien tätige Maarif-Bildungseinrichtung zu unterstützen.
An der Veranstaltung nahmen unter anderem der Generalsekretär der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, Feridun Sinirlioğlu, der türkische Botschafter in Wien, Gürsel Dönmez, Zafer Sırakaya, Bilal Erdoğan, der stellvertretende Präsident des Präsidiums für Auslandstürken und verwandte Gemeinschaften YTB, Abdulhadi Turus, sowie UID-Generalsekretär Kenan Aslan teil.
Unter den Gästen befanden sich überwiegend Vertreter türkischstämmiger Organisationen, die dem Umfeld der AKP zugerechnet werden, sowie Unternehmer und Vertreter kleiner und mittlerer Betriebe.
Der Abend begann mit einer Koranrezitation, anschliessend wurde ein Präsentationsfilm der UID gezeigt.
Vor dem Iftar sprach der türkische Botschafter in Wien, Gürsel Dönmez. Er verwies auf die 62-jährige Geschichte der türkischen Bevölkerung in Österreich.
„Die türkische Gemeinschaft ist inzwischen ein fester Bestandteil dieses Landes“, sagte Dönmez und übermittelte seine Glückwünsche zum Ramadan.
Bilal Erdoğan erklärte, die Delegation habe während ihres Aufenthalts auch die Wiener Maarif-Einrichtung besucht. Deren Bildungsarbeit werde sowohl der türkischen Gemeinschaft als auch Österreich zugutekommen.
Er betonte zudem, dass im Ausland lebende türkische Staatsbürger sich innerhalb zivilgesellschaftlicher Organisationen zusammenschliessen und ihre Verbindungen zur Türkei aufrechterhalten sollten.
Bilal Erdoğan verweist auf die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei
In seiner Rede ging Erdoğan ausführlich auf die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei ein.
Bilal Erdogan sagte: „Die Türkei unter der Führung von Recep Tayyip Erdoğan verfügt heute über eine Wirtschaft, die achtmal so gross ist wie vor 23 Jahren. Die Türkei hatte Exporte von 30 Milliarden Dollar, heute liegen sie bei 275 Milliarden Dollar. Die Türkei hatte ein Nationaleinkommen von 200 Milliarden Dollar, heute beträgt es 2,6 Billionen Dollar. Mit dem Wachstum im Jahr 2025 gehört die Türkei inzwischen zu den Ländern mit hohem Einkommen.“
Erdoğan fügte hinzu: „Die Republik Türkei ist heute ein starker Staat, der überall auf der Welt an der Seite seiner Bürger und Landsleute steht.“
Sein Vater habe die im Ausland lebenden Bürger stets als „einen Teil unserer Lunge“ bezeichnet, sagte Bilal Erdoğan.
„Wir stellen uns jedem Versuch entgegen, der den Frieden unserer Bürger im Ausland stört“
Der stellvertretende AKP-Vorsitzende Zafer Sırakaya überbrachte den Teilnehmern die Grüsse von Staatspräsident Erdoğan.
Er bezeichnete den Ramadan als Monat der Solidarität und Brüderlichkeit und betonte die Bedeutung eines geschlossenen Auftretens der türkischen Gemeinschaft im Ausland.
Sırakaya erklärte: „Unter der Führung unseres Staatspräsidenten haben wir uns gegen jeden Versuch gestellt, der den Frieden unserer im Ausland lebenden Bürger stört, und wir werden dies auch weiterhin tun.“
Auch Sırakaya verwies auf den Besuch der Maarif-Einrichtung in Wien. Der Ausbau solcher Bildungsangebote sei wichtig und müsse unterstützt werden.
„Die türkische Gemeinschaft ist so geschlossen wie nie zuvor“
Bilal Erdoğan erklärte weiter, er habe die Schwierigkeiten des Lebens im Ausland während seiner Aufenthalte insbesondere in den Vereinigten Staaten und Italien selbst erfahren.
Im Rahmen seiner Europareise halte er sich nun in Wien auf.
„Wir haben gesehen, dass die türkische Gemeinschaft so geschlossen ist wie noch nie“, sagte Erdoğan.
Er verwies zugleich auf rassistische und fremdenfeindliche Strömungen in Europa und hob erneut die Bedeutung eines geschlossenen Auftretens der türkischen Gemeinschaft hervor.
Nach Angaben Erdoğans hatte die Delegation zuvor die Wiener Bildungseinrichtung der Maarif-Stiftung besucht.
Ziel der Institution sei es, in Österreich besser ausgebildete, qualifizierte und starke Persönlichkeiten hervorzubringen.
„Die Bildungsaktivitäten hier werden sowohl unserer Gemeinschaft als auch Österreich einen Beitrag leisten“, sagte Erdoğan.
Nachdem bereits Zafer Sırakaya für Unterstützung geworben hatte, rief damit auch Bilal Erdoğan die türkischen zivilgesellschaftlichen Organisationen in Österreich ausdrücklich dazu auf, die Maarif-Einrichtung zu unterstützen.
YTB-Jugendtreffen im Wiener InterContinental
Bei einem weiteren Treffen, das vom Präsidium für Auslandstürken und verwandte Gemeinschaften, YTB, in Wien organisiert wurde, standen die Erwartungen junger Menschen, die Zukunft der Diaspora und die Perspektiven der nächsten Generation im Mittelpunkt.
Nach den vorliegenden Angaben nahmen an dieser Veranstaltung überwiegend junge Menschen aus dem Umfeld der AKP teil.
Das Treffen fand im Hotel InterContinental in Wien unter dem Titel „YTB Gençlik Buluşması“, auf Deutsch „YTB-Jugendtreffen“, statt.
Zu den Teilnehmern gehörten der türkische Botschafter Gürsel Dönmez, Bilal Erdoğan, AKP-Vizechef Zafer Sırakaya, der AKP-Abgeordnete für Istanbul Nurettin Alan, YTB-Vizepräsident Abdulhadi Turus sowie der Präsident der Türkiye Maarif Vakfı, Mahmut Mustafa.
Was ist die Türkiye Maarif Vakfı?
Die Türkiye Maarif Vakfı wurde am 17. Juni 2016 mit dem Gesetz Nr. 6721 gegründet.
Sie ist eine öffentlich-rechtliche Stiftung mit Verbindung zum türkischen Bildungsministerium und wird als einzige Institution bezeichnet, die im Namen der Republik Türkei Bildungseinrichtungen im Ausland eröffnen darf.
Zu den Hintergründen ihrer Gründung gehörte nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 die Absicht, Schulen zu übernehmen, die von der türkischen Regierung der Gülen-Bewegung beziehungsweise der von Ankara als „FETÖ“ bezeichneten Struktur zugerechnet wurden.
Zugleich sollte die türkische Bildungspolitik international stärker vertreten werden.
Die Stiftung betreibt Einrichtungen vom Vorschulbereich bis zur Hochschulbildung, vergibt Stipendien, errichtet Kulturzentren und bietet Türkischunterricht an.
Nach eigenen Angaben ist Maarif in zahlreichen Ländern Europas, Afrikas, Asiens und des Balkans tätig.
Über die Rolle der Stiftung bestehen unterschiedliche politische Bewertungen.
Oppositionsparteien und einige Bildungsgewerkschaften in der Türkei kritisieren die Finanzierung aus öffentlichen Mitteln, die Transparenz der Kontrolle und die Führungsstruktur.
Maarif selbst erklärt, seine Aktivitäten dienten dem Gemeinwohl und würden im Rahmen internationaler Bildungszusammenarbeit durchgeführt.
Kritik an Maarif in Europa
Nach eigenen Angaben hat die Türkiye Maarif Vakfı seit ihrer Gründung in 67 Ländern Schulen eröffnet und damit das grösste internationale Bildungsnetzwerk der Türkei aufgebaut.
Die türkische Regierung beschreibt dieses Netzwerk als Teil ihrer „Bildungsdiplomatie“.
Demgegenüber vertreten europäische Medien, Experten und Politiker teilweise die Auffassung, Maarif verfolge neben Bildungszielen auch politische, ideologische und geopolitische Interessen.
Die zentrale Kritik lautet, die Stiftung sei nicht ausschliesslich eine Bildungseinrichtung, sondern zugleich ein Instrument der türkischen Aussen- und Diasporapolitik.
In Teilen der europäischen Presse wird Maarif entsprechend kritisch beschrieben.
Der Kölner Stadt-Anzeiger fasste die Kritik dahingehend zusammen, dass die bildungspolitischen und ideologischen Interessen der türkischen Regierung auch im Ausland umgesetzt werden sollten.
Versuche zum Aufbau von Maarif-Schulen unter anderem in Köln, Berlin und Frankfurt lösten in Deutschland politische Diskussionen auf Bundes- und Landesebene aus.
Kritiker sehen darin den Versuch, politische und gesellschaftliche Vorstellungen aus der Türkei auf Teile der türkischen Bevölkerung in Europa zu übertragen.
Übernahme früherer Gülen-Schulen
Nach dem Putschversuch von 2016 drängte Ankara weltweit darauf, Schulen, die der von der Regierung in Ankara als FETÖ (Fethullah Gülen Terrororganisation) bezeichneten „Gülen‑Bewegung“ zugerechnet wurden, zu schließen oder an die Maarif‑Stiftung zu übertragen.
In verschiedenen Ländern Europas und Zentralasiens wurde der diplomatische Druck der Türkei in diesem Zusammenhang öffentlich thematisiert.
Ein bekanntes Beispiel ist Kirgisistan.
Dort wurde 2025 das angesehene Sapat-Schulnetzwerk nach jahrelangen Auseinandersetzungen an Maarif übertragen. Internationale Medien werteten die Entwicklung teilweise als Ergebnis des langjährigen politischen Drucks der türkischen Regierung.
Kritik an Finanzierung und Transparenz
Auch die Finanzierungsstruktur der Stiftung ist Gegenstand öffentlicher Kritik.
Die Frankfurter Rundschau berichtete über mangelnde Transparenz und thematisierte dabei auch die Frage, ob Maarif indirekt von europäischen Fördermitteln profitieren könne.
Kritiker argumentieren, die Nähe der Stiftung zu staatlichen und politischen Strukturen in Ankara erschwere es, sie in Europa als vollständig unabhängige Bildungsorganisation einzuordnen.
In dieser Perspektive wird Maarif nicht als politisch neutrale Bildungseinrichtung, sondern als ein Akteur mit ideologischem und aussenpolitischem Hintergrund betrachtet.
Auch innerhalb der Türkei wird die Höhe der öffentlichen Finanzierung kritisiert.
Politiker der oppositionellen İYİ Parti und der CHP bezeichneten Maarif unter anderem als „paralleles Bildungsministerium“ und als „schwarzes Loch, das öffentliche Gelder verschlingt“.
Nach einem Bericht von T24 wurde ermöglicht, der Stiftung innerhalb eines Jahres öffentliche Mittel von bis zu 5,7 Milliarden türkischen Lira zur Verfügung zu stellen.
Die Höhe der Finanzierung zeigt zugleich, welche strategische Bedeutung die Institution innerhalb der türkischen Aussen-, Bildungs- und Diasporapolitik erreicht hat.
Maarif in Wien: die Adresse des früheren WONDER-Netzwerks
Über das Maarif Bildungsinstitut in Wien liegen bislang nur begrenzte öffentliche Informationen vor.
Aufschlussreich ist jedoch die Adresse.
Die Einrichtung, für deren Unterstützung Bilal Erdoğan am 2. März 2026 in Wien warb, ist unter Kreitnergasse 4–6, 1160 Wien registriert.
Die Adresse steht mit einer Struktur in Verbindung, die früher unter dem Namen „WONDER“ bekannt war.
WONDER entstand in den 2000er Jahren als Wiener Struktur von Absolventen türkischer Imam-Hatip-Schulen.
Sie wurde mit dem türkischen Imam-Hatip-Absolventenverband ÖNDER in Verbindung gebracht.
Die Organisation war insbesondere als Zusammenschluss junger Menschen bekannt, die aus der Türkei nach Wien kamen, um von günstigen beziehungsweise teilweise gebührenfreien Studienmöglichkeiten an österreichischen Universitäten Gebrauch zu machen.
Während ihres Studiums lebten sie teilweise gemeinsam und organisierten eigene Aktivitäten.
Zunächst waren die Studenten auf verschiedene Wohnungen verteilt.
Später soll ein eigenes Wohngebäude erworben, renoviert und die Struktur institutionell ausgebaut worden sein.
Auch auf der offiziellen Internetseite von ÖNDER war dokumentiert, dass junge Menschen aus Wien zu Veranstaltungen in die Türkei gebracht wurden.
Während seiner Zeit als türkischer Ministerpräsident hatte Recep Tayyip Erdoğan bei Wien-Besuchen die Ausbildungsmöglichkeiten hervorgehoben, die der österreichische Staat diesen Studenten bot.
Öffentlich wurde damals auch berichtet, Erdoğan habe darauf verwiesen, dass die Absolventen nach ihrem Studium später wichtige Aufgaben in der Türkei übernehmen könnten.
Maarif Austria ist als gGmbH organisiert
Die Wiener Maarif-Einrichtung wurde 2024 unter der Bezeichnung Maarif Educational Institutions gGmbH gegründet.
Eine gGmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
Rechtlich handelt es sich um eine GmbH, deren Tätigkeit jedoch gemeinnützigen Zwecken dienen muss.
Eine solche Gesellschaft kann beispielsweise soziale, wissenschaftliche oder karitative Aktivitäten durchführen.
Gewinne dürfen bei Aufrechterhaltung der Gemeinnützigkeit grundsätzlich nicht wie bei einer gewöhnlichen gewinnorientierten GmbH an Gesellschafter ausgeschüttet werden.
Gleichzeitig kann eine gGmbH Rechnungen ausstellen und wirtschaftliche Geschäfte tätigen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann sie zudem steuerliche Begünstigungen beanspruchen.
Das Gebäude gehört einer Luxemburger Maarif-Gesellschaft
Nach den zugrunde liegenden Registerangaben befindet sich das Gebäude der Wiener Maarif-Einrichtung im Eigentum der in Luxemburg ansässigen Maarif Europe S.à r.l.
Die Gesellschaft ist im Luxemburger Handelsregister unter der Nummer B224887 eingetragen.
Das Stammkapital wird mit 512.000 Euro angegeben.
Den vorliegenden Angaben zufolge verfügt die Gesellschaft über vier Geschäftsführer und einen eingetragenen Gesellschafter.
Die Identität dieses Gesellschafters geht aus den herangezogenen öffentlich zugänglichen Informationen nicht eindeutig hervor.
S.à r.l. steht für „Société à responsabilité limitée“ und entspricht im Wesentlichen einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
Die Verantwortung der Gesellschafter ist grundsätzlich auf ihre Einlagen begrenzt.
Da Luxemburg zu den bedeutenden Finanzstandorten der Europäischen Union gehört, wird diese Gesellschaftsform häufig für Holding-, Beteiligungs- und Investitionsstrukturen genutzt.
Die Türkiye Maarif Vakfı selbst wurde 2016 auf Grundlage des Gesetzes Nr. 6721 gegründet und ist befugt, Bildungseinrichtungen im Ausland aufzubauen.
Die Stiftung gibt an, inzwischen auf sechs Kontinenten in 67 Ländern tätig zu sein.
Es gibt Hinweise und öffentliche Einordnungen, wonach Maarif Europe S.à r.l. mit der Türkiye Maarif Vakfı verbunden ist.
Die konkrete Eigentümerstruktur der Luxemburger Gesellschaft ist anhand der bislang herangezogenen öffentlich zugänglichen Angaben jedoch nur begrenzt nachvollziehbar.
Quellen´: Türkische Nationalagentur, Förderentscheidung vom 18. August 2026
BirGün, Mustafa Bildircin, Odatv
Türkiye Maarif Vakfı:
https://turkiyemaarif.org
Maarif Austria:
http://www.maarif.at/
Gesetz Nr. 6721 vom 17. Juni 2016:
https://www.resmigazete.gov.tr/eskiler/2016/06/20160617-7.htm
Die Presse:
https://www.diepresse.com/20575762/ploetzlich-ist-er-im-rampenlicht-was-erdogans-sohn-nach-wien-fuehrt
profil:
https://www.profil.at/oesterreich/fpoe-mehmet-memo-oezay-erdogan-fastenbrechen-wien/403137220
exxpress:
https://exxpress.at/politik/erdogans-sohn-kommt-nach-wien-ramadanfeier-mit-terroristen-verehrer/
Kronen Zeitung:
https://www.krone.at/4064780
Falter:
https://www.falter.at/zeitung/20260217/was-will-erdogans-lieblingssohn-bei-den-austro-tuerken
oe24:
https://www.oe24.at/oesterreich/politik/ramadan-erdoan-sohn-zum-fastenbrechen-in-wien/669790909
.
Quellen
Maarif Austria:
www.maarif.at
Offizielle Informationen der Türkiye Maarif Vakfı:
https://turkiyemaarif.org
Gesetzliche Grundlage – Gesetz Nr. 6721 vom 17. Juni 2016:
https://www.resmigazete.gov.tr/eskiler/2016/06/20160617-7.htm
Berichte österreichischer Medien
Die Presse:
https://www.diepresse.com/20575762/ploetzlich-ist-er-im-rampenlicht-was-erdogans-sohn-nach-wien-fuehrt
profil:
https://www.profil.at/oesterreich/fpoe-mehmet-memo-oezay-erdogan-fastenbrechen-wien/403137220
Kronen Zeitung:
https://www.krone.at/4064780
exxpress:
https://exxpress.at/politik/erdogans-sohn-kommt-nach-wien-ramadanfeier-mit-terroristen-verehrer/
Falter:
https://www.falter.at/zeitung/20260217/was-will-erdogans-lieblingssohn-bei-den-austro-tuerken
oe24:
https://www.oe24.at/oesterreich/politik/ramadan-erdoan-sohn-zum-fastenbrechen-in-wien/669790909





