Heinrich Krippel -Atatürks Wiener Bildhauer ohne Grab in Wien:
Leider verkauft!
von Birol Kilic, Wien, 23.10.2024
Dieser Beitrag widmet sich dem österreichischen Bildhauer Heinrich Krippel, einem außergewöhnlich produktiven Wiener Künstler. Seine Werke machten ihn nicht nur in Wien, Niederösterreich, Griechenland und Italien bekannt, sondern vor allem in der Türkei. Zwischen 1926 und 1937 schuf er insgesamt acht monumentale Atatürk-Denkmäler für Istanbul, Ankara (drei Werke), Samsun, Konya (zwei Werke) und Afyon (zwei Werke). Alle diese Monumente wurden in Wien gefertigt und zählen bis heute zu den bedeutendsten künstlerischen Darstellungen des Gründers der modernen säkularen Republik Türkei.
Die acht monumentalen Werke, die im Folgenden auch bildlich vorgestellt werden, entstanden unter Einsatz der damals modernsten technischen Möglichkeiten in Krippels eigenem Atelier in der Auhofstraße 127 im 13. Wiener Gemeindebezirk. Warum aber wurde gerade der Wiener Heinrich Krippel in der jungen Republik Türkei derart geschätzt, respektiert und mit bedeutenden Aufträgen betraut?
Die Antwort liegt zweifellos in Mustafa Kemal Atatürks großer Wertschätzung für Kunst, Wissenschaft, Fachkompetenz und die moderne europäische Zivilisation. Krippel war nicht der einzige Österreicher, der am Aufbau der modernen Türkei mitwirkte und dort willkommen geheißen wurde.
Zahlreiche Fachkräfte aus Österreich und den Ländern der ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie kamen damals als Experten, Wissenschaftler, Architekten, Ingenieure oder auch als politisch Verfolgte in die Türkei. Sie leisteten wichtige Beiträge zum Aufbau des jungen Staates. Ihnen allen gebührt großer Respekt. Doch kaum jemand war mit seinem künstlerischen Werk so eng mit der Person Atatürks verbunden wie Heinrich Krippel (1883–1945).

Die Spuren seines Schaffens sind in der Türkei bis heute unübersehbar. Jahr für Jahr bewundern Millionen Menschen die von ihm geschaffenen Atatürk-Denkmäler. Auf nahezu jedem Werk findet sich seine charakteristische Signatur – meist auf der rechten oder linken Seite des Sockels – mit dem Namen oder den Initialen des Künstlers.
Als Wiener mit türkischen Wurzeln, der seit mehr als drei Jahrzehnten in dieser Stadt lebt, darf man darauf durchaus stolz sein.
Auch in Österreich wurden Krippels Erfolge in der Türkei bereits zu Lebzeiten wahrgenommen. Die Wiener Zeitung „Die Stunde“ berichtete am 9. Oktober 1931:
„Wir haben da ein paar Spezialitäten in Wien, richtige österreichische Sololeistungen, die uns anscheinend niemand oder fast niemand nachmachen kann. […] In den letzten Wochen hat Kemal Pascha ein Denkmal von den Vereinigten Metallwerken bekommen – und jetzt ist man eben dabei, dieses zu verladen. Das ist gar keine Kleinigkeit, denn dieser Kemal Pascha hoch zu Roß, der in Wien entstanden ist, wird gut seine sechs Meter hoch sein und an die neun Tonnen wiegen.“
Im Buch „Von Türken und Wienern“ beschreibt Elmar Samtiger die engen kulturellen Verbindungen zwischen Österreich und der Türkei. Künstler und Handwerker aus Wien verewigten Mustafa Kemal nicht nur in Form monumentaler Reiterstandbilder. Auch Wiener Medailleure arbeiteten für die junge Republik.
So entwarf der Wiener Bildhauer Josef Tautenhayn jun. eine Gedenkmedaille zur Enthüllung des Reiterstandbildes Mustafa Kemals in Ankara. Eine vom Bildhauer Hans Hanisch-Concée gestaltete Porträtmedaille gefiel dem Staatsgründer außerordentlich. Sie wurde zur ersten Präsidentenmedaille der Republik Türkei. Mustafa Kemal saß dem Künstler persönlich Modell und fügte eigenhändig seine Unterschrift in die Wachsvorlage ein. Die Medaille wurde anschließend im Wiener Hauptmünzamt in einer Auflage von 3.000 Stück geprägt.
Zur gleichen Zeit wurde auch der Tiroler Architekt Clemens Holzmeister nach Ankara berufen. Ab 1927 gestaltete er wesentliche Teile des neuen Regierungsviertels der türkischen Hauptstadt. Es entstanden zahlreiche Ministerien, Verwaltungsgebäude, die Militärakademie, die Zentralbank sowie später der Amtssitz des Staatspräsidenten.
Mustafa Kemal schätzte Holzmeisters klare und monumentale Architektursprache. Er wünschte ausdrücklich, dass für die Innenausstattung Wiener Firmen herangezogen werden sollten. Dadurch entstanden enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen Wien und Ankara.
Auch zahlreiche weitere österreichische Künstler und Handwerker wirkten an diesem historischen Aufbauprojekt mit. Der Bildhauer Anton Hanak, Josef Thorak, die Keramikerin Gudrun Baudisch, der Maler Franz Zülow sowie zahlreiche Ingenieure, Baumeister und Kunsthandwerker hinterließen ihre Spuren in der jungen Republik.
Das Neue Wiener Journal schrieb am 29. November 1930:
„Mit der ihm eigenen Großzügigkeit hat Kemal Pascha Hunderte Ingenieure, Handwerker und Ökonomen aus Österreich und Deutschland in die neue Hauptstadt berufen, die er völlig europäisieren will. […] Es sind Österreicher, die in Kleinasien die neue Regierungsstadt Kemal Paschas bauen.“
Die Wertschätzung Mustafa Kemals gegenüber österreichischen Künstlern und Fachkräften hatte auch historische Gründe. Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich waren im Ersten Weltkrieg Verbündete gewesen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1938 verlor Clemens Holzmeister seine Position in Wien und emigrierte erneut in die Türkei. Dort setzte er seine erfolgreiche Tätigkeit fort und erhielt später den prestigeträchtigen Auftrag zum Bau des türkischen Parlamentsgebäudes in Ankara.
Heute erinnert in Ankara eine Straße an Clemens Holzmeister. Im Jahr 2017 wurde ihm zudem im Garten des türkischen Parlaments ein Denkmal errichtet.
Gerade deshalb möchte die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Republik Türkei ihren Respekt und ihre Dankbarkeit gegenüber Heinrich Krippel zum Ausdruck bringen. Unser Ziel ist es, an jener Stelle, an der sich bis zum Jahr 2015 sein Grab befand, erneut ein würdiges Grabmal zu errichten.
Das ursprüngliche Grab wurde leider aufgelassen und verkauft.
Die Wiedererrichtung wäre nicht nur eine Würdigung eines bedeutenden österreichischen Künstlers, sondern zugleich ein Symbol der Freundschaft zwischen Österreich und der Türkei. Sie würde daran erinnern, wie wertvoll der internationale Austausch von Wissen, Kunst und Fachkompetenz für die Entwicklung moderner Gesellschaften sein kann.
In Kürze wird zudem ein Buch erscheinen, das Leben und Werk Heinrich Krippels ausführlich dokumentiert. Dieses Werk soll auch kostenlos als PDF der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.
Abschließend möchten wir einem Wort Mustafa Kemal Atatürks Raum geben:
„Meine Herren! Sie können Abgeordnete, Minister, sogar Staatspräsidenten werden. Künstler aber können Sie nicht werden. Darum müssen wir jene lieben und achten, die ihr Leben einer großen Kunst widmen.“
(Mustafa Kemal Atatürk, 1923)

Auf ihrer 20. Generalkonferenz im Jahr 1978 nahm die UNESCO den 100. Geburtstag von Gazi Mustafa Kemal Atatürk in ihr Programm der Gedenk- und Jubiläumsjahre auf. Damit wurde die Türkei erstmals mit einem nationalen Jubiläum in dieses internationale Erinnerungsprogramm aufgenommen.
Die UNESCO begründete die Ausrufung des Jahres 1981 als internationales Atatürk-Gedenkjahr mit folgenden Worten:
„Atatürk ist eine herausragende Persönlichkeit, die sich für internationale Verständigung, Zusammenarbeit und Frieden einsetzte; ein Reformer, der Neuerungen in den Zuständigkeitsbereichen der UNESCO einführte; einer der ersten Staatsmänner, der gegen Kolonialismus und Expansionismus kämpfte; ein einzigartiger Gründer der Türkischen Republik, der die Menschenrechte achtete, die Völker zur Verständigung und die Staaten zum Weltfrieden ermutigte und der zeitlebens keine Unterschiede zwischen Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Religion oder Herkunft machte.“

Erlauben Sie mir daher, einen großen Sohn der Republik Österreich vorzustellen: Heinrich Krippel (1883–1945), den Wiener Bildhauer Mustafa Kemal Atatürks. Im Mittelpunkt dieses Essays stehen sein künstlerisches Schaffen, seine Bedeutung für die moderne Türkei sowie sein heute nicht mehr existierendes beziehungsweise verkauftes Grab auf dem St. Ober Veiter Friedhof im 13. Wiener Gemeindebezirk. Dabei werden türkische und deutschsprachige Quellen ebenso berücksichtigt wie eigene Beobachtungen, Analysen und Erzählungen.
Nachdem das Grab Heinrich Krippels im Jahr 2015 aufgelassen und verkauft worden war – da keine direkten Nachkommen mehr existierten, die die laufenden Grabkosten übernehmen konnten –, entschlossen sich die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) , Neue Welt Verlag ( Wien) sowie einige Unternehmerinnen, Unternehmer anlässlich des 100. Jahrestages der Republik Türkei ein Zeichen der Erinnerung zu setzen.
Geplant war die Wiedererrichtung eines Grabmals an jener Stelle, an der sich einst die letzte Ruhestätte des Künstlers befand. Damit sollte jenem Mann gedacht werden, der zwischen 1926 und 1937 in seinem Atelier in der Auhofstraße 127 in Wien-Hietzing acht der bedeutendsten Atatürk-Denkmäler schuf. Diese Monumente prägen bis heute das öffentliche Bild Atatürks in der Türkei und werden jährlich von Millionen Menschen gesehen.
Mit der Wiedererrichtung des Grabes sollte nicht nur das Andenken an einen außergewöhnlichen österreichischen Künstler bewahrt werden. Das Projekt verstand sich zugleich als Symbol der kulturellen Verbundenheit zwischen Österreich und der Türkei sowie als Erinnerung daran, welchen Beitrag Kunst, Wissen und internationale Zusammenarbeit zum Aufbau moderner Gesellschaften leisten können.
Ironie der Geschichte
Besonders bemerkenswert ist eine historische Ironie: Auf dem Friedhof Ober St. Veit befindet sich bis heute ein von Heinrich Krippel geschaffenes Grabdenkmal aus dem Jahr 1944 für einen Verstorbenen. Das Werk des Künstlers hat die Zeit überdauert und ist noch immer erhalten.
Das eigene Grab Heinrich Krippels hingegen existiert nicht mehr.
Während sein Name auf zahlreichen Monumenten in der Türkei weiterlebt und Millionen Menschen seine Werke bewundern, verschwand seine letzte Ruhestätte ausgerechnet in jener Stadt, in der er geboren wurde, arbeitete und starb.

Dezember 2022

Heinrich Krippel ( 1883-1945)
Ein Besucher aus Samsun und das verschwundene Grab Heinrich Krippels
Im Dezember 2022 reiste der Rechtsanwalt Tufan Akçagöz aus Samsun nach Wien. Sein Ziel war es, das Grab Heinrich Krippels zu besuchen – jenes österreichischen Bildhauers, dessen monumentales Atatürk-Denkmal seit beinahe einem Jahrhundert das Stadtbild von Samsun prägt und der dort bis heute große Bekanntheit genießt.
Zu seiner Überraschung musste er jedoch feststellen, dass es in Wien weder eine Gedenkstätte noch einen Grabstein und nicht einmal einen Hinweis auf die letzte Ruhestätte des Künstlers gab. Das Grab Heinrich Krippels auf dem Friedhof Ober St. Veit war bereits Jahre zuvor aufgelassen worden.
Seine Enttäuschung brachte Tufan Akçagöz öffentlich über soziale Medien zum Ausdruck. Dadurch wurde auch ich als Herausgeber, Verleger und Vorsitzender der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich (TKG Think Tank) auf diesen Umstand aufmerksam. Unmittelbar danach nahm ich Kontakt mit ihm auf.
Als in Istanbul-Şişli geborener Österreicher mit türkischen Wurzeln habe ich sowohl in der Türkei als auch in Österreich gelernt, welch besondere Bedeutung Friedhöfe für die Erinnerungskultur einer Gesellschaft besitzen.
Das Wort „Friedhof“ mag bei vielen Menschen Trauer oder Vergänglichkeit hervorrufen. Doch Friedhöfe sind weit mehr als Orte des Abschieds. Sie sind lebendige Zeugnisse der Geschichte. Sie dokumentieren Herkunft, Zugehörigkeit und Erinnerung. Sie verbinden Vergangenheit und Gegenwart und bewahren die Spuren jener Menschen, die eine Gesellschaft geprägt haben.
In diesem Sinne sind Friedhöfe kulturelle Archive unter freiem Himmel. Sie erzählen Geschichten von Menschen, Familien und Gemeinschaften. Wer die Friedhöfe einer Stadt besucht, begegnet oft ihrer Geschichte unmittelbarer als in manchem Museum.
Gerade deshalb sollte Heinrich Krippel, dessen Werke bis heute in der Türkei verehrt werden, auch in Wien wieder sichtbar werden. Es erscheint angemessen, ihm an jener Stelle auf dem Friedhof Ober St. Veit, an der sich einst seine Grabstätte befand, erneut eine würdige Ruhestätte zu schaffen.
Atatürk und die Wertschätzung der Kunst
„Meine Herren! Sie können Abgeordnete, Minister, ja sogar Staatspräsidenten werden. Künstler aber können Sie nicht werden. Deshalb müssen wir jene lieben und achten, die ihr Leben einer großen Kunst widmen.“
(Mustafa Kemal Atatürk, 1923)
Diese Worte des Gründers der Republik Türkei verdeutlichen die hohe Wertschätzung, die Mustafa Kemal Atatürk der Kunst und den Künstlern entgegenbrachte. Sie erklären zugleich, weshalb Künstler, Architekten, Wissenschaftler und Fachleute aus vielen europäischen Ländern in der jungen Republik willkommen waren und dort bedeutende Aufgaben übernehmen konnten.
Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Republik Türkei möchte ich daher an jene österreichischen Persönlichkeiten erinnern, die den Aufbau des modernen türkischen Staates mit ihrem Wissen, ihrem Können und ihrer Kreativität unterstützten.
Zu ihnen gehörten Architekten, Ingenieure, Wissenschaftler und Künstler, deren Leistungen bis heute sichtbar sind.
Einer von ihnen war Heinrich Krippel.
Er wurde zum Bildhauer Atatürks, schuf einige der bekanntesten Monumente der Republik und hinterließ damit ein bleibendes künstlerisches Erbe in der Türkei.
Mit diesem Essay möchte ich Leben, Werk und Bedeutung dieses außergewöhnlichen Wieners näher vorstellen und zugleich an einen Künstler erinnern, dessen Name in der Türkei bis heute lebendig geblieben ist, dessen Grab in seiner Heimatstadt Wien jedoch lange Zeit verschwunden war.

Österreich: Heimat großer Töchter und Söhne
Die schönsten Friedhöfe der Welt findet man zweifellos in Wien. Dafür gebührt der Stadt Wien großer Dank. Nicht umsonst lauten die ersten Zeilen der Bundeshymne der Republik Österreich:
„Land der Berge, Land am Strome,
Land der Äcker, Land der Dome,
Land der Hämmer, zukunftsreich,
Heimat großer Töchter und Söhne …“
Diese Worte beschreiben nicht nur die landschaftliche Schönheit Österreichs, sondern auch den Respekt vor jenen Menschen, die durch ihr Wirken die Geschichte und Kultur des Landes geprägt haben.
2015 verkauft
Wie das türkische Nachrichtenportal Samsunsonhaber.com berichtet, befand sich das Grab des österreichischen Künstlers Heinrich Krippel in Wien zuletzt in einem „erbärmlichen und traurigen Zustand“. Da sich keine Angehörigen mehr um die Grabstelle kümmern konnten und auch kein Grabstein mehr vorhanden war, wurde die Grabstätte, in der Heinrich Krippel seit seinem Tod im Jahr 1945 ruhte, siebzig Jahre später, im Jahr 2015, aufgelassen und an Dritte vergeben.
Dies erscheint besonders bedauerlich, da Heinrich Krippel nicht nur ein bedeutender österreichischer Künstler war, sondern für viele Menschen in der Türkei bis heute einen hohen ideellen und kulturellen Stellenwert besitzt. Seine monumentalen Atatürk-Denkmäler gehören zu den bekanntesten Kunstwerken der frühen Republik Türkei und werden jedes Jahr von Millionen Menschen gesehen.
Als Reaktion auf diese Berichte hat sich die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG Think Tank) dazu entschlossen, ungeachtet des finanziellen und bürokratischen Aufwandes, aus eigenen Mitteln und ohne öffentliche Förderungen eine neue Grabstätte an derselben Stelle zu erwerben. Dieser Schritt wurde bereits umgesetzt.
Damit möchten wir die Dankbarkeit vieler österreichisch-türkischer Bürgerinnen und Bürger sowie zahlreicher Menschen in der Republik Türkei gegenüber Heinrich Krippel zum Ausdruck bringen. Die Wiedererrichtung seiner letzten Ruhestätte soll zugleich ein Zeichen der Verbundenheit zwischen Österreich und der Türkei sein.
Wir werden an seinem Grab gemeinsam innehalten, beten, seiner gedenken und eine Schweigeminute abhalten. Wir werden diesen großen Sohn Österreichs besuchen, dessen Kunst von Mustafa Kemal Atatürk geschätzt und gefördert wurde.
So soll Heinrich Krippel auch in jener Stadt, in der er geboren wurde, lebte und starb, wieder einen würdigen Platz im öffentlichen Gedächtnis erhalten.
Denn große Künstler sterben nicht mit ihrem Tod. Sie leben in ihren Werken, in der Erinnerung der Menschen und im kulturellen Erbe weiter, das sie hinterlassen haben.
Der große Künstler ohne Grab in Wien – Heinrich Krippel

Neu erworben. Friedhof Ober St. Veit, gleiche Gruppe und Reihe. Heinrich Krippel erhält ein neues Grabmal.

Am 12.12.2022: Neu erworben. Friedhof Ober St. Veit, gleiche Gruppe und Reihe. Heinrich Krippel erhält ein neues Grabmal.
Der Anlass für diese interessante und berührende Aktion ist nicht nur die Wertschätzung dieses großen Künstlers, sondern auch seine eigentlich traurige Geschichte.

Heinrich Krippel und die Republik Türkei
Heinrich Krippel wurde am 27. September 1883 in Wien geboren und zählt zu den bedeutendsten Bildhauern Österreichs des frühen 20. Jahrhunderts. Internationale Bekanntheit erlangte er vor allem als Schöpfer der ersten großen Atatürk-Statuen und Nationaldenkmäler der Republik Türkei.
Seine künstlerische Ausbildung erhielt er an der Akademie der bildenden Künste in Wien im Atelier von Professor Edmund Hellmer. Bereits früh machte er sich insbesondere durch Porträts, Büsten und Grabdenkmäler einen Namen. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Artillerieoffizier der k.u.k. Armee teil.
Im Jahr 1925 folgte Krippel einer Einladung der türkischen Regierung und reiste in die junge Republik Türkei, um monumentale Darstellungen Mustafa Kemal Atatürks zu schaffen. In den folgenden dreizehn Jahren entstand ein bedeutender Teil seines Lebenswerkes. Bis 1938 schuf er zahlreiche Porträts, Büsten und monumentale Denkmäler Atatürks, die bis heute das öffentliche Erscheinungsbild vieler türkischer Städte prägen.
Mit seinen Werken wurde Heinrich Krippel zu einem der wichtigsten künstlerischen Wegbereiter der staatlichen Denkmalkultur der Republik Türkei. Seine Monumente prägten nicht nur die visuelle Darstellung Atatürks, sondern beeinflussten nachhaltig die Entwicklung der öffentlichen Bildhauerkunst und Erinnerungskultur in der modernen Türkei.

Atatürk nahm den Künstler während seiner Aufenthalte in der Türkei mehrfach in seiner Residenz auf und stand für zahlreiche Skulpturen persönlich Modell. Heinrich Krippel fertigte vor Ort die Vorstudien, Skizzen und Entwürfe für die späteren Monumente an.
Die auf Grundlage dieser Entwürfe entstandenen Modelle wurden anschließend in seinem Atelier in der Auhofstraße 127 im 13. Wiener Gemeindebezirk ausgearbeitet. Der Bronzeguss erfolgte in den Vereinigten Metallwerken in Wien. Die monumentalen Skulpturen wurden danach in mehreren Einzelteilen unter erheblichem logistischem Aufwand in die Türkei transportiert und dort wieder zusammengesetzt.
Bevor Krippel endgültig nach Wien zurückkehrte, verwirklichte er noch eine von dem deutschen Architekten Martin Elsaesser entworfene steinerne Atatürk-Statue im Gebäude der Sümerbank im Ankaraer Stadtteil Ulus.
Im Jahr 1938 kehrte Heinrich Krippel nach Wien zurück. Er hoffte, eines Tages wieder in die Türkei reisen und dort weitere Projekte verwirklichen zu können. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges machte diese Pläne jedoch zunichte. Nach einer Magenoperation verstarb Heinrich Krippel am 5. April 1945 in Wien.


1934: „Aber in Kleinasien, in der Türkei, spricht fast jedes Kind…“

Der österreichische Erzähler, Dramatiker, Lyriker und Arzt Friedrich Wallisch beschrieb die besondere Stellung Heinrich Krippels bereits im Jahr 1934 in seinem Beitrag „Der Bildhauer Heinrich Krippel“ mit bemerkenswerten Worten:
„Wir schreiben das Jahr 1934, und in Wien lebt einer der erfolgreichsten Bildhauer unserer Zeit. Er hat in Österreich viel geschaffen, und bei den Wettbewerben, an denen er teilgenommen hat, ist er selten ohne Anerkennung und Preis geblieben. Dennoch kennen nur wenige von uns seinen Namen.
Aber in Kleinasien, in der Türkei, spricht fast jedes Kind, jeder Rekrut, jeder Lastenträger von ihm als dem Bildhauer Atatürks.
Ein Einzelgänger hat es manchmal schwerer als andere, weil niemand da ist, der ihm die Hälfte der Arbeit im Kampf um Anerkennung abnimmt. Der Einzelgänger findet die öffentliche Meinung nicht mit Pflug und Egge zum Säen bereit. Er ist auf sich allein gestellt, er trägt die ganze Last der künstlerischen Verantwortung allein.
Aber findet man nicht gerade unter den Einzelgängern die Besten?“
(Friedrich Wallisch, „Der Bildhauer Heinrich Krippel“, 1934)

Kunst und Werke Heinrich Krippels in der Türkei
Mustafa Kemal Atatürk war nicht nur ein erfolgreicher Feldherr und Staatsgründer, sondern auch ein Politiker, der die verbindende Kraft von Kunst und Kultur erkannte und förderte. Er war überzeugt, dass Kunst einen wesentlichen Beitrag zur Modernisierung einer Gesellschaft leisten kann.
Aus diesem Grund sollten monumentale Skulpturen und Denkmäler sowohl den Türkischen Unabhängigkeitskrieg als auch die Reformen der jungen Republik symbolisieren und zugleich den neu entstehenden Städten der Türkei ein modernes und zeitgemäßes Erscheinungsbild verleihen.
Atatürk betrachtete die Bildhauerkunst als Ausdruck von Fortschritt, Aufklärung und Zivilisation. Die öffentliche Präsenz von Skulpturen sollte daher ein sichtbares Zeichen des kulturellen und gesellschaftlichen Wandels sein, den die Republik seit ihrer Gründung im Jahr 1923 anstrebte.
Das zentrale Motiv der Denkmäler aus der republikanischen und säkularen Gründungsphase war folglich Mustafa Kemal Atatürk selbst. Als Oberbefehlshaber des Unabhängigkeitskrieges und Gründer der Republik verkörperte er jene Werte, die mit dem Aufbau des modernen türkischen Staates verbunden wurden.
Daher zeigen die meisten zwischen 1926 und 1938 in zahlreichen Städten der Türkei errichteten Monumente Atatürk in Form von Statuen, Reiterdenkmälern, Büsten oder Reliefdarstellungen. Viele dieser Werke stammen aus der Hand Heinrich Krippels und gehören heute zu den bekanntesten Beispielen der frühen republikanischen Denkmalkunst.
Atatürks Wertschätzung für Kunst und Künstlerinnen und Künstler kommt in zahlreichen Äußerungen zum Ausdruck. Besonders bekannt sind folgende Worte:
„Ein Künstler ist der erste Mensch in der Gesellschaft, der nach langer Arbeit und Mühe das Licht auf seiner Stirn trägt.“
„Eine Nation ohne Kunst und Künstler kann kein erfülltes und lebendiges Dasein führen.“
Diese Aussagen verdeutlichen die besondere Stellung, welche Kunst und Kultur im Denken Atatürks einnahmen. Sie erklären zugleich, weshalb Künstler wie Heinrich Krippel in der jungen Republik Türkei eine so bedeutende Rolle spielen konnten.

Auf diese Weise wollte Atatürk die Skulptur als Zeichen der Zivilisation in die Gesellschaft integrieren. Das prominenteste Symbol der Denkmäler aus der laizistisch-republikanischen Epoche ist Atatürk aufgrund seiner Rolle bei der Planung und dem Sieg im Unabhängigkeitskrieg gegen die Besatzungsmächte und seines staatsmännischen Beitrags zur Gründung der modernen laizistischen Republik.
Aus diesem Grund bestehen die meisten Denkmäler, die zwischen 1926 und 1938 in verschiedenen Städten der Türkei errichtet wurden, aus Skulpturen und Reliefs, die Atatürk darstellen.
Atatürks Bewunderung der bildenden Künste und deren KünstlerInnen zeigt sich insbesondere anhand folgender Zitate:
„Ein Künstler ist der erste Mensch in der Gesellschaft, der nach langer Arbeit und Mühe die Freude des Lichts auf seiner Stirn spürt“.
„Ein Volk ohne Kunst und Künstler kann kein erfülltes Leben haben“.
Istanbul-Sarayburnu Atatürk Denkmal von Heinrich Krippel (3. Oktober 1926)

Istanbul – Das Sarayburnu-Atatürk-Denkmal (3. Oktober 1926)
Mit dem Atatürk-Denkmal in Sarayburnu schuf Heinrich Krippel das erste monumentale Atatürk-Denkmal der Republik Türkei. Das Werk wurde am 3. Oktober 1926 feierlich enthüllt und markiert den Beginn einer Reihe von Denkmälern, die Krippel in den folgenden Jahren für verschiedene Städte der Türkei schuf.
Das Denkmal zeigt Atatürk in westlicher Kleidung als Staatsmann der jungen Republik. Es symbolisiert den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Wandel, den die Türkei nach dem Ende des Osmanischen Reiches durchlief. Gleichzeitig gilt das Monument als eines der wichtigsten Zeugnisse der frühen republikanischen Denkmalkunst und als Beginn der engen Zusammenarbeit zwischen Mustafa Kemal Atatürk und dem Wiener Bildhauer Heinrich Krippel.
1926-die erste Atatürk-Statue aus der Türkei

Das erste Atatürk-Denkmal der Republik Türkei von Krippel im Jahr 1926
Das erste Atatürk-Denkmal der Republik Türkei von Krippel 1926
Die Tatsache, dass die in der damaligen Türkei ausgebildeten türkischen Bildhauer noch nicht über die technischen Mittel zur Herstellung von Denkmälern verfügten, führte dazu, dass die ersten Denkmäler, die zur Zeit Atatürks errichtet wurden, von ausländischen Künstlern geschaffen wurden. Die ersten Denkmalbildhauer, türkische Künstler, die nach dieser Gruppe ausgebildet wurden, schufen trotz der technischen Unmöglichkeiten, mit denen sie konfrontiert waren, Denkmäler, die ihre gemeinsamen Gefühle und Gedanken widerspiegelten. Am 3. Oktober 1926 wurde die Bronzestatue Atatürks in Sarayburnu, Istanbul, von dem österreichischen Bildhauer Heinrich Krippel errichtet. Es war das erste Denkmal der Republik.
Es war der erste Schritt zur Visualisierung säkular-demokratisch-republikanischer Ideen und Ideologien. Gerade nach dem Zerfall des großen Osmanischen Reiches sollte das geplante Denkmal Entschlossenheit und Selbstbewusstsein für die moderne türkische Republik ausstrahlen. Es wurde von der Stadt Istanbul errichtet.
1926 wurde auf dem Sarayburnu-Hügel in Istanbul das erste Atatürk-Denkmal der Republik Türkei von Krippel eingeweiht, das den Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk als starken politischen Führer in Zivil zeigt.
Mit der Sarayburnu-Statue in Istanbul (1926) etablierte Krippel das Modell des „zivilen Atatürk“. Diese Darstellung löste zwar zunächst Kontroversen aus, verhinderte aber nicht, dass diese Visualisierung Eingang in die türkische Erinnerungskultur fand. Sie vermittelt ein Bild Atatürks, wie er es auch in der Öffentlichkeit häufig dargestellt hat: ein Elitepolitiker, der sich äußerlich in nichts von den politischen Repräsentanten westlicher Demokratien unterschied.
Krippels Atatürk-Denkmal in der Stadt Konya (29. Oktober 1926)

Das Atatürk-Denkmal in Konya ist nach dem Atatürk-Denkmal in Sarayburnu das zweite Denkmal der Republik Türkei. Das von dem österreichischen Bildhauer Heinrich Krippel 1926 in Auftrag gegebene Denkmal, wurde auf dem Regierungsplatz an der Konya Istasyon Straße aufgestellt. Die Idee, ein Atatürk-Denkmal zu errichten, kam erstmals aus Konya, der Bürgermeister Kazım Bey erhielt von Atatürk die Erlaubnis, die Statue aufzustellen.
Vorgeschichte
Nachdem der Stadtrat von Konya 1924 beschlossen hatte, ein Denkmal für Mustafa Kemal Atatürk zu errichten, entschied man sich für die Istasyon-Straße im Westen der Stadt und für das 1917 von dem Architekten Muzaffer Bey als Landwirtschaftsdenkmal errichtete Konya Ziraat-Denkmal. Das von Heinrich Krippel, dem Bildhauer des Siegesdenkmals in Ankara, errichtete Atatürk-Denkmal in Konya wurde am 29. Oktober 1926, dem Tag der Republik, feierlich eingeweiht.

Besonderheiten
Auf dem Denkmal steht Atatürk in seiner Marschalluniform mit dem rechten Fuß nach vorne, die linke Hand am Griff seines Schwertes, die rechte Hand nach vorne gestreckt, während zu seinen Füßen eine Weizengarbe emporragt. Die Spitze symbolisiert hier die nationale freiheitliche laizistische republikanische Entwicklung und die anatolische Aufklärung.
Das Ziraat-Denkmal, das als Sockel für die Statue diente, wurde auf einer Plattform in einem achteckigen Becken errichtet. An den Ecken befinden sich kleine Wasserbecken auf der Höhe der ersten Stufe der Plattform.
Das Siegesdenkmal von Krippel in Ankara (24. November 1927)

Das Siegesdenkmal wurde auf dem Ulus-Platz unter der Leitung des Zeitungsbesitzers Yunus Nadi Bey von der „Yeni Gün Zeitung“ mit finanziellen Beiträgen der Bevölkerung und ohne Mittel aus der Staatskasse errichtet und sollte an die Helden des türkischen Unabhängigkeitskrieges erinnern.
Für die Errichtung des Denkmals wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, aus den eingereichten Entwürfen wurde der von Heinrich Krippels ausgewählt. Ursprünglich sollte Atatürk als Präsident in Zivil auf einem Podest dargestellt werden, später änderte man die Idee und stellte Gazi Mustafa Kemal in Marschallsuniform auf seinem Pferd Sakarya in Bronze dar. Die Ausführung erfolgte wiederum in Wien.
Auf dem Sockel des Denkmals befinden sich zwei Mehmetçik-Figuren (Soldaten), von denen die eine den Freund zum Verteidigungskrieg gegen den eindringenden Feind aufruft und die andere den Feind beobachtet, sowie die Figur einer türkischen Frau mit einer Schussverletzung am Rücken. Diese Figuren symbolisieren die nationale Einheit und Solidarität des Volkes während des Unabhängigkeitskrieges.
Geschichte
Die Skulptur ist das größte Werk des Künstlers, das in der Türkei in Auftrag gegeben wurde.

Das auch als „Yenigün“ bekannte Denkmal diente bis zum Bau des Anıtkabir als inoffizielles Symbol Ankaras, in dem Staatszeremonien abgehalten wurden.
Besonderheiten

Das Denkmal zeigt Atatürk in Soldatenuniform auf seinem Pferd „Sakarya“, benannt nach dem Ort der siegreichen Schlacht. Der Oberbefehlshaber ist nicht in der traditionellen Pose des angreifenden Soldaten zu Pferd dargestellt, sondern als visionärer Führer.
Die vier Inschriften auf dem Sockel, die das Denkmal erklären, erinnern an die militärischen und politischen Bedingungen, die zur Gründung der modernen säkularen Republik Türkei führten. Der Gürtel, der den Sockel dreht, zitiert den Aphorismus Atatürks:
„Die türkischen BürgerInnen finden den Weg, der ihre siegreiche Unabhängigkeit und ihre enormen modernen Revolutionen am besten ausdrücken kann, mit dem bedeutungsvollsten Symbol im obigen realen Beispiel. Gazi Mustafa Kemal vom Oberbefehlshaber“.
Auf der Vorderseite des Sockels befindet sich eine Zeile, auf die Atatürk geantwortet hat und die Namık Kemals Elegie an das Vaterland gewidmet ist:
„Natürlich wird er gefunden werden, er wird sein Unglück retten“;
Rechts: „Indem wir im Namen des Heiligtums des Vaterlandes die feindliche Armee ertränken, werden wir ein Segen und eine Unabhängigkeit sein. 6. August 1919“; Links: „Der Haupthof des Feindes ist zerstört. Armeen, Ihr erstes Ziel ist das Mittelmeer. 1. September 1922“.
Krippels Atatürk Denkmal in Samsun (15. Januar 1931)

Das Denkmal steht im Atatürk-Park im Stadtteil Ilkadım von Samsun und ist zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Es wurde an der Stelle errichtet, an der Mustafa Kemal in Samsun an Land ging und symbolisiert den Beginn des Unabhängigkeitskrieges der Republik Türkei. Das Denkmal wurde am 15. Januar 1932 eingeweiht und ist damit das dreizehnte Denkmal in der Geschichte der Republik und das vierte Denkmal von Heinrich Krippel in der Türkei.

Die Statue zeigt Mustafa Kemal in Feldmarschalluniform, wie er auf einem sich aufbäumenden Pferd die Schlacht befehligt. Mit dem Oberkörper nach links und dem Gesicht nach rechts gewandt, hält Mustafa Kemal mit der linken Hand die Zügel des Pferdes, während er mit der rechten Hand den Griff seines Schwertes umfasst und fest im Sattel sitzt. Die Statue ruht mit den Hinterbeinen und dem Schweif des Pferdes auf dem Sockel. Diese ausbalancierte Haltung des Pferdes verstärkt die Beweglichkeit der Statue. Das Bemühen Mustafa Kemals, die Zügel des Pferdes festzuhalten und das nach Unabhängigkeit strebende Volk zur Ruhe zu rufen, sowie seine Beherrschung der Zügel spiegeln seine Kraft und sein Geschick wider. In seiner Eröffnungsrede beschrieb Krippel die Skulpturenkomposition wie folgt: „Gazi Mustafa Kemal sitzt aufrecht auf dem springenden Pferd und blickt mit entschlossenem Blick stolz nach Westen und in die Ferne. In dieser Haltung liegt Furchtlosigkeit, er, der nach dem Schwert greift, hält die Macht des Türkentums in seinen Armen“.
Das Bronzerelief auf dem Sockel zeigt Mustafa Kemal in Marschallskleidung, nach links blickend, die Arme zu beiden Seiten ausgebreitet und in aufrechter Haltung. Rechts und links ist die türkische Nation mit sich an den Händen haltenden und knienden Figuren dargestellt. Diese Darstellung, die in keinem anderen Denkmal Atatürks zu finden ist, verstärkt die Betonung des „einen Mannes“. Das linke Relief zeigt ein Boot, das in einer gleichförmigen Nische liegt, und die Personen, die die Munition in das Boot tragen. Der erste Satz der Inschrift auf der Vorderseite des Sockels lautet: „Ghazi ging am 19. Mai 1335=1919 nach Samsun, um den nationalen Kampf im Vaterland zu beginnen“, und auf der Rückseite heißt es: „Diese Statue wurde am 29. Januar 1931 vom Volk der Provinz Samsun errichtet“.

Idee, Konstruktion und Nähprozess
Die Idee, in Samsun ein Denkmal für Mustafa Kemal zu errichten, stammt von Kazım Pasha, dem damaligen Gouverneur von Samsun.
Krippel orientierte sich bei den Körpermaßen und der Gesichtskomposition an seinen früheren Arbeiten, die er bei einem Besuch Mustafa Kemals in dessen Residenz in Ankara abgenommen hatte. Der Bronzeguss der Statue begann 1928 in der Gießerei der Vereinigten Metallwerke in Wien und wurde 1931 in 32 Teilen fertiggestellt. Nach dem Guss wurde das Denkmal in der Gießerei zur Reinigung und Retusche zusammengebaut und nach Abschluss dieser Arbeiten wieder in seine Einzelteile zerlegt und jedes Teil einzeln verpackt.

Heinrich Krippels Rede in Samsun-10.01.1922
Am 10. Januar 1922 hielt Heinrich Krippel in Samsun eine Ansprache. Danach wurde die Zeremonie mit dem Vorbeimarsch der berittenen Garde fortgesetzt und endete mit der Aufnahmezeremonie in den Provinzialrat. Am Abend desselben Tages wurde zu Ehren von Heinrich Krippel und Mehmet Salim Bey ein Abendessen gegeben und eine zusätzliche Zahlung von 5.500 USD (87.355 USD bei einer Inflationsrate von 2022) an Krippel geleistet.

An der Einweihung des Denkmals, nahmen eine Militärkapelle, ein Militärkommando, die Ordnungshüter der Stadt, Vereine und offizielle Institutionen, Politiker, die örtliche Bevölkerung und die umliegende Gemeinde teil. Nachdem die Kapelle die türkische Nationalhymne gespielt hatte, wurden Telegramme des Staatspräsidenten Mustafa Kemal und des Ministerpräsidenten Ismet Pascha verlesen. In diesen bedankten sie sich noch einmal ausdrücklich für die Statue, welche ein wichtiges Zeichen für die Heimatliebe der TürkInnen sei.

Das fertige Atatürk-Denkmal für Samsun in der Montagehalle der Vereinigten Metallwerke in Schwechat.
Das 4,75 Meter hohe Reiterstandbild aus Bronze ist eine der dynamischsten und ausdrucksstärksten Atatürk-Statuen. Laut der Bildhauerin Aylin Tekiner ist die Skulptur äußerst ausgewogen in Bezug auf Beweglichkeit, Spannung und Bewegung.
İsmail Habip Sevük, der in der Cumhuriyet schrieb, kritisierte jedoch in seiner Kolumne vom 19. Mai 1937 das Aufbäumen des Pferdes. Er erklärte, dass, wenn man die Statue von der Vorderseite des Sockels betrachte, nur der Bauch des Pferdes zu sehen sei und das Pferd aus dieser Perspektive eher an eine Zirkusnummer als an Heldentum erinnere. Von der rechten Seite, so Sevük, komme die Statue besser zur Geltung. Von dort könne man Mustafa Kemal, der nach dem Schwert greift und die Zügel hält, deutlich erkennen und er ziehe die Aufmerksamkeit der BetrachterInnen auf sich.

Das große Siegesdenkmal Atatürks von Krippel
in der Stadt Afyonkarahisar (24. März 1936)


Das Siegesdenkmal wurde in Afyonkarahisar zur Erinnerung an die Befreiung der Stadt von der griechischen Besatzung und dem Großen Angriff errichtet. Es wurde zwischen 1934 und 1936 von Heinrich Krippel geschaffen und am 24. März 1936 vom damaligen Ministerpräsidenten Ismet İnönü eingeweiht.
Der Sockel des Denkmals besteht aus einem großen kubischen Stein. Auf ihm stehen zwei Bronzestatuen nackter Männer. Eine Interpretation besagt, dass die stehende Figur die türkische Macht darstellt, die für die volle Unabhängigkeit kämpft, während die liegende Figur den Imperialismus darstellt, der von der türkischen Macht besiegt wurde. Die stehende Statue wurde mit Mustafa Kemal Atatürk verglichen, sowohl wegen der Ähnlichkeit des Gesichts als auch wegen der Rolle, die sie verkörpert.Auf dem hohen kubischen Sockel befinden sich in der Mitte der mit Quadersteinen verkleideten Fassaden Bronzereliefs. Im Vordergrund das nach links gewandte Porträt Atatürks, im Hintergrund die Fahne der in die Stadt einziehenden Soldaten, die von den Bürgern geküsst wird. Auf der einen Seite ist der Moment der Auswertung der letzten Entscheidung von Atatürk, İsmet İnönü und Fevzi Çakmak im Unabhängigkeitskrieg dargestellt, auf der anderen Seite der Moment des Krieges. Das Denkmal wurde von İsmet İnönü eingeweiht und am 6. November 1937 von Atatürk besucht.

Der Sockel, auf dem die Statue steht, ist von Bronzereliefs umgeben, die auf der Vorderseite ein Porträt Atatürks im Profil nach links, einen türkischen Soldaten, der die Fahne küsst, die er auf dem Rücken trägt, den Schlachtplan des Oberbefehlshabers auf der Landkarte und auf der rechten Seite einen Bajonettangriff zeigen.
Die Statuen sind mehr als lebensgroß und ihre Bewegungen sind äußerst lebendig. Der schmerzerfüllte Gesichtsausdruck und der erschöpfte Körper der am Boden liegenden Figur, die den Eindringling symbolisiert, dessen Kopf hilflos herabhängt, deuten auf eine Niederlage hin. Das Gesicht der stehenden Figur ist von Zorn erfüllt. Mit angespannten Muskeln, geschwollenen Adern am Hals, erhobenen Armen, eine Hand zur Faust geballt, die Hände ausgestreckt, als wolle er etwas zerreißen, blickt er auf die unter seinen Füßen liegende Figur herab und zerquetscht sie beinahe.
Mustafa Kemal Atatürk, der das Denkmal bei seinem Besuch in Afyonkarahisar am 6. November 1937 sah, bezeichnete es als „das Denkmal, das den Großen Sieg am besten beschreibt“. Das Große Siegesdenkmal ist das wichtigste Symbol der Stadt, hinter dem von vorne gesehen die Burg von Afyonkarahisar zu sehen ist.
Sitzendes Atatürk-Denkmal von Krippel in Ankara Sümerbank (1938)


Während seiner Aufenthalte in der Türkei war der österreichische Bildhauer auch Gast in der Villa Atatürks, der ihn für seine eigenen Denkmäler modellierte, darunter die Skulptur an der Sümerbank.
Krippels Atatürk-Denkmal ist aus Stein gehauen und zeigt den Staatsgründer Atatürk auf einem thronähnlichen Stuhl hoch über der zentralen Halle sitzend. Atatürk hat seine Arme auf die Lehne des Stuhls gelegt, auf dem er mit untergeschlagenen Beinen sitzt. Sein Blick geht nach rechts.
„Wir glauben und wir handeln“
Die Worte „Wir glauben und wir handeln“ in der Inschrift am Fuß des Denkmals beziehen sich vermutlich auf die Wirtschaftspolitik der kemalistischen Regierung: Unmittelbar nach der Gründung der Republik wollte die kemalistische Regierung die Türkei mit staatlicher Unterstützung durch ein Entwicklungsprogramm modernisieren. Wirtschaftlicher Aufschwung und wirtschaftliche Unabhängigkeit waren für das Atatürk-Regime die Grundlage für die Entwicklung der Republik Türkei. Im ersten Fünfjahresplan (1933-1937) stand die Selbstversorgung mit den drei weißen Wirtschaftsgütern Zucker, Mehl und Baumwolle im Vordergrund. Die 1933 als Holding gegründete Sümerbank, ein staatliches Unternehmen, realisierte als hundertprozentiger Staatsbetrieb die Produktion von Textilwaren. Mit ihren seit 1934 errichteten Fabriken in Kayseri, Bursa, Malatya und vielen anderen Städten symbolisierte die Sümerbank die nationale Industrialisierung. Die progressive Architektur der Sümerbank von Martin Elsässer und die selbstbewusste Atatürk-Figur von Heinrich Krippel sollten das Zukunftspotential der Fabriken zum Ausdruck bringen.
Die Behauptung!
Bornova Gelber Kiosk Atatürk Büste von Krippel

İzmir, die Stadt, in der die erste Atatürk-Büste zerstört wurde.
Im Fall der ersten Atatürk-Büste der Türkei und des Abrissprozesses, der die Landschaft vor dem Sarı Köşk (İİBF-Dekanat) auf dem Campus der Universität Ege beschädigte, wurde eine Untersuchung eingeleitet. Nach der Meldung von Aydınlık Ege kündigten Beamte der Provinzdirektion für Kultur und Tourismus in Izmir eine Untersuchung des Vorfalls an. Im Rahmen der Untersuchung wird die Angelegenheit, die der Abteilung für Kulturerbe vorgelegt wurde, zunächst durch Aktenstudium und gegebenenfalls durch eine Untersuchung vor Ort geprüft. Über die Schadensfeststellung wird von den Behörden ein Bericht erstellt.
Die erste Atatürk-Büste in der Türkei, die am 18. Juni 1926 zum Gedenken an Atatürks Besuch im Gelben Kiosk, der landwirtschaftlichen Bezirksschule von İzmir, errichtet wurde, wurde am 25. Januar von den Teams der Bauabteilung der Ege Universität abgerissen. In einem Gespräch mit Aydınlık Ege nach dem Abriss gaben die Universitätsbeamten zu, Fehler gemacht zu haben. Beim Abriss wurden historische Marmorsäulen beschädigt. Um die Schäden zu verbergen, wurden die eingestürzten Säulen in aller Eile wieder zusammengeklebt.
Der von Gazi Mustafa Kemal besuchte den Gelben Kiosk und die Büste des Bildhauers Krippel:

Mustafa Kemal besuchte das Gelbe Herrenhaus zum ersten Mal am 18. Juni 1926. Zur Erinnerung an diesen Besuch wurde eine Büste (Atatürk) des berühmten österreichischen Bildhauers Heinrich Krippel im Garten des Herrenhauses aufgestellt. Unter dieser Büste ist in türkischer Sprache in arabischer Schrift folgende Inschrift angebracht:
Der große Genius und Vater der Türkei
Der große Berater des türkischen Bauern
Unser Präsident, großer Veteran
Seine Exzellenz Mustafa Kemal Pascha
Ehrungen der Landwirtschaftsschule İzmir
Es ist eine Erinnerung in Dankbarkeit.
Juni 1926
1933 besuchte Mustafa Kemal zweimal die Landwirtschaftsschule in Bornova Numune. Im November desselben Jahres kam eine sowjetische Delegation zu einem offiziellen Besuch in die Türkei, und der Oberbefehlshaber der Roten Armee und Kriegskommissar General Woroschilow schrieb in das Schulheft: „Und für jede Stadt in jedem Land ist dies eine Schule, auf die man stolz sein kann. Ich wünsche ihren Schülern und Lehrern Glück und Erfolg“.
Im Juni 1934 besuchte Mustafa Kemal in Begleitung des iranischen Schahs Rıza Pahlavi, des Vizepräsidenten İsmet İnönü und des Außenministers Tevfik Rüştü Aras erneut die Landwirtschaftsschule in Bornova Numune. Der von seltenen Bäumen umgebene Gelbe Kiosk diente zunächst als Gästehaus der Landwirtschaftlichen Fakultät und nach der Eröffnung der Ege Universität 1955 als Taverne.
Atatürk empfing den Künstler Heinrich Krippel in seiner Villa in Ankara und ließ ihn für alle Skulpturen, die er anfertigen sollte, Modell stehen. Die Vorstudien und Entwürfe für diese Skulpturen und Denkmäler fertigte Krippel in der Türkei an. Die nach diesen Entwürfen entworfenen und gefertigten Skulpturenformen wurden in der Wiener Werkstatt des Künstlers (Aufhostrass 13) hergestellt und in den Wiener Vereinigten Bergwerken in Bronze gegossen. Diese Skulpturen wurden dann in Einzelteilen in die Türkei transportiert und dort zusammengesetzt.
Ohne nach Wien zurückzukehren, realisierte der Künstler die Steinskulptur Atatürks in dem von Martin Elsaesser entworfenen und errichteten Gebäude der Sümerbank in Ulus und kehrte 1938 in der Hoffnung, in die Türkei zurückkehren zu können, nach Wien zurück. Wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs konnte Krippel nicht mehr in die Türkei zurückkehren und sein Leben endete am 5. April 1945 in Wien nach einer Magenoperation.
Mit Verlaub nochmals:
Wie die Nachrichtenseite Samsunsonhaber.com ( aus der Türkei-Stadt Samsun) berichtet, befindet sich das Grab des österreichischen Künstlers Heinrich Krippel in Wien in einem „erbärmlichen und traurigen Zustand“. Da auch kein Grabstein mit seinem Namen vorhanden ist, wurde das Grab, in dem Heinrich Krippel ruht, leider nach 70 Jahren (gest. 1945) im Jahr 2015 an Dritte verkauft. Und das, obwohl diese letzte Ruhestätte des Künstlers gerade für die Türken von spirituellem Wert ist.
Als Reaktion auf diesen Bericht werden wir, als Türkische Kulturgemeinde in Österreich( TKG Think Tank), ungeachtet der Kosten und des bürokratischen Aufwandes, den wir aus eigenen Mitteln und ohne materielle Unterstützung der öffentlichen Hand finanzieren, am selben Ort ein Grab erwerben(schon erworben), um die Dankbarkeit der österreichisch-türkischen BürgerInnen und der türkischen Nation in der Türkei gegenüber Heinrich Krippel zum Ausdruck zu bringen. Wir werden gemeinsam am Grab dieses großen Sohnes Österreichs beten und eine Schweigeminute einlegen.
Ein großer Wiener Geist-Heinrich Krippel (1883-1945)
Hätte man mich nach meinen langen Recherchen in der Türkei und in Wien gebeten, Heinrich Krippel in zehn Worten zu beschreiben, ich hätte zweifellos folgendes geschrieben: Leidenschaft für seine Kunst, Liebe, Verdienst, Diplomatie, Fleiß, Ausdauer, Geduld, Tatkraft und tugendhafter Mensch.
Wir verneigen uns in tiefer Hochachtung und Dankbarkeit im 100. Jahr der Gründung der Republik Türkei
( 29.10.1923-2023) vor diesem großen Künstler. Sein Werk bleibt. Heinrich Krippel – ein großer Wiener Geist….
Wir werden diesen großen österreichischen Künstler, den auch der Gründer der modernen Türkei Mustafa Kemal Atatürk geliebt und hoch geschätzt hat, in Wien, in unserer geliebten neuen Heimat Österreich, besuchen, uns an ihn erinnern und ihn für immer umarmen. ( Birol Kilic, 29.10.2023)


Das Buch:
Heinrich Krippel: Atatürks Bildhauer aus Wien
von Birol Kilic
https://neueweltverlag.at/heinrich-krippelatatuerks-bildhauer-aus-wien/
PDF des Buches
https://neueweltverlag.at/?r3d=heinrich-krippel

Quellen:
https://www.sonnoktanews.at/haber/13019368/dr-birol-kilictan-alkislanacak-hareket
https://www.samsunsonhaber.com/yazarlar/1273/samsun-un-simgesi-onur-anit
https://www.facebook.com/hashtag/heinrichkrippel/
https://www.yenivatan.at/jahr-1934-der-bildhauer-heinrich-krippel-atatuerks-bildhauer/
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Krippel
Jahr 1934: Der Bildhauer Heinrich Krippel-Atatürks Bildhauer
https://www.yenivatan.at/jahr-1934-der-bildhauer-heinrich-krippel-atatuerks-bildhauer/
https://tr.wikipedia.org/wiki/Konya_Atat%C3%BCrk_An%C4%B1t%C4%B1
https://tibbiyelihikmet.com/2015/01/25/afyon-zafer-aniti-nereye-yapildi/
https://mustafakemalim.com/ataturkun-ilk-heykeli-bir-zamanlar-herekede-idi/
https://www.turkischegemeinde.at/atatuerk-10-november-wir-erinnern-uns-mit-respekt-und-sehnsucht/
Martin Elsaesser
https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Elsaesser
