Wien, 29.08.2026 – In der Türkei haben jüngste Äußerungen prominenter Persönlichkeiten eine hitzige Debatte über die Behandlung der Aleviten und anderer Glaubensgemeinschaften ausgelöst. Zwei Vorfälle in kurzer Folge rückten die Frage, warum gerade die Aleviten immer wieder ins Visier geraten, erneut in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Diskussion.
Altan Tan mit kontroversen Äußerungen über die Aleviten
Der ehemalige Abgeordnete für Diyarbakır, Altan Tan, der dem Parlament in den Legislaturperioden 24, 25 und 26 angehörte, äußerte sich jüngst abwertend über Bestrebungen, Politik mit und über die Alevitische Gemeinschaft zu machen. Er warf Einzelnen vor, den Alevitismus instrumentalisieren zu wollen und erklärte: „Es gibt Menschen, die meinen, die Alevitische Gemeinschaft in ihrem Sinne lenken zu müssen. Über die Aleviten wird Linkssein, Sozialismus, Marxismus und Atheismus gespielt. Da liegt Betrug vor, da liegt Heuchelei vor … Wenn jemand nicht an Gott, den Propheten und die Religion glaubt, gibt es für ihn kein Sunnitentum mehr. Heute beschreibt auch niemand Nazım Hikmet als Sunniten.“
Diese Aussagen von Tan führten zu heftigen Reaktionen in der Öffentlichkeit und ernteten breite Kritik, weil sie religiöse und gesellschaftliche Identitäten in problematischer Weise miteinander verknüpften.
Kemal Öztürk schockiert mit Äußerungen zu Nusairiern
Inmitten der noch anhaltenden Aufregung sorgte der Autor Kemal Öztürk in einer Livesendung bei NTV für neuen Empörung. Beim Bericht über die Entwicklung in Syrien äußerte sich Öztürk gezielt zu den arabischen Aleviten (Nusairiern) und sagte: „Ich habe in Afrin, Idlib und ländlichen Gebieten von Aleppo derart erschütternde Dinge gehört, von Erschießungen bis zu Kindstoden. Es kommt einem fast so vor, als könne man sagen: Es hätte ihnen recht getan, wenn man alle diese Nusairier getötet hätte – aber schauen Sie, es wurde keine Rache geübt, es gab keine Massenhinrichtungen.“
Starke Reaktionen von Zivilgesellschaft und Alevitischen Organisationen
Diese aufeinanderfolgenden Äußerungen riefen sowohl auf Social Media als auch bei Nichtregierungsorganisationen großes Unbehagen hervor. Alevitische Vereinigungen und Gruppen, die sich gegen rassistische und konfessionelle Hetze einsetzen, kritisierten scharf, dass derartige Kommentare das gesellschaftliche Miteinander gefährden und bestimmte Glaubensgruppen zur Zielscheibe machen.
Erneute Diskussion um die Rolle der Aleviten in der Gesellschaft
Die gleichzeitige Verbreitung solcher Äußerungen aus unterschiedlichen Kanälen beleuchtete erneut eine zentrale Frage: „Warum stehen die Aleviten in der Türkei kontinuierlich im Fadenkreuz?“ Der Zeitpunkt und die Inhalte der Kommentare befeuern die Sorge, dass die Aleviten immer wieder zur Zielscheibe gesellschaftlicher Spannungen und Debatten gemacht werden.





