Wien, 03.11.2026 – Der milliardenschwere Börsenskandal in der Türkei zieht weitere Kreise: Der abgesetzte Istanbuler Börsenchef Korkmaz Enes Ergun ist verhaftet worden. Gegen ihn werde wegen des Verdachts der „Mitgliedschaft in einer zur Begehung von Straftaten gegründeten Vereinigung“ und der „Bestechung“ ermittelt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.
Justizminister Akin Gürlek erklärte kurz darauf, die bisherigen Ermittlungen deuteten nicht lediglich auf einen einfachen Börsenbetrug hin. Vielmehr gehe es um „eine umfassende kriminelle Vereinigung“.
Hunderttausende Anleger betroffen
Ausgangspunkt des Skandals waren mutmaßliche Kursmanipulationen durch Investmentfonds Mitte September. Die türkische Finanzaufsicht ordnete daraufhin die Liquidation von 131 Fonds an. Rund 455.000 Anleger sind betroffen. Es folgten Ermittlungen und zahlreiche Festnahmen sowie Entlassungen bei der Finanzaufsicht und im Finanzministerium.
Ein Ende Oktober verabschiedetes Gesetz soll die Abwicklung der betroffenen Fonds und schrittweise Rückzahlungen an die Anleger regeln. Ob sie ihr Geld vollständig zurückerhalten, ist bislang nicht garantiert.
Vertrauen in die Marktaufsicht steht infrage
Im Mittelpunkt steht nun auch die Frage, wie die mutmaßlichen Manipulationen über längere Zeit möglich waren und ob die zuständigen Kontrollinstanzen ausreichend eingegriffen haben. Der Wirtschaftskommentator Necmettin Batırel sagte der regierungsnahen Plattform TGRT, Ermittlungen gegen den obersten Manager des Marktes könnten das Vertrauen der Anleger grundlegend erschüttern. Derart schwere Vorwürfe gegen die Börsenleitung könnten zudem ausländisches Kapital vertreiben.





