Berlin, 03.04.2026-Sie wuchs in Bursa auf, büffelte in einem türkischen Mädchengymnasium, verbrachte die Sommer in München – und steht jetzt an der Spitze einer der renommiertesten Technischen Universitäten Deutschlands. Eine Karriere, die sich wie ein Roman liest.
Seit dem 1. April 2026 leitet Prof. Dr. Fatma Deniz die Technische Universität Berlin. Die 42-Jährige ist die erste Frau mit türkischen Wurzeln, die dieses Amt übernimmt – und sie hat sich den Chefsessel nicht geschenkt bekommen.
Klare Ansage im Senat
Im Senat setzte sie sich klar durch: Während die bisherige Präsidentin Geraldine Rauch gerade einmal 18 Stimmen holte, stimmten 42 Senatsmitglieder für Deniz – weit mehr als die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit. Die Rektorwahl fand in zwei Runden statt; im ersten Wahlgang traten noch fünf Kandidatinnen und Kandidaten an, drei zogen sich vor der Stichwahl zurück. Das Ergebnis war dann eindeutig.
Vom Internat in die Chefetage
Aufgewachsen in Bursa, Abitur als Jahrgangsbeste im Jahr 2001, Studium der Informatik an der TU München, Forschungsaufenthalt am kalifornischen Caltech, Promotion an der TU Berlin in Kooperation mit dem Bernstein Center for Computational Neuroscience – Deniz hat sich ihren Weg durch die internationale Wissenschaftswelt Schritt für Schritt erarbeitet.
Dass sie dabei auch harte Jahre im Internat durchgestanden hat, erwähnt sie selbst ohne Umschweife: „Ich habe früh gelernt, mit Problemen umzugehen, mit Unsicherheiten zu leben und meinen eigenen Weg zu finden.“ Worte, die nach gelebter Erfahrung klingen – nicht nach PR-Sprache.
Berkeley, Berlin, und dann ganz nach oben
Nach ihrer Promotion forschte Deniz mehrere Jahre an der University of California, Berkeley, unter anderem am Helen Wills Neuroscience Institute. 2020 kehrte sie nach Berlin zurück, wurde 2023 Professorin an der TU Berlin und leitete das Fachgebiet „Sprache und Kommunikation in biologischen und künstlichen Systemen“. Von der Professorin zur Präsidentin in gerade einmal drei Jahren – das ist kein Zufall, das ist Programm.
Forschungsgelder vom European Research Council, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bundesministerium für Forschung sowie der amerikanischen National Science Foundation – Deniz weiß, wie man sich in der hart umkämpften Wissenschaftswelt behauptet und Vertrauen gewinnt.
Nachhaltig, digital, international
Bundeskanzler Friedrich Merz holte sie im Januar 2026 persönlich in den Rat für Nachhaltige Entwicklung. Deniz erklärte dazu: „Die großen Fragen nachhaltiger Entwicklung lassen sich nicht einzeln lösen. Wissenschaft kann Orientierung geben, um Resilienz in Zeiten des Wandels zu stärken.“ Für Deniz kein Widerspruch zur Technik: Digitalisierung und Klimaschutz gehören für sie zusammen – und beides will sie nun von der Spitze der TU Berlin aus vorantreiben.
Mit ihrer Amtsübernahme trat Deniz gleichzeitig in das Board of Directors der Berlin University Alliance ein – dem höchsten Steuerungsgremium des Exzellenzverbunds aus FU Berlin, HU Berlin, TU Berlin und der Charité. Digitale Infrastruktur, internationale Spitzenforschung und eine starke Berliner Stimme in Europa – das sind ihre erklärten Ziele.
Ein Jubiläum, ein Neuanfang
Dass ausgerechnet im April 2026 auch das 80-jährige Bestehen der TU Berlin gefeiert wird, passt ins Bild. Ein Jubiläum, ein Neuanfang – und eine Frau, die beides verkörpert. Die Inauguration findet im Rahmen eines Festakts statt, zu dem unter anderem der britische Botschafter sowie Vertreter aus Politik und Wissenschaft erwartet werden.
Deniz selbst gab die Richtung nach ihrer Wahl klar vor: „Unser gemeinsames Ziel ist es, hier im Zentrum der Hauptstadt eine moderne Technische Universität zu schaffen, die wissenschaftliche Exzellenz lebt und atmet – mit verlässlichen Strukturen und einer Kultur, in der Lernen, Entwicklung und Verantwortung im Mittelpunkt stehen.“
Quelle: TU Berlin / Berlin University Alliance, 1. April 2026





